Warin : Auf Wetterbiber wieder Verlass

Für den  Biber scheint der Winter vorbei zu sein.
1 von 3
Für den Biber scheint der Winter vorbei zu sein.

Monitoring im Naturpark Sternberger Seenland kurz vor dem Abschluss / Nager auf Wanderschaft: 30 verlassene Reviere.

svz.de von
09. März 2014, 06:53 Uhr

Der erfahrene Meteorologe Werner Schulz aus Marnitz warnte zu Wochenbeginn in dieser Zeitung, dass der Frühling noch manche (Wetter-)Überraschung bringen kann. Autofahrer oder Hobbygärtner kennen das aus manchen März- oder Apriltagen zur Genüge. Doch einen anhaltenden Kälteeinbruch wie
etwa vor einem Jahr müssen wir nicht mehr befürchten, ist Mario Krüger, Ranger im
Naturpark Sternberger Seenland, fest überzeugt.

Das leitet er aus dem Verhalten der Biber ab, die in diesem Winter „extrem faul waren, wie ich das noch nie erlebt
habe“, sagt Krüger. Als deutliches Zeichen, dass eine längere, strenge Frostperiode zu
erwarten ist, haben die Biber
sonst Schlamm auf ihre Burgen gepackt, um sich zu schützen. „Wir vermuten einen Vorlauf von etwa zwei Wochen. Dass sie damit noch Mitte März beginnen und dann groß was kommt, halte ich für
unwahrscheinlich“, so Krüger.


Abgenagte Knüppel an den Fressplätzen


Natürlich sei es denkbar, dass noch mal Schnee fällt und die Temperatur in den Keller geht, „da kann man sich nie
sicher sein, aber mit einem Wintereinbruch rechne ich nicht mehr“. Denn auch jetzt tue sich an den Biberburgen gar nichts. Es sei „sogar schwer auszukundschaften“, ob ein Revier überhaupt bewohnt ist. Überall an den Fressplätzen würden Knüppel liegen, mit denen die Tiere sonst ihre
Behausung abdecken, nachdem sie die Rinde abgenagt
haben. Im November hätten sie etwas Holz draufgelegt, aber dann sei Schluss gewesen. „Die Tiere haben anscheinend das Notwendigste gemacht und es dann sein lassen“, meint Krüger. „Ich denke, auf den Wetterbiber war wieder Verlass. Und jetzt ist der Winter für ihn vorbei.“

Bei der klirrenden Kälte im zweistelligen Minusbereich, die es im Januar hier in der
Region gab, habe es zeitweilig schon Stimmen gegeben, die an der Zuverlässigkeit der Eiszeitwarnung durch die Nager zweifelten. Doch Mario Krüger hat eine einfache Erklärung: Diese Kälteperiode ist zu kurz gewesen. Die Biber hätten gespürt, dass die Fettreserven, die sie sich vorher angefressen hatten, dafür ausreichten. Ganz nach dem Motto: Das sitzen wir aus. Kollegen aus dem Naturpark Peenetal hätten ihn in dieser Ansicht bestärkt, sagt Krüger. „Dort haben die Biber Schlamm auf ihre Burgen
gepackt. Eine Woche später kam der Frosteinbruch, der sich einige Tage länger hielt als bei uns.“

Das Phänomen, aus dem Verhalten der Nager Rückschlüsse auf das Winterwetter zu ziehen, haben zuerst die Wariner Naturparkranger entdeckt. Wodurch die Tiere dieses Gespür entwickeln, weiß bislang niemand. Doch seit sechs Jahren sei stets Verlass darauf gewesen, erklärt Krüger schmunzelnd. Inzwischen würden auch die Ranger in
den anderen Naturparks des Landes die Biber in den Wintermonaten stärker als sonst im Blick behalten.

Diese Beobachtungen, die immer wieder Spaß machten und zunehmend Interesse in der Öffentlichkeit gefunden hätten, erfolgten natürlich nur
nebenbei, stellt Krüger klar. Im Vordergrund stehe die Überwachung des Biberbestandes. Der Naturpark Sternberger Seenland kontrolliert als einer von wenigen jährlich die
Reviere, um die Übersicht zu behalten. Die Wariner sind
dazu übergegangen, weil in diesem Bereich besonders
viele Biber leben. Zum Vergleich: Im Naturpark Sternberger Seenland gibt es über 150 Ansiedlungen, in der Nossentiner/Schwinzer Heide bei annähernd gleicher Fläche
lediglich eine.

Nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU muss der Naturpark alle drei Jahre einen Bericht über die streng geschützte Tierart anfertigen. Darin geht es um
den Bestand sowie, falls dieser zurückgeht, um die Gründe und eingeleitete Maßnahmen, die entgegen steuern. Dieser
Bericht ist 2014 wieder fällig. „Mit dem Monotoring sind
wir fast durch. Es fehlen noch vier Reviere“ , sagt Krüger.

Von den bislang erfassten 150 Revieren seien 30 verlassen. Dort würde der Biber nicht mehr genug Nahrung finden, so dass er auf Wanderschaft gehe. Für Krüger eine natürliche Entwicklung: Rund 200 Jahre habe sich die Natur ohne den vom Menschen ausgerotteten Biber entwickelt. Als er in der Region wieder
angesiedelt wurde, habe er „paradiesische Nahrungsverhältnisse“ vorgefunden und der Bestand sich unnormal vergrößert, im Bereich Kuhlen-Wendorf beispielsweise. „Dort an der Möllerwiese
standen paar Weiden und Birken. Innerhalb von zwei Jahren war alles leer gefressen. Die Lebensgemeinschaft zwischen Gewässerrand und Biber als neuer Mitspieler muss sich erst wieder einpegeln. Das braucht Zeit“, erklärt der begeisterte Naturparkranger.

Die Ergebnisse des Monitorings im Naturpark erläutert Mario Krüger beim jährlichen Bibertag in Alt Necheln, der diesmal am 12. April stattfindet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen