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111 Drillingsgeburten : An der Warnow springen die Lämmer

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Für Besucher im Naturpark ist es eine Attraktion, besonders Auswärtige halten an und zücken die Fotoapparate, wenn sie überall auf den Koppeln zwischen Groß Görnow und Sternberger Burg Lämmer herumspringen sehen.

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erstellt am 27.Apr.2012 | 10:39 Uhr

Groß Görnow | Für Besucher im Naturpark ist es eine unerwartete Attraktion, besonders Auswärtige halten an und zücken die Fotoapparate, wenn sie überall auf den Koppeln zwischen Groß Görnow und Sternberger Burg Lämmer herumspringen sehen. Einige sind gerade erst geboren, andere wenige Tage alt. Und es werden täglich mehr.

Um den 10. Februar begann in der Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden die Ablammzeit, jetzt ist Hochsaison. Mehr als 1300 Lämmer kamen bislang auf die Welt, knapp doppelt so viele werden noch erwartet. Mitte Februar hatte der Betrieb, der sich auf die Mastlammproduktion spezialisiert hat, alle Mutterschafe mit

Ultraschall untersuchen lassen. Dafür war eigens ein Fachmann aus Neuseeland, der über Schottland nach Hamburg kam und dort abgeholt wurde, angeheuert worden. Sein Ergebnis: 980 Einlinge, 1250 Zwillinge und 111 Drillinge. "Danach haben wir die Muttern in Herden aufgeteilt", erklärt Schäfer Christian Diederichs, Sohn von Geschäftsführer Hans Diederichs. Die Tiere mit Drillingen blieben als einzige im Stall, damit sie besser unter Kontrolle seien. "Abends gegen 10 Uhr schauen wir noch einmal nach und dann wieder früh um sechs. Etwa die Hälfte der Drillinge

kamen allein, bei den anderen waren wir dabei", so Diederichs. 24 Dreifachgeburten stünden jetzt noch aus. Diese Mutterschafe erhielten wie vor dem Ablammen auch die erste Woche danach ihre Rationen Kraftfutter. Alle anderen Tiere ernähren sich in dieser Zeit allein vom Gras auf den Weiden und die Frischgeborenen dazu Muttermilch.

Das zweite Jahr lammen die Schafe im Freien ab. Das sei wirtschaftlicher, weil der Betreuungsaufwand geringer ist als im Stall und Futterkosten gespart werden, erklärt der Schäfer. Ausreichend Weideland stehe rund um das Warnowdurchbruchstal zur Verfügung. Flächen, die sich nur auf diese Weise nutzen ließen. Denn das

Gelände sei hügelig und steinig. Schafe hätten hier Tradition, sagen die Halter, und würden zum Erhalt der Kulturlandschaft, die sich über Jahrhunderte durch Nutzung und Pflege entwickelt hat, beitragen. Die Flächen könnten sonst unkontrolliert verbuschen, Flora und Fauna Schaden nehmen.

Die Weide am Aussichtsturm wurde umgebrochen, um den Bestand aufzufrischen. Hier wächst in diesem Jahr Mais, und dann wird wieder Gras gesät. Die Landwirtschaftsgesellschaft baut zur Vermarktung auf 333 Hektar Silomais an, auf 205 Hektar Getreide sowie Raps (55 ha) und Zuckerrüben (9,5 ha).

Eine große Stütze bei der Schafhaltung ist seit gut einem Jahr David Paterson aus Schottland, wo die Schafe nur im Freien ablammen. "Er ist mit seiner Erfahrung nicht mehr wegzudenken", sagt Chris tian Diederichs. Und Paterson fühlt sich wohl hier. Fünf, vielleicht auch sieben, acht Jahre wolle er gern noch bleiben, fügt der Schäfer freundlich hinzu. Seine Frau May, mit der über 30 Jahre verheiratet ist, habe inzwischen viel von ihm gelernt und arbeite in dem Beruf mit. Der Groß Radener Betrieb hat vier Beschäftigte zur Betreuung der Schafe und einen für den Zaunbau, wobei in der Lammzeit auch dieser bei den Tieren gebraucht wird.

Als "akutes Problem" wie in keinem Jahr zuvor sieht Diederichs die Raben und Krähen. Manchmal seien die Lämmer noch gar nicht vollständig aus dem Mutterleib, da würden sie schon von den schwarzen Vögeln attackiert, die die Augen aus- oder die Zunge anpicken. Und oft blieben nur Haut und Skelett übrig. "Wir können nur immer wieder über die Koppeln fahren und die Vögel hochjagen, mehr geht nicht", ärgert sich der Schäfer.

Pro Neugeborenes sei das ein Verlust von 90 bis 100 Euro. Mit einem Lebendgewicht von 40 bis 45 Kilogramm werden die Lämmer an Händler verkauft, die meisten im August und September, die letzten im Oktober. Der Großteil werde übrigens in Deutschland verspeist, war Diederichs am Anfang selbst ein wenig überrascht. Aus dem weiblichen Nachwuchs werde auch der Bestand erweitert. Aus derzeit 2600 Mutterschafen sollen bis 2014 rund 3500 werden. Zum Decken wurden in diesem Jahr erstmals Böcke der Rassen "Lleyn" und "Cheviot" aus Schottland eingesetzt.

Doch vorerst sind die vielen Lämmer auf den Koppeln beliebte Fotomotive.

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