Sternberg : Anwohner sauer über neue Straße

Der erste Bogen der Philipp-Müller-Straße ist gepflastert. Den klassischen Gehweg gibt es in dem künftig verkehrsberuhigten Bereich nicht mehr. Er ist mit der Fahrbahn in einer Ebene, durch eine flache Rinne für Regenwasser optisch abgegrenzt – aber nur auf einer Seite. Gegenüber gibt es einen Randstreifen mit Schotter und Grasansaat. Darüber sind Anwohner richtig sauer.  Fotos: Rüdiger Rump
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Der erste Bogen der Philipp-Müller-Straße ist gepflastert. Den klassischen Gehweg gibt es in dem künftig verkehrsberuhigten Bereich nicht mehr. Er ist mit der Fahrbahn in einer Ebene, durch eine flache Rinne für Regenwasser optisch abgegrenzt – aber nur auf einer Seite. Gegenüber gibt es einen Randstreifen mit Schotter und Grasansaat. Darüber sind Anwohner richtig sauer.

Die sanierte Philipp-Müller-Straße in Sternberg hat einen angedeuteten Gehweg auf nur einer Seite. Der Bürgermeister dazu: Fördermittel gibt es lediglich bis zu einer Breite von 5,50 Metern.

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03. September 2015, 21:30 Uhr

Sie hatten sich gefreut, dass der holprige Gehweg endlich erneuert wird. Dass das mit der asphaltierten Fahrbahn, die noch völlig in Ordnung war, ebenso geschieht, nahmen die Anwohner der Sternberger Philipp-Müller-Straße gelassen hin. Denn schmal war sie, zwei Pkw kamen gerade aneinander vorbei, war ein größeres Fahrzeug beteiligt, klappte das nicht mehr. Deshalb der Plan der Stadt, die Straße auf einer Gesamtbreite von 5,50 Metern mit Betonsteinen in einer Ebene zu pflastern. Das ermögliche, einem entgegen kommenden Lkw über den befahrbaren Seitenstreifen auszuweichen. Dieser ist durch eine flache Rinne für Regenwasser wie ein Gehweg optisch abgegrenzt. Die Philipp-Müller-Straße soll ein verkehrsberuhigter Bereich werden, in dem Fußgänger und Fahrzeuge gleichberechtigt sind und gegenseitig Rücksicht nehmen müssen; es darf nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden.


Streifen mit Schotter und jungen Grashalmen


Im Juli wurde am Parkplatz für die Ferienhaussiedlung angefangen. Der Abschnitt von dort im Uhrzeigersinn ist erledigt, der in entgegengesetzter Richtung in Arbeit. Das bislang fertige Stück sorgt allerdings für Unmut bei Anwohnern. Denn den angedeuteten Gehweg gibt es nur noch auf einer Seite, gegenüber einen Streifen mit Schotter und jungen, bislang spärlichen Grashalmen zwischen Straße und Grundstücken. Dort sind lediglich die Zufahrten gepflastert. „Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt“, sagt eine Frau, die gerade vom Einkaufen kommt und sich mit einer Einwohnerin unterhält, die im Vorgarten Hand anlegt. „Wer soll das in Ordnung halten“, fragt die ältere Dame. „Sonst haben wir das Grüne aus den Fugen vom Gehweg herausgekratzt. Jetzt mache ich hier keinen Handschlag mehr“, sagt sie verärgert. An Schrittgeschwindigkeit werde sich auch nicht gehalten. Für ältere Leute oder mit Kinderwagen sei das besonders schlecht. „Wir wohnen schon über 50 Jahre hier. Das waren die ersten vier Häuser“, fügt die Frau an und zeigt die Straße herauf, bevor sie ihr Ärgernis mit dem Telefonkabel erzählt. Die Masten seien zum Glück weg. „Die neue Leitung kam vom Hauptkabel quer über die Straße und wurde durch unseren Vorgarten bis zum Haus verlegt, der aber am nächsten Tag ein zweites Mal aufgebuddelt und das Kabel bis zur Straße wieder herausgenommen“, erzählt die Frau kopfschüttelnd. Es sei zwar gesagt worden, dass auf den Grundstücken die Eigentümer verantwortlich sind, aber wenn das Kabel schon verlegt war, und sei es versehentlich, hätte es doch in der Erde bleiben können.

Bei Letzterem fühle er sich nicht angesprochen, so Bürgermeister Jochen Quandt auf SVZ-Nachfrage. Was aber die Pflasterung betrifft, habe „im Vorfeld Konsens bestanden, dass die Philipp-Müller-Straße auf 5,50 Meter in einer Ebene ausgebaut und ein verkehrsberuhigter Bereich wird“. Das bedeute, dass es keinen klassischen Gehweg mehr gebe und Fußgänger selbst die Mitte der Straße nutzen dürften, natürlich mit der gebotenen gegenseitigen Rücksichtnahme bei allen Verkehrsteilnehmern.

Der Streifen mit Schotterrasen auf einer Seite sei entstanden, weil nur bis zu einer Straßenbreite von 5,50 Metern Fördermittel fließen. Was darüber hinaus gehe, müsse voll bezahlt werden. „Uns ging es aber darum, auch im Interesse der Grundstückseigentümer, die ihren Anteil tragen müssen, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten“, erläutert der Bürgermeister. Die ungepflasterten Randstreifen gebe es übrigens nicht überall in der Straße, weil die unterschiedlich breit sei. Woanders würden kaum 5,50 Meter als Gesamtbreite erreicht. „Wir sehen uns das mit dem Schotterrasen noch mal an, um eine Lösung zu finden, die den älteren Anwohnern besser gerecht wird. Ich habe auch schon viel Zustimmung zu der Straße, so wie sie jetzt wird, gehört“, sagt Quandt.

Alle Straßen im verkehrsberuhigten Bereich seien in Reinigungsklasse 4 eingestuft. Das heiße, die Stadt mache Winterdienst, kehre aber nicht. Die Reinigung müssten die Grundstückseigentümer übernehmen, aber nicht das Rasenmähen. Dies sei Sache der Stadt, wenn der Schotterrasen bleibe. „Sobald alles grün ist, fliegen dabei aber keine Steine mehr“, ist Quandt überzeugt.

Vom ersten Kampfziel der Fertigstellung Anfang Juli hatte sich die Stadt rasch verabschieden müssen. Der nächste Termin Mitte September verschiebe sich nun zum Ende des Monats. Bis dahin müsse abgerechnet sein, sagt der Bürgermeister.

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