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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 04:27 Uhr

Warin : Auf den Spuren von Baron Biel

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Spannende Suche in Sachen Stadtgeschichte: Reitsport in Warin im 19. Jahrhundert.

Die Suche nach Belegen für stadtgeschichtliche Begebenheiten sind oft wie ein kriminalistisches Kaleidoskop, vielschichtig, irrwitzig spannend, aber leider oft auch nur wissenserweiternd ohne wirklichen Erfolg. So auch die Geschichte mit Baron Biel und dem Reitsport in Warin.

Also, da liest man in der Chronik des Heinrich Beu von 1933, von einem Haus, das Baron Biel gehört habe, von Stallungen und Pferderennen. Nun ja, denkt man, interessant und verfolgt die Sache nicht weiter. Aber dann erscheint im Mecklenburg-Magazin der SVZ am 22. April 2013 ein Artikel über die Gebrüder von Biel. Wilhelm (1789 –1876) und Gottfried (1792 –1831) von Biel waren Gutsbesitzer und Pferdekenner. Sie führten die Vollblutzucht in Mecklenburg ein, starteten 1822 die Pferdewettrennen in Bad Doberan und galten deutschlandweit als gefeierte Experten in der Vollblutpferdezucht. Soviel Prominenz mit Warin verbunden.


In Beu’scher Chronik fehlen nur Details


Das weckt das Chronisten-Interesse. Also wird die Beu’sche Chronik hervorgeholt und genauer gelesen. Beu schreibt 1933: „Baron von Biel bewohnte das jetzt noch stehende langgestreckte herrschaftliche Wohnhaus mit zwei rechtwinklig angeschlossenen Hintergebäuden zum Betrieb eines Rennstalles, der auch lange Jahre in Betrieb gewesen ist. Als Renn- und Reitbahn wurde die links am Labenzer Weg liegende Strecke bis zum Wilhelmshöfer Weg benutzt und wird noch jetzt als Rennbahn bezeichnet.“

Im Stadtplan von 1837 sind am Ochsenbrink zwischen jetziger „Kaiserlicher Post“ und katholischem Pfarramt Häuser eingetragen. Damals war der Platz ostwärts geschlossen und die heutige Mühlenbruchstraße noch nicht angelegt.

Die Beu’sche Chronik gilt als verlässliche Quelle, nur fehlen die Details, um vom Baron Biel und von den Pferderennen in Warin ein vorstellbares Bild zu bekommen. Briefe, Mails, und Telefonate gehen auf Jagd nach mehr Informationen. Die SVZ vermittelt den Kontakt zu der Autorin des vorhin erwähnten Zeitungsartikels. Warin und von Biel? Keine Kenntnis, aber hoch interessant. Sicher wisse der Buchautor Horst Gründel, der über die Rennen in Bad Doberan ein Buch geschrieben hat, etwas darüber.

Gründel ist ebenfalls interessiert, kann aber nur auf die Historikerin Bia von Doetinchen, die zur Familie von Biel gehört und über sie veröffentlicht hat, verweisen. Frau von Doetinchen reagiert sehr freundlich, verweist auf alte Reitsport-Magazine, sendet gar ihre Biel-Nachlese. Aber Warin sei in ihren Forschungen nicht vorgekommen.

In der Landesbibliothek in Schwerin sind die Reitsport-Magazine einsehbar. Sie berichten detailliert über die Pferderennen, aber nur über die großen Rennen in Bad Doberan, Güstrow, Basedow und Neubrandenburg. Rennen in Warin sind nicht genannt, wohl aber von 1835 bis 1839 der Vollblutdeckhengst Fra Diavolo, gezogen in Redefin, Vater Morisco, Mutter Tint. Besitzer ist Sr. Königliche Hoheit. Ist das ein Hinweis auf Baron Biel in der Stadt? Schließlich hat Wilhelm von Biel in seiner Jugend als Ordonnanz- Offizier beim Erbprinzen Friedrich Ludwig von Mecklenburg Schwerin gedient. Aber das Landgestüt Redefin kann auf Anfrage nur bestätigen, dass Redefin in Warin als Außenstelle eine Deckstation betrieb. Es gäbe keinen Hinweis auf die Familie von Biel. Fehlmeldung!

Eine weitere, vage Spur deutet sich an. Wo bei Beu die von Biels lebten, stand das Geburtshaus des Wariner Ehrenbürgers August Cords. Dessen leiblicher Vater war der Gutsbesitzer Ortmann zu Schependorf. Hatte Ortmann die Liegenschaften der Familie Biel übernommen und dort dem offiziellen Vater, Maurermeister Cords, ein Nebenhaus überlassen? Eine gewagte Theorie, die Nachfahren der Ortmanns in Schependorf nicht bestätigen können.

Ein weiterer Reitsport-Hinweis erweist sich als einfacher Abschreibfehler. Beu erwähnt im Original im Bereich des heutigen Parkplatzes Zwei-Seen-Center Reste einer Reiferbahn. Bei den Abschriften, die weite Verbreitung fanden, wurde daraus eine „Reiterbahn“.

Was all die Versuche gebracht haben? Wenn dieser Bericht Wissende anregt, bei einer weiteren Aufhellung mitzuwirken, oder wenn sich Pferdefreunde finden, die die Geschichte der Außenstelle vom Pferdezuchtbetrieb Redefin in Warin aufarbeiten mögen, dann ist es viel. Man kann sich darauf verlassen, man muss sich nur darauf einlassen, dann wird Stadtgeschichte irrwitzig spannend.

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