Groß Raden : Angelzeug komplett aus der Natur

Fischer Jörg Rettig (l.) macht eine Kahnfahrt mit Gästen aus Asien.
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Fischer Jörg Rettig (l.) macht eine Kahnfahrt mit Gästen aus Asien.

Der Thementag zum Fischfang im Mittelalter zog Besucher aus der Region und weit darüber hinaus ins Freilichtmuseum Groß Raden.

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22. Juni 2015, 21:04 Uhr

Den Angelstock hält der Steppke fest umklammert. Eine Schnur ist bereits angebunden. Die zieht Naturparkranger Mario Krüger jetzt durch die Pose. „Was fehlt jetzt noch?“, fragt er. Der Junge weiß Bescheid: „Ein Haken.“ Das Angelzeug wird komplett aus Naturmaterialien gebaut, sagt Krüger. Der Stock stammt vom Haselnussstrauch, die Schnur besteht aus Sisal, als Pose dient ein Holzdübel, der Haken wurde nach altem Vorbild gebogen, ohne Vorfach mit künstlicher Sehne. Ob die Naturschnur solche Gewichte aushält wie die heute industriell hergestellte Sehne, geflochten, abrieb- und reißfest bis zu zig Kilogramm fürs Hochseeangeln, bleibt fraglich. Doch die Slawen hätten auch große Fische gefangen. Bei Ausgrabungen seien acht Zentimeter lange Haken entdeckt worden, weiß Heike Pilz, Leiterin des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden, auf dessen Freigelände am Sonntag, wie kurz berichtet, zum ersten Mal ein Thementag zum Fischfang im Mittelalter stattfand. Es war eine Gemeinschaftsaktion mit dem Naturpark Sternberger Seenland sowie den heimischen Fischern Jörg Rettig und Andreas Frischke.


Fischsuppe im selbst getöpferten Gefäß


Die Angel darf gleich ausprobiert werden. Der sechsjährige Josef, der in diesem Sommer zur Schule kommt, hat sich schon beim Opa im Garten versucht. Harry Gnefkow ist zu diesem Aktionstag extra aus Teterow gekommen. Er habe selbst mit sechs angefangen und angle bis heute gern. Noah, der größere Enkel, sei auch begeisterter Petrijünger. Der 13-Jährige habe in Rostock das letzte Fußball-Punktspiel der Saison und deshalb nicht mit gekonnt. Doch Oma und Mama seien irgendwo auf dem Museumsplatz.

Fische interessieren auch Monika und Hubert Laschkowski aus Goldberg. Angeln sei sein großes Hobby, sagt der Ehemann. Zander, Hecht, manchmal Aal seien ihm schon öfter an den Haken gegangen. Bei den Touren in Norwegen sei die Palette weit größer. „Wir haben dort Verwandtschaft und bleiben jetzt als Rentner auch mal länger.“ Am größten sei ein Dorsch von 24 Kilogramm gewesen. Doch geschmeckt habe der nicht, „er war zu strohig“, so der Goldberger. Ganz anders die Kostprobe von Heike Pilz. Sie hat Frischfisch gewürzt, in Meerrettichblättern eingewickelt und auf heißen Steinen gegart. „Der schmeckt,der Biss ist gut, fester, als wenn man selbst Fisch kocht“, so das Urteil des Goldbergers. „Das wäre mal ein Gag bei der Party.“

Derweil köchelt im selbst getöpferten Gefäß auf einer kleinen Feuerstelle Fischsuppe. Manuela Huth aus Witzin, die Saison über im Freilichtmuseum angestellt, hat Zutaten genommen, so wie sie wachsen, und denkbaren Rezepten von einst freien Lauf gelassen. „Es ist mal ein Experiment.“

Fischer Andreas Frischke macht etwas Theorie von früher bis heute, sein Berufskollege Jörg Rettich fährt mit einer Gruppe auf den See. In seinem Kahn sitzen indische Ärzte und ein angehender Technikstudent aus Nepal, die zur Weiterbildung an der Schweriner Fachhochschule des Mittelstands sind und Deutsch lernen. Später fahren die Fischer zu den Stellnetzen.

Es geht an diesem Tag aber nicht nur um Fisch. Renate Palm und Klaus Schittek aus Karrenzin, die gern Burg- und andere mittelalterliche Feste besuchen, mahlen mit einem Mörser Roggen- und Weizenkörner, um aus dem Mehl kleine Fladenbrote zu backen. Sie finden es ganz toll, was hier alles gezeigt wird. Jörg Einbrodt, als Rentner im Nebenjob im Museum, gibt Tipps dazu. „Ich hätte lieber Körbe geflochten, doch bei meinem Namen musste ich zum Brot backen“, sagt Einbrodt lachend.

Eine Gruppe der Jugendbauhütte Stralsund/Stettin weilt eine Woche in Groß Raden und beschäftigt sich mit Lehmarbeiten. Zwei Jugendliche
absolvieren hier sogar ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege. An diesem Tag sind sie in mittelalterlicher Kleidung in Aktion.

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