Umfrage : Amtsgericht gehört in Kreisstadt

Das Sternberger Amtsgericht ist heute ein Denkmal geschütztes Wohnhaus.  Fotos: Roland Güttler
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Das Sternberger Amtsgericht ist heute ein Denkmal geschütztes Wohnhaus. Fotos: Roland Güttler

Vor dem Volksentscheid am 6. September zur Justizreform in MV: Umfrage auf dem Sternberger Markt.

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01. August 2015, 06:58 Uhr

„Es war eine liebe Zeit, die gute, alte Zeit vor anno 14.“ So lautete der Ansagetext zur ZDF-Serie vom „Königlichen Bayerischen Amtsgericht“. Sie lief vor ca. 45 Jahren, doch es gibt immer noch Fans der Urform aller TV-Justizserien. Eine filmische friedliche Idylle im fiktiven niederbayerischen Ort von 1912/13.

Auch hier im Nordosten hatte zu der Zeit fast jede Stadt ihr Amtsgericht. So gab es 1894 in der Stadt und dem Landkreis Wismar Amtsgerichte in Brüel, Sternberg, Warin, Neubukow und Wismar. Und Namen wie der „Galgenberg“ in Sternberg und Brüel zeugen von Jahrhunderte alten Richtstätten.

Heutzutage sind diese Hügel von 42 bzw. 33 Metern ebenso Zeitzeugen wie das Sternberger Amtsgericht in der Luckower Straße.

Letzteres freilich von viel jüngerem Datums. Von 1991 an war es das Amtsgericht des Landkreises Sternberg. Zum 31. Dezember 1997 in eine Zweigstelle des Amtsgerichts Parchim runtergestuft, wurde es am 13. Oktober 2001 ganz geschlossen.

Das Haus hat eine besondere Vergangenheit. Einst Bauernhaus samt Hofdurchfahrt, wurde es mit Bildung der DDR-Kreise 1952 zum Kreisgericht Sternberg umgebaut, der Gerichtssaal war auf Torweghöhe. Nach der Wende wurde es Amtsgericht. Bis 2001.

„Wir haben drum gekämpft, so wie jetzt Parchim und Umland“, sagt Sternbergs Bürgermeister Jochen Quandt zur neuerlichen und bereits teils umgesetzten MV-Gerichtsreform samt Volksentscheid am 6. September. „Natürlich ist es für jede Stadt nicht verkehrt, wenn überregionale Behörden wie Amtsgerichte vor Ort sind. Das sorgt für Publikumsverkehr, lässt Kaufkraft hier. Andererseits ist es aber so: Die Anspruchnahme der Gerichte durch ,normalsterbliche‘ Bürger ist relativ gering“, so Quandt. Für ihn gehört ein Amtsgericht „in die Kreisstadt“. Aber man wolle wohl Ludwigslust nicht alles wegnehmen „so wie Sternberg, das hat man blank gemacht“.

Dieter Krüger aus Dabel, der immer mittwochs mit seinem Verkaufswagen auf dem Sternberger Wochenmarkt steht, meint: „Ich versuche es zu vermeiden, vor Gericht Probleme zu lösen. Zum Volksentscheid gehe ich nicht, ist nicht mein Thema.“ Auch Rudi Baarß (Sternberg) hat „mit Gerichten nix zu kriegen. Soll doch am Haus Amtsgericht stehen. Auf dem Markt gibt es auch ein Postamt, da ist keine Post mehr drin (restauriert ist es jetzt das Bürgeramt – d. Red.).“

Ganz anderer Meinung ist Apotheker Matthias Ratke (Sternberg): „In Sternberg ist das Gericht seit so vielen Jahren weg, da hat man sich dran gewöhnt. Ich bin immer für eine schlanke Verwaltung. Aber mit der neuen Gerichtsreform bin ich nicht einverstanden. Die Strukturen noch mehr auszudünnen, finde ich nicht gut. So wie auch schon bei der Polizei geschehen.“

Egal wie der Volksentscheid ausgeht, am Ende heißt es wie im Abspann des insgesamt 53-teiligen Königlich Bayerischen Amtsgerichts: „Das Leben geht weiter…“

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