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Serie: Raritäten AUS DEM STERNBERGER KUCHEN – TEIL 24 : Als Hutschmuck nicht geeignet – die Seefeder

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Rein marin lebende Gruppe der Blumentiere gehört zu den schönsten Meeresbewohnern.

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2017 | 05:16 Uhr

Die Seefedern (Pennatulacea) führen ihren Namen mit Recht, denn ihre äußere, streng bilateralsymmetrische Form sowie der Farbenreichtum vieler Arten erinnert stark an Vogelfedern bzw. an in alter Zeit gebräuchliche Schreibfedern.

Als hochspezialisierte, rein marin lebende Gruppe der Blumentiere (Anthozoa) gehören sie zu den achtstrahligen Korallen (Octocorallia) und sind heute mit 200 Arten in 14 Familien in allen Weltmeeren verbreitet. Hier besiedeln sie ausschließlich Sand- oder Schlickböden in Flachwasser- aber auch Tiefseebereichen.

Die Morphologie der Seefeder lässt ein Einzelindividuum vermuten, tatsächlich handelt es sich jedoch um ein koloniales Gebilde mit einer Vielzahl von Einzeltieren, den so genannten Polypen. Die Symmetrieachse besteht aus einem Primär- oder Axialpolypen, der an der Basis mit einem fleischigen Grabfuß ausgestattet ist, mit dem sich die Kolonie im weichen Sediment verankern kann. Der ins freie Wasser ragende, stammähnliche Achsenabschnitt der Kolonie trägt streng symmetrisch, auf einer Ebene angeordnete, miteinander verwachsene Seitenäste, die die mit acht gefiederten Tentakeln ausgestatteten Polypen tragen.

Stabilität gegen Wellenschlag und Strömung wird durch den Einbau eines basalen Achsenstabes gewährleistet, der in der Regel aus verkalkter Hornsubstanz (Pennatulin) besteht. Zusätzlich werden im oberen Bereich der Zentralachse isolierte, stäbchenförmige Kalknadeln eingebaut.

Seefedern, die Längen bis einem halben Meter erreichen, ernähren sich ausschließlich von filtrierten Mikroorganismen (Plankton). Einige Arten besitzen ein Leuchtvermögen (Bioluminizenz), mit dem in der Nacht Plankton angelockt wird. Mit ihren oft bunten Farben, ihrem durchscheinenden Körper und ihrer Luminizenz gehören die Seefedern zu unseren schönsten Meeresbewohnern.

Nur wenige Reste der Seefedern sind fossil erhaltungsfähig. Funde sind daher äußerst selten und beschränken sich auf Teile der verkalkten Achsenstäbe und der Kalknadeln, die aufgrund ihrer geringen Größe sehr unspektakulär sind und häufig im Fundstück nicht erkannt bzw. systematisch falsch eingeordnet werden.

Bis heute sind rund 50 eindeutige fossile Seefeder-Arten bekannt geworden, mit frühesten Vertretern in der Oberkreide Europas (75 bis 70 Millionen Jahre) sowie vielen Arten aus Tertiär-zeitlichen (jünger als 66 Millionen Jahre) Sedimenten weltweit.

Im Jahr 2002 wurden Reste einer Seefeder aus dem oberoligozänen Sternberger Gestein (28 bis 23 Mio. Jahre) erstmalig auf einem Fundstück aus der Kiesgrube Pinnow bei Schwerin entdeckt und beschrieben. In den nachfolgenden Jahren kamen drei weitere Funde aus der Kiesgrube Consrade hinzu, von dem die Abbildung ein etwa drei Zentimeter langes Exemplar eines Achsenstabreliktes auf einem Handstück aus der Sammlung Thiede, Parchim zeigt. Funde aus der Kiesgrube Kobrow sind bisher nicht bekannt.



















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