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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 14:57 Uhr

Angst vor dem nächsten Feuer

vom

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erstellt am 17.Jan.2011 | 05:56 Uhr

Dabel | Jana Alsdorf hat Angst. Sie sitzt an einem Tisch; ihre Beine zittern unablässig. "Wir haben Panik", sagt die Dabelerin. In der Nacht zu Sonnabend brannte der Holzschuppen auf dem Grundstück in der Johannes-R.-Becher-Straße. Jana Alsdorf schlief gerade mit vier ihrer Kinder im Haus, als das Feuer ausbrach. Es war der achte Brand innerhalb von sechs Monaten: erst die Holzmieten im Garten, dann die beim Nachbarn, zwischendurch ein Lamellenzaun. Nun der Schuppen - nur eineinhalb Meter vom Haus entfernt.

"Die Flammen schlugen mir so dicht entgegen", erklärt die 39-Jährige und zeigt mit ihren Händen einen Abstand von etwa 20 Zentimetern. Der Schuppen voller Kohle ist ausgebrannt, der mit Holz gefüllte Nebenraum ebenfalls erfasst. In einem Anbau dahinter hätten Gasflaschen gestanden. "Nicht auszudenken, wenn ..." Jana Alsdorf kommen die Tränen. Das Zittern ihres Beines lässt den Tisch vibrieren. Zum Glück sei ihr kleiner Sohn, fünf Jahre alt, nicht im Haus gewesen. Die anderen vier Kinder aber, Zwillingspaare von 14 und 20 Jahren, waren da. "Die Mädchen trauen sich im Dunkeln nicht mal mehr auf die Toilette", erklärt die Mutter. Zu oft habe es zuletzt den Ruf gegeben: "Feuer!"

Im Juli des Vorjahres begann die Brandserie, die der Polizei bis heute Rätsel aufgibt. Viermal habe es auf dem Grundstück der Alsdorfs gebrannt, viermal beim Nachbarn. Die Kripo ermittele "auf Hochtouren", erklärte gestern Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Dass es sich um einen Feuerteufel handeln muss, sei anzunehmen. "Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen von Brandstiftung aus", so Wiechmann. Doch es gebe "noch keinen konkreten Tatverdacht". Die Kripo in Sternberg führe die Ermittlungen und sehe zwischen den Bränden einen Zusammenhang. Wiechmann: "Es wird vermutet, dass der oder die Täter aus dem Umfeld Dabels stammen dürften."

Jana Alsdorf sagt, sie habe sich bei den vorherigen Bränden von den Polizisten nicht ernst genommen gefühlt. "Sie sagten, es ist nur Sachbeschädigung." Gestern saß die Mutter von fünf Kindern in ihrer Veranda, rauchte vor Nervosität eine Zigarette nach der anderen - und wartete auf die Kripo. Zwar sei noch in der Brandnacht jemand da gewesen. "Er hat gesagt: nichts anfassen und nicht reingehen bis Montag", so Alsdorf. Gestern, Montag, sei aber kein Kripo-Mann erschienen, um mögliche Spuren zu sichern. "Sie haben nicht nach Brandbeschleunigern gesucht", sagt die Dabelerin. Dabei gäbe es aus ihrer Sicht durchaus etwas zu untersuchen. So fanden sie und ihre Kinder acht kleine Schnapsflaschen, die auf dem Grundstück verstreut waren. Kümmerling. "Die waren vorher nicht da."

"Wir wollen, dass endlich jemand diese Brände ernst nimmt", sagt Jana Alsdorf. Sie habe das Gefühl, niemand glaube ihr. Da die Dabeler Wehr schon so oft zu ihr raus musste, habe sie den Einsatzkräften "einen Kasten Bier reingebracht. Ich kann doch nichts dafür".

Jana Alsdorf ging nach eigenen Angaben am Sonnabend erst kurz vor 1.30 Uhr schlafen. Gegen 1.45 Uhr schrillte der Alarm der Feuerwehr, weil der Holzschuppen in Flammen stand. Schaden: rund 10 000 Euro. Angst geht um in

Dabel, dass es auch andere Häuser treffen könnte. "Ich gehe davon aus, dass es immer derselbe Täter war", sagte gestern Wehrführer Axel Gräber. Nur warum es genau dort immer wieder brenne, sei ihm ein Rätsel. Auch Jana Alsdorf sagt: "Ich kann mir das nicht erklären." Sie habe keine Vermutung, wer der oder die Täter sein könnten.

Die Polizei sei lange dran an dem Thema. "Zahlreiche Zeugen und Anwohner sind zu diesen Vorfällen bereits vernommen bzw. befragt worden", erklärt Klaus Wiechmann. Auf Nachfrage teilte er gestern mit: "Nach Angaben des zuständigen Kriminalkommissariates ist noch in der Brandnacht die Tatortarbeit vor Ort durch die Kriminalpolizei erfolgt."

Jana Alsdorf tröstet das nicht. Sie denkt über psychologische Betreuung für ihre Kinder nach. Eine der Töchter habe in der Nacht zu gestern ein Auto ohne Licht gesehen. "Wir schlafen nur wenig."

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