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Vorbereitung auf Wettstreit : Alter Hase trainiert jungen Pflüger

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Die Furche auf dem Ackerstück bei Pennewitt ist frisch gezogen, doch mit der hat es seine besondere Bewandtnis. Sebastian Giese trainiert hier für das traditionelle Leistungspflügen, das morgen in Sülte stattfindet.

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erstellt am 13.Apr.2012 | 12:34 Uhr

Pennewitt | Auf dem kleinen Ackerstück bei Pennewitt, etwas verborgen am Wald gelegen, soll Mais angebaut werden. Die Furche ist frisch gezogen, doch mit der hat es seine besondere Bewandtnis. Sebastian Giese von der Wariner Pflanzenbau eG trainiert hier für das Leistungspflügen, das morgen an der Kartoffelhalle in Sülte stattfindet. Zum elften Mal vergleichen Landwirte aus den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg ihr Können auf dem Feld. Beetpflügen - die klassische Bodenbearbeitung - und Drehpflügen sind die beiden Kategorien. Zudem gibt es eine Wertung für Auszubildende. Knapp 20 Teilnehmer haben sich angemeldet, Giese als einziger aus dem Sternberger Seenland.

Der 26-Jährige, der in Ventschow wohnt, nimmt zum zweiten Mal am Leistungspflügen teil. Seinen Einstand gab er voriges Jahr in Grambow mit Rang fünf, einer guten Platzierung im Mittelfeld. Die möchte der junge Mann gern verbessern und mit auf das Siegerpodest. Selbst bewusst stellt er sich den ersten Platz als Ziel. "Doch so schnell geht das nicht", dämpft Vorstandsvorsitzender Wolf-Dietmar Vetter allzu große Erwartungen. Die jungen Burschen hätten noch einiges zu lernen, und dafür sei so ein Vergleich, der auch sportlichen Ehrgeiz wecke, eine gute Gelegenheit. "Das Wertvolle daran ist die Ausbildung, wie akkurat gepflügt wird." Vetter weiß, wovon er spricht, denn er fungiert beim Leistungspflügen in Westmecklenburg von Anfang an als Schiedsrichter.

Der Wariner Agrarchef freut sich, dass der 26-Jährige teilnimmt und sich "die

hohe Schule des Ackerbaus" aneignen wolle. Das findet auch Wolfgang Meyer, der schon sieben, acht Mal dabei war, einmal Sieger und mehrmals Zweiter oder Dritter geworden ist. Er coacht seinen jungen Kollegen bei der Vorbereitung auf den Wettstreit der besten Pflüger. "Gut, dass Basti sich das zutraut. Es ist wichtig, erst einmal teilzunehmen. Andere haben den großen Mund und kneifen dann, wenn sie angesprochen werden." Es solle jeder mal auf einer Parzelle pflügen, da merke er den Unterschied zur großen Ackerfläche.

Er sei zum ersten Leistungspflügen als Zuschauer mitgewesen, erzählt der 60-Jährige, und habe sich danach überlegt, es selbst zu versuchen. Ihm gelang in Friedrichsruhe auf Anhieb der zweite Platz und ein Jahr darauf sogar der Sieg.

In der Genossenschaft gibt es meh rere Spezialisten, Meyer ist einer für die Bodenbearbeitung. Aus Dabel stammend, arbeitet er bald vier Jahrzehnte im Wariner Pflanzenbau. Der erfahrene Landwirt kennt die Schwächen seines Schützlings, die im vorigen Jahr zum Punktabzug führten. "Typische Anfängerfehler", wie das Ein- und Aussetzen des Pfluges. "Auch der Furchenanschluss war nicht so berühmt." Besonders daran arbeiten die Beiden nun. 100 Punkte sind das Maximum, doch die habe hier noch niemand erreicht. Mit 85 bis 90 Punkten gingen die ersten Plätze weg. Bei Sebastian, der Landmaschinentechniker gelernt hat und überall einsetzbar ist, zuletzt beim Düngerstreuen, waren es im Vorjahr 76 Punkte. Da sei noch Luft nach oben, meint Meyer.

Auf der Parzelle ist der Teilnehmer allein auf sich gestellt, doch am Rande gibt es Hinweise vom Coach. Die seien ausgesprochen hilfreich, zumal die Aufregung und das Drumherum mit zahlreichen Zuschauern die Aufgabe nicht leichter mache. Das A und O sei, schnurgerade zu fahren, mit gleichmäßiger Geschwindigkeit sowie der richtigen Tiefe und Breite, erklärt Wolf-Dietmar Vetter. Es darf kein Streifen übrig bleiben, aber auch keiner zweimal gepflügt werden, "es muss genau passen". Das müsse vorher ausgemessen werden. Sieben Schare ergeben eine Breite von 2,80 Meter, es dürfen nicht zehn Zentimeter mehr oder weniger sein. Die Schiedsrichter sehen sich das Pflugbild genauestens an. Die Furchenkämme müssen in einer Höhe sein, eben wie eine Tischplatte. Das sieht hier recht ordentlich aus, meint Vetter auf dem Übungsstück bei Pennewitt.

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