Bolz : Alte Technik belebt Straßenfest

Auf solcher Technik war Josef Wickert (r.)  jahrzehntelang wie zu Hause. Jetzt nehmen  er und sein Schwager Dietmar Böhm aus dem Schwarzwald sie interessiert in Augenschein.
1 von 3
Auf solcher Technik war Josef Wickert (r.) jahrzehntelang wie zu Hause. Jetzt nehmen er und sein Schwager Dietmar Böhm aus dem Schwarzwald sie interessiert in Augenschein.

Ein kleines Dorf bringt wieder groß was auf die Beine. Erstmals sind junge Leute mit hergerichteten DDR-Fahrzeugen dabei.

svz.de von
06. Juli 2014, 20:21 Uhr

Mit solcher Technik, die beim Straßenfest in Bolz zum ersten Mal ausgestellt ist, hat Josef Wickert Jahrzehnte lang gearbeitet, von MTS- bis zu LPG-Zeiten. Die Maschinen waren längst nicht so gefedert und komfortabel ausgestattet wie heute, sagt er lachend. Die Presse, in der gerade frische Heubunde stecken, hätte ihn damals beinahe einige Finger gekostet, erzählt der Rentner. „Das war meine eigene Schuld. Es hatte sich Staub gesammelt. Den wollte ich mit der Hand wegwischen. Und die war auf einmal in der Maschine.“ Alle Finger blieben zum Glück dran und sind gut verheilt.

Josef Wickert lebt seit 1953 in Bolz und ist inzwischen Mitte 80. Er interessiert sich mit Schwager Dietmar Böhm, der gerade zu Besuch ist, einst Wickerts Schwester geheiratet hatte, mit ihr 1960 in den Westen ging und im Drei-Länder-Eck im Schwarzwald ein neues Zuhause fand, erst einmal für die Technik aus ihren jüngeren Jahren. Beide inzwischen im gesetzten Alter, finden es gut, dass sich junge Leute aus dem Dorf damit beschäftigen. Die Strohpresse ist an einem Traktor ZT 300 angehängt, daneben stehen ein W 50 und Mopeds aus DDR-Zeit.


Fertige Maschinen werden auch genutzt


Stefan Meinhardt (29) und Tobias Markgraf (24) wohnen beide in Bolz. Sie gehören zu einer Art Interessengemeinschaft, um die zehn Leute, alle etwa in ihrem Alter, die alte Landtechnik und DDR-Fahrzeuge wieder herrichten. Die drei Frauen unter ihnen kümmern sich um die Versorgung. Auch der vierjährige Lewin ist oft dabei. Papa Thomas Sorge hat nach Sternberg geheiratet, aber der Opa wohnt gleich um die Ecke. Und selbst Tim mit seinen jetzt vier Monaten schnuppert manchmal schon die Luft der Schrauber, verrät die junge Mama Katja Kelch aus Borkow schmunzelnd.

Schon als Steppkes hätten sie an Mopeds gebastelt, erzählen Stefan Meinhardt und Tobias Markgraf. Im letzten Winter sei es mit den größeren Maschinen losgegangen, die sie nun das erste Mal in der Öffentlichkeit zeigen. Ersterem gehört der ZT 300 mit der Strohpresse. „Damit haben wir dieses Jahr schon Heu gemacht für den Eigenbedarf. Wir wollen die Technik, die wir aufmöbeln, auch nutzen, das sollen keine Ausstellungsstücke sein“, sagt der 29-Jährige. Traktor und Presse seien angemeldet. Im Winter, wenn mehr Zeit ist, wolle er beide noch einmal auseinander nehmen und lackieren. Dann bekomme die Strohpresse auch ihre grüne Originalfarbe zurück. Tobias Markgraf hat das Gleiche mit einem Anhänger HW 80 für seinen W 50 vor. Fachlichen Rat holt sich die Truppe von Fritz Prange aus Lenzen.

Dass die jungen Leute mit ihrer alten Landtechnik das mittlerweile 13. Straßenfest beleben, freut auch die stellvertretende Bürgermeisterin Britta Angeli und Gemeindevertreter Horst Sorge, bei denen die organisatorischen Fäden zusammenlaufen. Es sei klasse, wie viele der etwa 120 Dorfbewohner „uns unterstützen“, freut sich Britta Angeli. Die Freiwillige Feuerwehr Mustin sei auch sehr aktiv. „Wir planen, vorbereiten und feiern gemeinsam. das festigt den Zusammenhalt im Dorf“, fügt Horst Sorge an. Vor allem für Kinder gibt es verschiedenste Möglichkeiten, ihren Spaß zu haben, ob im Feuerwehrauto, auf dem Rücken der Pferde, in luftiger Höhe oder beim Schminken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen