Weberin : Arbeiten mit Hammer und Nagel

Harry Sticklorat stellt im Weberiner „Naschwer“ Nagelobjekte aus.  Fotos: Roswitha Spöhr
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Harry Sticklorat stellt im Weberiner „Naschwer“ Nagelobjekte aus. Fotos: Roswitha Spöhr

Wariner Harry Sticklorat zeigt im Weberiner Café Nagelobjekte und damit seine Sicht auf Ereignisse unserer Zeit.

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03. September 2015, 22:40 Uhr

Mit einem Prägedruck von Günther Uecker hatte unsere Zeitung am 6. Juni 2014 exklusiv getitelt. Das Nagelrelief des in Düsseldorf lebenden und in Mecklenburg aufgewachsenen Uecker, der zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern gehört, habe ihn von da an nicht mehr losgelassen, gesteht Harry Sticklorat. Und er würde Uecker gern einmal treffen.

Der 70-Jährige und seine Frau Petra waren auf den Tag genau zwei Jahre zuvor aus dem niedersächsischen Oldenburg ins mecklenburgische Warin gezogen. Während seine Frau schon seit mehreren Jahren die abstrakte Malerei für sich entdeckt hat, war es für den am Weltgeschehen sehr interessierten Harry Sticklorat ein politisches Ereignis, das ihn erstmals selbst zu Hammer und Nägel greifen ließ: das  blutige Attentat gegen die französische Zeitschrift Charlie Hebdo und ihre Mitarbeiter. Die Demonstration in Paris mit über einer Million Menschen wird in seinem Objekt „Wir sind Charlie“ visuell. Verarbeitet wurden 2 650 Nägel. Zu sehen ist es mit weiteren elf Objekten in der neuen Ausstellung im Weberiner Café „Naschwerk“.

Es sind durchweg politische Themen, mit denen sich der Wariner auseinandersetzt: In „Wir sind Bunt“ zeigt er die Demonstration für Toleranz in München, in „Schwarzes Sitzkissen“ hält er Politikern, die alles aussitzen, den Spiegel vor oder zeigt in „Frauenquote“, dass der Weg, den Frauen vor sich haben, immer noch steiniger, sperriger und schwerer ist.

Dem Hobby-Nagelkünstler kommen die Ideen nachts. „Wenn es wichtig ist, stehe ich auf, weil  es am nächsten Tag vergessen ist“, sagt er. Die Idee zeichnet er auf und berät sich mit seiner Frau. „Ich beziehe sie sehr mit ein und nehme ihre Hinweise gern an, besonders bei den Farben“, sagt er. Dann werden die Nägel gekauft, an die 20 000 hat er bislang verarbeitet. Wobei der Kauf durchaus zur Herausforderung werden kann, weil es beispielsweise solch große Stückzahlen oder die gewünschte Kopfgröße nicht immer gibt. Die Zeichnung wird 1:1 auf einer mit Leinen bespannten 21 Millimeter dünnen Holzplatte markiert und akkurat abgearbeitet. Er überlässt nichts dem Zufall.  „Wenn Harry angefangen hat, ist er wie im Fieber“, weiß seine Frau. „Ernsthaft verletzt habe ich mich zum Glück noch nicht“, sagt der 70-Jährige.

Dass er jetzt seine Objekte im „Naschwerk“ zeigen kann, ist allerdings einem Zufall zu verdanken. „Obwohl es vom Datum wieder passt, die Entscheidung  fiel  an einem 6. Juni“, erzählt der Wariner. Ulrike Schütze vom Weberiner Café habe sich an diesem Tag Bilder von seiner Frau bei ihnen zu Hause angesehen. Eine Tür habe offen gestanden und Ulrike Schütze gefragt, was das denn für Arbeiten  wären. „Das ist meine Kunst“, habe er geantwortet.  Da war die Ausstellung beschlossene Sache.

Die Nagelobjekte sind im „Naschwerk“ freitags von  14 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen und können nach Gebot gekauft werden. Das Café, das jetzt  von Ed Schütze allein weitergeführt wird, bleibt in diesem Jahr  bis kurz vor Weihnachten geöffnet.

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