Dabel : Auf Hansetour mit Hindernissen

Trainingsfahrt von Helmut Deutschkämer mit den beiden jungen Mecklenburger Schimmelwallache Cox (r.) und Cavrek für die große Tour auf der alten Hanseroute im August.
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Trainingsfahrt von Helmut Deutschkämer mit den beiden jungen Mecklenburger Schimmelwallache Cox (r.) und Cavrek für die große Tour auf der alten Hanseroute im August.

Nach der Deutschlandtour 2013 geht der Dabeler Helmut Deutschkämer im August ein neues Abenteuer an: von Anklam bis Masuren.

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25. März 2015, 08:02 Uhr

Postkutscher Helmut Deutschkämer  hat seine jungen Mecklenburger Schimmel-Wallache  Cox und Cavrek angespannt. Zum Üben für das nächste große Abenteuer. Nachdem der Dabeler Postillon 2013 mit seiner Deutschlandtour von Kap Arkona bis zur Zugspitze  republikweit  für Schlagzeilen sorgte,  folgt er nun vom 22. August bis 7. September der  Hanseroute.

Eigentlich wollte Deutschkämer, der gestern seinen 63. Geburtstag feierte (Glückwunsch!), dabei von Lübeck bis nach Königsberg fahren. Doch dies hat sich zerschlagen –  aus mehreren Gründen. So geht die Fahrt „nur“ noch vom vorpommerschen Anklam bis nach  Braunsberg, dem heutigen Braniewo,  an der Grenze zwischen Polen und der russischen Exklave Kaliningrad.

Lange hatte der gebürtige Dabeler  gehofft, ein russisches Visum zu erhalten und sich unbeeindruckt gezeigt von den aktuellen Spannungen wegen des Ukraine-Konflikts. Doch auch ein Mecklenburger Dickkopf scheitert  an der  russischen Bürokratie, kapituliert vor allem vorm Handaufhalten an der  polnisch-russischen  Grenze durch die russischen Zöllner. Deutschkämer erkundigte  sich u.a. bei Springreiter André Plath  aus Timmendorf/ Poel, der das Grenz-Prozedere kennt. „500 Euro fürs erste Pferd, für jedes weitere 100 – insgesamt würde mich das alles in allem 2000 Euro cash kosten“, so Deutschkämer. Auch hatte er wegen der Kutschen-Einreise beim russischen Konsulat  angefragt sowie noch einmal telefoniert mit einer Stelle in Hamburg. „Das hat gereicht“, winkt der Kutscher aus Leidenschaft ab. Und was die Strecke von Lübeck bis Anklam betrifft, so wollte nur eine Frau mitfahren, konstatiert Deutschkämer enttäuscht und fügt süßsauer hinzu: „Wer nicht kommt, der braucht nicht gehen“. Dabei hatten mehrere nach der D-Tour 2013 bekundet, sie würden auf alle Fälle  bei der Hanseroute dabei sein. Als es jetzt konkret wurde, sprangen viele ab. „Derzeit habe ich sechs Fahrgäste, darunter vier für die gesamte Strecke. Weitere können sich gerne bei mir melden“, so Deutschkämer. Die  kompletten  18 Tage kosten ca. 2000 Euro, Unterkunft und Vollverpflegung  inbegriffen.

Eine Tour-Absage kam für den Postillon freilich nie in Betracht. Zum einen hat er dafür schon zu viel investiert. Außerdem  hat die Kutschfahrt einen familiären Hintergrund. Die Deutschkämer  sind nämlich „ein altes ostpreußisches Bauerngeschlecht“. Opa Oskar hatte in Eisenberg bei Braunsberg einen Hof. Dieser lag außerhalb des Orts. „Ich war zweimal da mit meinen Eltern, 1973  und nochmals Mitte der 80er. Von der Bauernstelle ist fast nichts mehr da, im Krieg wurde sie zerbombt. Vater fand 1973 jedoch Teile der Hofmauer und u.a.  das Hausfundament“, erzählt Helmut Deutschkämer.

Opas Wiesengraben

heute EU-Außengrenze Und noch aus einem anderen Grund  wird die Hansetour etwas ganz Besonderes. „Das Haus stand  noch im heutigen  Polen. Der breite Graben,  der durch Opas Wiese verlief, bildet heute die Grenze zwischen Polen und Russland“, so Deutschkämer.  Der Wiesen-Graben als EU-Außengrenze! Wahrlich eine nicht alltägliche Geschichte. Manchmal ist es schon kurios, wie sich große Politik und Privates miteinander vermischen.

Am 21. August trifft sich Deutschkämer mit den Reisebegleitern in Anklam, tags darauf geht’s los mit der Ende der 90er im polnischen Priewny bei Posen nach einem Original von 1806 gebauten Postkutsche. Die bewältigte bereits die D-Tour…

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