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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. September 2017 | 08:56 Uhr

Warin : An der Bar die Ausweise verglichen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Gerda und Norbert Sudau aus Warin lernten sich beim Tanz kennen und stellten fest, dass sie am gleichen Tag Geburtstag haben.

Bei der Damenwahl hat sie sich ihren Auserwählten auf die Tanzfläche geholt. Er stand mit einer Gruppe junger Männer an der Theke. Darunter seine drei Brüder, aber das erfuhr sie erst später. Die 17-Jährige hatte sofort ein Auge auf Norbert Sudau geworfen. „Den krieg’ ich“, sagte sie zu ihrer Begleiterin, die in Nisbill wohnte. Das war im Frühjahr 1971 in der damaligen Gaststätte „Kasper“, von der heute nur noch die Wariner wissen, die schon ein Stück übers Jugendalter hinaus sind.

Die beiden jungen Damen lernten gemeinsam in Güstrow. Weil die Eltern in Nisbill das Mädchen aus Schwaan, mit dem ihre Tochter viel
zusammen unternimmt, gern kennen lernen wollten, war ein Wochenendbesuch ausgemacht. Und da durfte der Tanzabend nicht fehlen.

Norbert Sudau, ein Ur-Wariner, wie er selbst sagt, („Sogar zu Hause mit Hebamme geboren.“) war eher schüchtern und tanzte auch nicht so gern, seine heutige Frau umso lieber. An dieser Konstellation habe sich seitdem kaum was geändert. Norbert Sudau ist der ruhige Teil des Ehepaares, das demnächst 42 Jahre miteinander verheiratet ist, einen Sohn und eine Enkeltochter hat, seine Frau ist wie eh und je lebhafter.


Beide wollten es zuerst nicht glauben


Nach dem Tanzen ging es an die Bar. Beim Woher und dem Alter kamen die Beiden auch irgendwie auf das Geburtsdatum zu sprechen – und wollten es nicht glauben. Der gleiche Tag: 24. September. „Wir haben die Personalausweise ausgetauscht und verglichen. Erst dann haben wir das geglaubt“, erinnert sich Gerda Sudau lächelnd. „Ich war noch nicht ganz volljährig und musste deshalb den Ausweis immer dabei haben.“

Der gleiche Geburtstag, lediglich beim Jahrgang liegen beide etwas auseinander, brachte zusätzliche Sympathiepunkte. Es folgte das Übliche – weitere Verabredungen und so weiter. Im September 1972 gab sich das junge Paar im Wariner Standesamt das Ja-Wort.

Als nun zweimal von Familien berichtet wurde, in denen die Ehepartner bzw. beide Töchter gemeinsam Geburtstag haben, und sich weitere
Leser, bei denen es ebenso zutrifft, melden sollten, entschloss sich der Wariner anzurufen. Seiner Frau habe er das erst danach erzählt.

Norbert Sudau hat bis Ende vorigen Jahres auf der Werft in Wismar gearbeitet, seit dem 1. Januar ist er Rentner. Seine Frau absolvierte
eine Lehre im Maschineschreiben und in Stenografie, bekam aber für den Sohn (Jahrgang 1974) keinen Krippenplatz. Als er in den Kindergarten gehen konnte, lernte Gerda Sudau Verkäuferin, war später 14 Jahre Verkaufsstellenleiterin in Pennewitt. Dorthin fuhr sie jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Moped. Im schweren Schneewinter Ende der 1970er-Jahre sei damit allerdings kein Durchkommen gewesen und die Ladenchefin stattdessen mit einem Traktor von Warin abgeholt und wieder zurückgebracht worden.

„Büroarbeit war nichts für mich. Ich musste unter Leuten sein“, sagt die 60-Jährige heute. 2008 habe sie dann aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgegeben.


Gemeinsame Geschenke für den Haushalt


Sie hätten um sich herum alles selbst erarbeitet und freuten sich über jedes Stück, sind sich Sudaus einig. Vor gut 15 Jahren zogen sie in ihr neues Eigenheim. Hier findet meist auch die gemeinsame Geburtstagsfeier statt, lediglich bei runden Jubiläen mit mehr Gästen gehe es in ein Lokal. „Wir kommen von Anfang an in einer Clique mit etwa zwölf Personen zusammen. Wir mögen es schön gemütlich“, erzählt Gerda Sudau.

Die ersten Jahre habe sich ihr Mann bei der Truppe beschwert, dass deren Geschenke an Beide immer für Küche oder Haushalt waren. Also vorwiegend für ihr Reich, seines sei der Garten. „Er hätte wohl auch Gärtner werden können. Er kommt auf so viele Ideen und setzt sie mit Leidenschaft um“, schwenkt Gerda Sudau kurz ab. Doch letztlich hätten sie sich auch gemeinsam über diese Geschenke gefreut, „denn solche Dinge waren damals manchmal knapp und auch teuer. Als junge Familie konnten wir die gut gebrauchen“, so die Warinerin. Jetzt, da der Haushalt seit langem komplett sei und es immer schwieriger werde, das passende Geschenk zu finden, seien es meist persönliche Dinge.

Und gegenseitig? Früher hätten sie sich immer was Persönliches geschenkt, jetzt bekomme sie einen schönen Strauß Blumen und er von ihr eine Kleinigkeit. Größere Dinge würden gemeinsam gekauft, „auch Sachen zum Anziehen“. In der Beziehung sei ihr Mann eigen, sagt Gerda Sudau. Dass er auf sein Äußeres achte, habe ihr von Anfang an gefallen.

Und beim Tanzen habe ihr Ehemann erkennbare Fortschritte gemacht. Er gehe nicht von Tisch zu Tisch, um sich Tanzpartnerinnen zu holen, „doch ich komme klasse mit ihm hin“.

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