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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

21. September 2017 | 01:47 Uhr

Windpark Hohen Pritz : Arbeitsplatz in luftiger Höhe

vom

Ronald Lange hat einen der höchsten Arbeitsplätze im Land. Gemeinsam mit Birk Lemke aus Gneven ist er für die Wartung und Reparaturen der 14 Windkraftanlagen im Windpark in Hohen Pritz verantwortlich.

svz.de von
erstellt am 05.Jun.2013 | 11:09 Uhr

Hohen Pritz | Mit geübten Griff streift sich Ronald Lange seine Arbeitshandschuhe über, der weiße Helm sitzt schon auf seinem Kopf. Die Füße stecken in derben Stiefeln, die Beine in einer blauen Arbeitshose. Letztes Detail seiner Arbeitskleidung: ein Sicherungsgurt, der sich über Brust und Beine spannt. Und der ihm im Notfall das Leben retten wird. "Wir sind mit dem Gurt gesichert, falls uns beim Aufstieg mal schwindelig wird", erzählt Ronald Lange, der in Kukuk wohnt. Das sei Pflicht, obwohl der 36-Jährige sich nicht daran erinnern kann, dass ihm die Höhe jemals etwas ausgemacht hat. "Ich hab’ damit kein Problem, mir wird nicht schwummerig", sagt er mit einem Augenzwinkern.

Und das ist gut so. Denn Ronald Lange hat einen der höchsten Arbeitsplätze im Land. Gemeinsam mit Birk Lemke aus Gneven ist er für die Wartung und Reparaturen am Windpark in Hohen Pritz verantwortlich. 14 Anlagen stehen hier. Jede einzelne hat inklusive Rotorblatt eine Höhe von 123,5 Metern. Damit sind die Windräder fast so hoch wie der Schweriner Fernsehturm, der 136 Meter misst. Die Nabenhöhe bei den Windkraftanlagen beträgt indes 85 Meter. Und das ist in etwa die Höhe, in der die beiden Servicetechniker meistens arbeiten. Denn hier befindet sich der Maschinenraum mit dem Generator. Hier fallen die meisten Reparaturen an. "Wir arbeiten aber zum Beispiel auch außen am Kopf oder in den Rotorblättern. Die sind von innen begehbar", so Lange.

Der Aufstieg in den Kopf der Anlage, in der Fachsprache als Gondel bezeichnet, geht für Ronald Lange und seinen Kollegen über eine einfache Metallleiter. Frei stehend in der Mitte des Turms führen 283 Leitersprossen in die Gondel hinauf. Wer unten steht, kann das Ende der Leiter noch nicht einmal erahnen. Nach jeweils 25 Metern gibt es eine kleine Plattform. "Hier kann man Pause machen", erzählt Ronald Lange. "Das brauche ich aber nicht", fügt der Servicetechniker hinzu. "In viereinhalb Minuten klettere ich die Strecke in einem hinauf", sagt er - und zeigt auch gleich, wie schnell er ist.

Aber erst verhakt er mit einem leisen Klick seinen Sicherungsgurt mit der Lauföse in der Mitte der Leiter. Dann fasst er behände eine der Sprossen über seinem Kopf, zieht den Körper nach, seine muskulösen Arme sind dabei weit gestreckt. Dann beginnt Ronald Lange gleichmäßig zu klettern. Er lehnt sich weit in den Sicherungsgurt zurück. Davor hätten am Anfang viele Angst.

"Man darf sich nicht an den Leitersprossen fest klammern", so der Servicetechniker. Das würden viele instinktiv tun. Denn die freistehende Leiter schwingt beim Aufstieg immer ein wenig mit. Langes Tipp fürs Klettern: "Die Beine immer gut strecken und mit ihnen klettern. Macht man die meiste Arbeit mit den Armen, dann schafft man den Aufstieg nicht." Oder man habe am nächsten Tag einen tierischen Muskel kater. Das passiert Ronald Lange schon lange nicht mehr.

Genauso wenig wie für ihn die Höhe und der Aufstieg ein Problem sind, macht ihm der Aufenthalt in der Gondel, die im Inneren so groß wie eine durchschnittliche Wohnstube ist, nichts aus. Dabei kann es in dieser Höhe Schwankungen bis zu einem Meter geben. Da muss man schon ein bisschen seefest sein, so der Servicetechniker lachend. Dafür wird er aber auch mit etwas besonderem belohnt, sagt er: "Eine tolle Aussicht. Die hat nicht jeder!"

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