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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 02:25 Uhr

Sternberg : Aufregung um Einsatz von Kettensäge

vom

Helle Aufregung gestern in Sternberg: Mit Kettensägen ging es Linden vor einem Wohnblock an den Kragen. Die Kronen wurden radikal gestutzt. Die Bürger fragten sich, ob das Vorarbeiten für eine Fällaktion seien.

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2012 | 11:50 Uhr

Sternberg | Helle Aufregung gestern in der Sternberger Karl-Marx-Straße: Mit Kettensägen ging es Linden in einer langen Baumreihe vor einem Wohnblock an den Kragen. Die Kronen wurden radikal gestutzt. Die ahnungslosen Bürger fragten sich, ob das vielleicht sogar Vorarbeiten für eine Fällaktion seien. Das ginge nun gar nicht. Die Bäume stehen erst etwa so lange wie die Häuser - rund 30 Jahre.

"Wir waren schockiert, als wir aus dem Fenster schauten", sagt Klaus Werner. "Wir denken an die Vögel, die dort vielleicht einen Unterschlupf gefunden haben. Und woanders werden Linden gepflanzt, weil sie Bienen Nahrung bieten, die woanders verloren gegangen ist. Außerdem spenden die Bäume bei sommerlicher Hitze wohltuend Schatten."

Josef Fischler, Abteilungsleiter bei der Sternberger Wohnungsbaugesellschaft (Stewo), versteht die Sorge der Bürger um die Bäume, aber nicht die gestrige Aufregung. "Unsere Absicht war, diese Linden auf dem Grundstück der Stewo zu kröpfen und nicht abzunehmen. Ich würde mich schwer hüten, solche Bäume fällen zu lassen. Ein Verjüngungsschnitt aber ist in regelmäßigem Abstand notwendig. Die Linden treiben neu aus und erreichen schnell wieder die vorherige Größe. Es ist zu erkennen, dass sie schon mal gekröpft wurden, später wurde das dann wohl versäumt." Und was das Beschatten durch die Bäume betrifft, gäbe es unterschiedliche Meinungen. Manche freuten sich darüber, andere wollten lieber die volle Sonne, gibt Fischler zu bedenken und zeigt zudem auf grüne Stellen an der Fassade, die von den Bäumen verursacht würden.

Das von Anwohnern alarmierte Ordnungsamt in Sternberg war dann selbst vor Ort, stoppte die Arbeiten und verständigte die Untere Naturschutz behörde in Parchim. Die hat zugesagt, die Linden selbst anzuschauen und danach zu entscheiden. Drei sind bereits zurückgeschnitten, fünf weitere aus der Reihe, in der auch Ebereschen jüngeren Jahrgangs stehen, sollten noch unter die Kettensäge.

Die Krux besteht aber darin, dass nicht nur für das Fällen von Bäumen eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde vorliegen muss, sondern auch für das auf Kopf setzen, erklärt Bürgermeister Jochen Quandt. "Wir gehen davon aus, dass bei den Bäumen in der Karl-Marx-Straße keine Genehmigung erteilt wird." Linden dürfen laut Landesnaturschutzgesetz nur in Ausnahmefällen auf Kopf gesetzt werden, vor allem um sie am Leben zu erhalten, fügt Ordnungsamtsleiter Eckardt Meyer an. In Blankenberg sei kürzlich eine Genehmigung erteilt worden.

Wenn die Bäume geschädigt, zum Beispiel in der Mitte hohl sind, würden sie radikal gestutzt, um die Windlast von ihnen zu nehmen und so zu verhindern, dass sie auseinander brechen. Linden würden dann wieder vollkommen ausgrünen, das stimme schon, so Meyer. Er habe allerdings Zweifel, ob die betreffenden Linden in der Karl-Marx-Straße auf Kopf gesetzt werden müssten. Das seien noch relativ junge und gesunde Bäume. Aber davon solle sich die zuständige Behörde beim Landkreis selbst ein Bild machen und sich dann für oder gegen eine Genehmigung festlegen. Aus Parchim sei jedenfalls ein Lob gekommen, dass das Ordnungsamt die Arbeiten gestoppt und die Naturschutz behörde informiert habe.

Experten verweisen auch darauf, dass der richtige Schnitt gelernt sein will. Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) in Bonn hat eigens eine Richtlinie zur fachgerechten Baumpflege herausgegeben. Denn nicht fachgerechte Schnitte könnten zu großen Schäden am Baum führen, weil Krankheitserreger ins Holz eindringen oder die Krone instabil wird. Kopfbäume seien lebenslange Pflege fälle, sagen die Fachleute. Josef Fischler von der Stewo nimmt es gelassen. Er habe in guter Absicht gehandelt und warte nun die heutige Klärung durch die zuständige Naturschutzbehörde beim Landkreis ab.

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