Lebenswerk aus barocker Zeit : Am Torhaus geht die Arbeit nie aus

An der eingerüsteten Südseite seines historischem Torhauses aus dem 18. Jahrhundert wird der Zaschendorfer Thomas Stüwe in diesem Jahr nicht mehr fertig.  Fotos: Roland Güttler
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An der eingerüsteten Südseite seines historischem Torhauses aus dem 18. Jahrhundert wird der Zaschendorfer Thomas Stüwe in diesem Jahr nicht mehr fertig. Fotos: Roland Güttler

Zaschendorfer Thomas Stüwe erhält morgen in Benzin zum Tag des offenen Denkmals den Friedrich-Lisch-Preis des Landes.

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11. September 2015, 22:00 Uhr

Es ist längst zu seinem Lebenswerk geworden – das barocke Zaschendorfer Torhaus aus der Zeit um 1870. Zimmermeister Thomas Stüwe rettete es 1995 mit dem Erwerb von der Treuhand erst vorm Abriss, um es seitdem Schritt um Schritt zu sichern und instand zu setzen. Doch auch zwei Jahrzehnte später sind die Außenarbeiten nicht beendet.

Gut Ding will eben Weile haben; zumal er daran nur an den Wochenenden oder in der Freizeit arbeitet. Denn Thomas Stüwe muss als Ein-Mann-Firma natürlich nicht nur sein Brot verdienen. Auch die Torhaus-Rettung will finanziert sein…

Ein halbes Jahr lang etwa war das einstige Schatzmeisterhaus in der Wismarer Großschmiedestraße sein Restaurierungobjekt. „Seit sechs Wochen saniere ich nun das Außen- und Innenfachwerk eines alten niederdeutschen Hallenhauses in Schwerin-Mueß; genau gegenüber dem Museum“, betont der einstige Zimmermannlehrling, der 1977 beim VEB Denkmalpflege Schwerin seine berufliche Laufbahn begann.

Beim barocken Torhaus werde er für die Außenarbeiten „wohl noch zwei Jahre brauchen“, schätzt Stüwe. Morgen wird er jedoch kaum dazu kommen, dass offene Loch im Südgiebel in sechs Metern Höhe weiter auszumauern. Ohne Zimmermannskluft geht es am Tag des offenen Denkmals zur zentralen Veranstaltung in der Ziegelei Benzin; um hier für sein Engagement zum Erhalt des in seiner Art einmaligen Torhauses in Mecklenburg-Vorpommern den „Friedrich-Lisch-Denkmalpreis“ entgegen zu nehmen. Dieser ist mit 4000 Euro dotiert.

Auf die Frage, ob er die Summe bereits fürs zweistöckige Torhaus verplant hat, antwortet der 54-Jährige kurz und bündig: „Nee, erst mal haben!“ Die Auszeichnung mache ihn schon stolz. „Ich werde rechtzeitig nach Benzin fahren, um mir dort alles anzusehen“, ergänzt Stüwe. Solch eine alte Ziegelei ist schon was Spannendes; ganz besonders für den Zaschendorfer natürlich.

Beim Torhaus werden keine modernen, aalglatten Ziegel, wo einer wie der andere aussieht, verbaut. Thomas Stüwe nimmt dafür Handstrichsteine, die wie zu Urväterzeiten entstehen. „Da wird eine Form voll Lehm gepackt, dann der Lehm per Hand abgezogen und vorgetrocknet, bevor der künftige Stein gebrannt wird“, so der Fachmann. Er nimmt zwei Steine in die Hand, zeigt auf Risse und Unebenheiten. So war und ist es eben. Nicht von ungefähr nennt man sie auch Klosterformat-Handstrichsteine. Seine kämen aus Dänemark. „Von Falkenlöwe, keine Billigware, das sind die teuersten“, betont Thomas Stüwe. Zumindest ähnliche gebe es auch in Deutschland.

2015 habe er bisher nicht so viel geschafft wie eigentlich gewollt. „Der Südgiebel sollte eigentlich schon fertig sein. Doch das Wetter war schlecht, an den Wochenenden gab es so oft Regen“, sagt Stüwe. Doch nach 20 Jahren hat er in Sachen Torhaus eines verinnerlicht: Immer mit Geduld und Spucke…  

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