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Kirche als Geschichtsgut : Auch als Nichtgläubiger hier aktiv

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Harald Lehmann aus Hasenwinkel engagiert sich seit der Wende für den Erhalt der Dorfkirche. 1999 entstand der Bibower Kirchenbauverein.

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erstellt am 19.Apr.2017 | 12:12 Uhr

Man muss kein Christ sein, um sich in einem Kirchenbauverein zu engagieren. Harald Lehmann aus Hasenwinkel hat es die Ende des 13. Jahrhunderts erbaute Bibower Dorfkirche angetan.

In der Wendezeit schien das Schicksal des hochgotischen Backsteinbaus besiegelt, es war zu DDR-Zeiten dem Verfall preisgegeben. Eine Birke wuchs schon halb durch die Schleppgaube. Das Dach war undicht, es herrschten Holzbockbefall und Braunfäule; Mauerwerk und Gebäudesockel zeigten mannigfaltige Schäden. Auch Mutter Natur tat ihr übrigens, sprich die Bäume wucherten bereits so dicht um die Kirche, dass diese von der Bahnlinie aus nicht mehr wirklich erkennbar war. Das Gebäude befand sich in einem Dornröschenschlaf.


1988 sollte die Kirche abgerissen werden


„1988 sollte die Kirche eigentlich abgerissen werden. Aus bautechnischen Gründen; zum Glück ist das nicht passiert“, betont Harald Lehmann, der in wenigen Tagen seinen 60. Geburtstag begeht.

Dass das Kulturgut vor dem Verfall gerettet werden konnte, ist dem Bayerischen Rundfunk zu verdanken. „Das dortige Fernsehen drehte in der Wendezeit einen Film über mehrere bedrohte Kirchen in Mecklenburg, darunter auch die in Bibow“, so Lehmann. Daraufhin nahmen die Architektin Eva-Maria Hetzer aus Schwerin und die Münchnerin Gertrud Voll Kontakt auf. Lehmann: „Beide sind zusammen zur Schule gegangen und blieben auch über die DDR-Zeit befreundet.“

Eine Bestandsaufnahme folgte, doch bevor Geld floss, wurde die Bildung eines Kirchenbauvereins zur Voraussetzung gemacht. Dieser bildete sich im Mai 1999, aktuell zählt er 25 Mitglieder.

Seitdem ist viel passiert, ist die Kirche ein Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Allein im ersten Bauabschnitt wurden 30 000 DM investiert in die neue Dachkonstruktion sowie u.a. dem Chor – dank Fördermitteln und Spenden. 2001 fand erstmals seit einem Vierteljahrhundert hier wieder eine Trauung statt. Ende 2010 war der Altar restauriert. Aktuell werden Spenden gesammelt für eine zweite Glocke, deren Vorgängerin wurde im 1. Weltkrieg eingeschmolzen. Im Fördertopf befinden sich aktuell 2195 (Glocken-)Euro.

Monatlich gibt es in der Sakristei eine vom Verein organisierte kulturelle Veranstaltung, die nächste ist am 7. Mai ein Operetten- und Musicalabend mit dem Rostocker Ensemble Bernstein.

Jeden letzten Sonnabend im Monat treffen sich zudem die Vereinsmitglieder zum Arbeitseinsatz – koordiniert von Harald Lehmann, der nochmals klarstellt: „Nicht die Kirche, die Religionszugehörigkeit stehen für mich im Vordergrund. Solch ein Bauwerk und das Handwerk sind einfach gigantisch.“ Beruflich als Monteur der Lebensmittelindustrie tätig, bringt er im Kirchenbauverein den handwerklichen Sachverstand ein. Und an solch einem Kirchenbau ist immer was zu tun. „Wenn wir in Rente gehen, sehen wir hier noch nichts“, meinte 1990 einer der Mitstreiter, Klaus Kannenberg aus Hasenwinkel, als es mit dem Aufräumen anfing. „Ich dachte genauso“, bekennt Harald Lehmann.

Welch eine (positive) Fehleinschätzung…

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