Sternberg : Altes Gemälde lebt als Foto auf

Christine Jörss-Munzlinger zeigt im Heimatverein einen Ausschnitt des Reformationsfreskos als Reproduktion. Der Landtag von 1549 soll von Jugendlichen in historischen Kostümen für ein gleich aussehendes Foto nachgestellt werden.  Fotos: Rüdiger Rump
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Christine Jörss-Munzlinger zeigt im Heimatverein einen Ausschnitt des Reformationsfreskos als Reproduktion. Der Landtag von 1549 soll von Jugendlichen in historischen Kostümen für ein gleich aussehendes Foto nachgestellt werden. Fotos: Rüdiger Rump

Projekt mit Jugendlichen zu 500 Jahre Reformation: Der Landtag von 1549 an der Sagsdorfer Brücke wird mit historischen Kostümen nachgestellt.

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04. April 2017, 21:00 Uhr

Wer die Stadtkirche betritt, kann das monumentale Freskogemälde an der Ostwand der Turmhalle kaum übersehen. Neun Meter hoch und fünfeinhalb Meter breit stellt es den Landtag an der Sagsdorfer Brücke dar, als der 1549 die Reformation für Mecklenburg beschloss. Das Gemälde, das der hier im Lande geborene Historienmaler Fritz Greve (1863-1931) im Jahre 1896 fertig gestellt hat, bildet nun die Grundlage für ein Projekt, das die Fotografenmeisterin und Künstlerin Christine Jörss-Munzlinger aus Klein Görnow zum 500. Jahrestag der Reformation durch Martin Luther mit Jugendlichen durchführt.


Ausstellung bis zum Jubiläum in Stadtkirche


Die Idee: Junge Leute zwischen 14 und 18 Jahren schlüpfen in die damaligen Kostüme und stellen den Landtag von 1549 am Originalschauplatz nach. Davon wird ein Foto gemacht, auf etwa ein mal zwei Meter vergrößert. Für die historische Kleidung sorgt Jörss-Munzlinger. Sie sei Mitglied im Schweriner Theaterverein und habe eine Zusage vom Mecklenburgischen Staatstheater. Schwerer werde es sein, Rüstungen für die Ritter aufzutreiben.

Mit diesem Foto sowie einem reproduzierten Ausschnitt des Originalgemäldes und einer weiteren Aufnahme, die den gleichen Aufbau hat, aber die heutige Zeit mit Straßenbekleidung und Utensilien von 2017 darstellt, soll eine Ausstellung entstehen, die bis zum runden Reformationsjubiläum am 31. Oktober seinen Platz in der Sternberger Stadtkirche bekommen soll. Als Fototermin ist der 18. Juni vorgesehen. Das Projekt werde vom Sozialmi- nisterium in Schwerin gefördert. Es soll den mitwirkenden Jugendlichen Wissen vermitteln, ihr Geschichtsbewusstsein fördern, indem die Kunst genutzt werde, Fragen der Zeit darzustellen und zu erklären, so Jörss-Munzlinger, die den Künstlernamen Christine de Boom trägt. Dieser sei dem Plattdeutschen entlehnt (Boom für Baum), nicht zu verwechseln mit dem ebenso geschriebenen englischen Begriff, der für einen starken Aufschwung steht; und ein wenig solle auch ein Bezug zu Vorfahren aus Frankreich durchklingen.

Im Heimatverein findet das Vorhaben Anklang. Schon beim Sternberger Willkommensschild am Mecklenburgring war er Projektpartner von Jörss-Munzlinger, und das wird auch diesmal so sein. Die Stadt, die Gemeinde Weitendorf und die Verbundene Regionale Schule und Gymnasium „David Franck“ haben sich ebenso zur Mitarbeit bereit erklärt, sagt die Initiatorin. Das Projekt werde laut Schulleiterin Petra Langpap in den Unterricht eingeflochten und in Gruppen das Reformationsfresko genau in Augenschein genommen.

Der Maler, der überwiegend auf Gesichter aus seiner Zeit zurückgriff und auch sein eigenes Konterfei als Ritter verewigt hat, habe allerdings ein wenig gemogelt, wie Helmut Czarda im Kreise des Heimatvereins aufmerksam macht. Denn von der Sagsdorfer Brücke aus sei auf keinen Fall die Stadtkirche wie auf dem Gemälde zu sehen. Stimmt, der lang gezogene Hügel, der schon damals zur Landschaft gehörte, versperrt den Blick. Ob und wie sie das lösen werde, sei noch offen, so Christine Jörss-Munzlinger. Vielleicht dürfe sich das neue Foto in dem Punkt von dem alten Gemälde unterscheiden.

Mitglieder des Heimatvereins könnten bei der Vorbereitung des Fototermins helfen, den Jugendlichen zur Seite stehen, wenn sie die historische Kleidung anziehen oder sie bei Bedarf fahren.

Der Landtag von 1549 an der Sagsdorfer Brücke wurde an der Stelle bereits 1999 und damit zum 450. Jubiläum der Reformation in Mecklenburg nachgespielt. Das jetzt vorgesehene Projekt kann eine beeindruckende Fortsetzung sein, die große geschichtliche Bedeutung von Sternberg anschaulich darzustellen.

Die Reformation und das Jubiläum 2017

Martin Luthers 95 Thesen veränderten die Welt und wiesen den Weg in die Moderne. Mit ihnen zog der Wittenberger Theologie-Professor (1483-1546) gegen den Ablasshandel zu Felde, der in der katholischen Kirche blühte. Ihre Veröffentlichung jährt sich am 31. Oktober 2017 zum 500. Mal.

Wurden frühere Jubiläen national und in konfessioneller Abgrenzung begangen, soll das anstehende Reformationsjahr nach Angaben der Veranstalter „von Offenheit, Freiheit und Ökumene“ geprägt sein und „in globaler Gemeinschaft“ gefeiert werden. Dazu gehören Wanderausstellungen und Chorreisen, Tourismus und internationale Kongresse.

Neben der Französischen Revolution und der Renaissance gehört die Reformation zu den wichtigsten politischen und geistesgeschichtlichen Bewegungen Europas. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts beendete sie die Vorherrschaft des Papstes - Adel und katholische Kirche verloren an Macht, protestantische Kirchen entstanden.

Die Reformation (lateinisch: Umgestaltung) nach 1517 und die sich anschließende Spaltung der christlichen Kirche gelten als Zäsur zwischen Mittelalter und Neuzeit, als wesentlicher Schritt hin zu einer neuen Kirchen- und Weltordnung.

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