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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. Dezember 2017 | 10:13 Uhr

Sternberg : Alltagseinkauf gehört in Innenstadt

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Grundversorgung ist in der Goethestraße und Vor dem Pastiner Tor vorgesehen. Das Zentrenkonzept können die Bürger einen Monat lang einsehen.

von
erstellt am 09.Jul.2015 | 20:35 Uhr

Es hätten weit mehr Bürger Platz gefunden: Die Vertreter der Stadt und Angehörige abgezogen, verloren sich am Mittwochabend knapp ein Dutzend Sternberger im Rathaussaal, als das Zentrenkonzept für den Einzelhandel öffentlich präsentiert wurde. Die Stadt wollte in Abstimmung mit der Landesplanung ein Gesamtkonzept in die Hand bekommen, das zwar nicht benenne, welche Geschäfte wo gern gesehen würden, doch es sollte den politischen Willen betreffs der Standorte festschreiben. Und für die Grundversorgung seien das die Goethestraße mit den neuen Märkten von Aldi und Edeka sowie Vor dem Pastiner Tor mit Netto, erläuterte Projektleiter Mathias Vicek von der BBE Handelsberatung in Erfurt, die deutschlandweit mehrere Standorte hat. Eindeutige Position wie die der Stadt: Der Alltagseinkauf
gehöre verbrauchernah in die Innenstadt und nicht auf die grüne Wiese.


Verkaufsflächen sind in die Höhe geschossen


Sternberg habe 1995 das erste Einzelhandelskonzept erarbeitet und das 2003 fortgeschrieben, stellte Bürgermeister Jochen Quandt voran. Inzwischen hätten sich die Gegebenheiten weiter verändert. Das nun vorgelegte Zentrenkonzept könne vom 14. Juli bis 14. August im Amt für Stadt- und Gemeindeentwicklung in der ehemaligen Post eingesehen werden. Gern könnten die Bürger Hinweise geben.

Sternbergs Einwohnerzahl habe sich in den zehn Jahren bis 2013 von 4979 auf 4324 verringert. Das sei ein Minus von 13,2 Prozent, sagte der Projektleiter, auf die demografische Entwicklung eingehend. 28 Prozent der Einwohner seien über 65 Jahre alt. Zum Vergleich: in MV 22 Prozent, bundesweit 21 Prozent. Im Jahresdurchschnitt stünden 673 Einpendlern 925 Auspendler gegenüber. Folglich komme auf diesem Wege keine zusätzliche Kaufkraft in die Stadt. Vielmehr habe sie als Grundzentrum eine Versorgungsfunktion für ca. 8000 Einwohner aus den umliegenden Gemeinden, sagte Vicek. Dadurch komme mehr Kaufkraft hinein als abfließe. Der Gesamtindex liege bei 115 im Plus, der bei Lebensmitteln sogar bei annähernd 200. Die Stadt versorge damit doppelt so viele Menschen wie sie Einwohner hat. Auch Touristen würden einkaufen, angesichts einer relativ kurzen Verweildauer von durchschnittlich 3,3 Tagen jedoch kaum für satte Umsätze sorgen. Erhebungen zufolge betrage das Nachfragepotenzial für den Einzelhandel 700 000 Euro. In Urlaubsorten Bayerns mit einer Verweildauer zwischen vier und fünf Tagen liege das höher.

Der Sternberger Einzelhandel habe eine klassische Struktur: Geschäfte in der Altstadt und zwei Zentren, in denen sich bis auf Ausnahmen das gängige Sortiment konzentriere. Selbst der Bürgermeister staunte, dass es 51 Läden in der Innenstadt gäbe, der Friseur nicht mal mitgezählt. Knapp 60 Prozent der Verkaufsfläche entfalle auf Lebensmittel. In diesem Bereich sei Sternberg „gut aufgestellt“, die Kaufkraft allerdings niedrig. Gegenüber Deutschland mit 100 seien es in Sternberg nur 83,2 Prozent. Darüber liegen Schwerin (94) und Güstrow (88), aber auch MV insgesamt (88) und der Landkreis Ludwigslust-Parchim (87). In Parchim und Goldberg seien es gleichfalls 83, in Brüel 82 Prozent. Diese Werte resultierten vor allem aus den Einkommen, so Vicek.

Dem Neubau von Aldi und Edeka in der Goethestraße liege ein „Trend zur Fläche“ zugrunde. „Die Verkaufsflächen sind in die Höhe geschossen.“ Minimum bei Aldi seien inzwischen 1000 und bei Edeka 1500 Quadratmeter, bei Lidl 1200 und bei Netto 800 – Tendenz weiter steigend. Das Sortiment werde kaum erweitert, aber die Warenmasse wachse. Aldi habe vor allem logistische Gründe: Um die Regale nicht ständig von Hand auffüllen zu müssen, werde die Ware gleich in größerer Menge palettenweise bereitgestellt. Es werde kein Personal abgebaut, meinte Vicek auf einen Einwurf aus dem Publikum, bei größerer Verkaufsfläche aber auch nicht aufgestockt.


Entwurf von B-Plan wird noch nicht ausgelegt


Für Edeka gab den Ausschlag, am Finkenkamp keine Möglichkeit zur Erweiterung zu haben. „Luftlinie“ bleibe die Entfernung für Bewohner der Karl-Marx-Straße zum neuen Standort annähernd gleich, ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß oder gar auf einen Rollator angewiesen seien, hätten jedoch einen längeren Weg, so Vicek. Gerade „für die Umlandfunktion“ sei dies aber „die bessere Variante“. Zudem würden zunehmend Verbundstandorte entwickelt, das heißt, Discounter und Supermarkt nebeneinander. Andere Läden werde es dann auf der Seite der Goethestraße nicht mehr geben, so Vicek auf SVZ-Nachfrage.Für den jetzigen Edeka-Markt werde eine Belegung außerhalb der Grundversorgung angestrebt.

Für das Problem, am künftigen Nahversorgungszentrum das Oberflächenwasser in den Griff zu bekommen, habe es bei einer Beratung mit Investor und Tiefbauer keine zufrieden stellende Lösung gegeben. Deshalb werde der Entwurf des B-Plans noch nicht ausgelegt, informierte der Bürgermeister. Die Situation sei schon kompliziert genug und dürfe sich nicht verschärfen. Erst müsse eine Lösung her,
so Quandt.

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