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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. November 2017 | 22:51 Uhr

Nutteln : Ärger mit Baumeister Biber

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Gleich drei Dämme auf gerade einmal 250 Metern Länge stauen das Wasser im Gemeindegraben von Nutteln immer mehr an.

von
erstellt am 22.Okt.2014 | 17:31 Uhr

Nutteln „Wenn ich in Schwerin bin, habe ich nichts gegen Biber. Wenn wir hier aber auf unserem Ferienhaus-Grundstück sind, dann ist er ein ganz unverwüstlicher, hartnäckiger  Geselle, der nicht mein Freund ist“, sagt Reinhold Lapeus. Und Ehefrau Erika fügt hinzu: „Wir sind wirklich für Tiere, aber was zu viel ist, ist zu viel.“

Das Ehepaar  hat nach 2000 im kleinen Ort  Nutteln auf dem Gartenland des elterlichen Grundstücks, das Reinhold Lapeus erbte,  sein Feriendomizil errichtet. Das zugehörige Haus wurde in den 80ern verkauft.  Der einstige Garten war so groß, dass darauf neben dem Ferienhaus  auch noch die Naherholungsbauten von Reinholds zwei Schwestern Platz fanden. „Als Erbengemeinschaft haben wir ein ganzes Flurstück zur Warnow hin dem Biber überlassen. Aber das reicht dem Burschen offenbar nicht“, sagt der  82-jährige Reinhold  Lapeus, um hinzuzufügen:  „Der Biber soll uns nicht die Grundstücke unter Wasser setzen.“ Vor drei Jahren war es so schlimm, dass „meinem Schwager drei Obstbäume eingingen.  Bei mir  hat auch  ein Apfelbaum was abbekommen. Und die Häuser kriegen Risse.“

Der Gemeindegraben von Nutteln, in dem  das örtliche Regenwasser ebenso wie das Wasser aus der vollbiologischen Kläranlage fließt, mündet nach ungefähr 250 Metern in die Warnow.  Auf dieser kurzen Strecke  hat der Biber gleich drei Staustufen angelegt, die erste direkt auf Höhe der Ferienhäuser. Die anderen beiden Dämme liegen  entlang einer angrenzenden Wiese. Auf halbem Weg bis in die Warnow befindet sich im Graben ein automatischer Bibertäuscher mit Zeitschaltuhr. „Der wurde 2008 mit viel Tamtam - mit Presse und Fernsehen und so - eingeweiht.  Einen Sommer/Herbst lang  wurde  experimentiert. So leidlich hat das Ganze am Ende funktioniert“, meint Reinhold Lapeus. Im Grunde aber nur ein Jahr, als sich „ein älterer Herr aus Gustävel kümmerte. Er sah nahezu täglich nach dem Rechten.“

Längst hat der Biber das  Gerät eingehöhlt und damit unbrauchbar gemacht.  Durch solch einen Bibertäuscher soll tagsüber das Wasser hindurchfließen, nachts schließt sich dann  dann die Klappe . So weit die Theorie.  Zur Praxis in Nutteln meint  Lapeus:  „Der Bibertäuscher hat einen Haufen Geld gekostet (ca. 4 000 Euro – die Red.), steht da und keiner kümmert sich um ihn. Der ist völlig nutzlos!“

Die Freihaltung des Nuttelner Gemeindegrabens untersteht der  Wasserwirtschaft. Im  zuständigen Wasser- und Bodenverband Obere Warnow  kommt man dem gar nicht mehr nach. „Mit über 330 Bibern in unserem Verbandsgebiet, das von Glasin und Zurow sowie bis Crivitz und Gädebehn reicht, werden wir der Sache nicht mehr Herr“, sagt Verbandsgeschäftsführerin Andrea Döring. Im Naturpark Sternberger Seenland leben laut aktuellem Monitoring 95 Biber-Familien.

Reinhold Lapeus will, dass in Nutteln endlich was passiert: „Es rührt sich nichts.“  Darum schrieb er jüngst an MV-Agrarminister Till Backhaus – bisher ohne Antwort.  2013 wandte er sich bereits an Landrat Rolf Christiansen, ob er mit einer Pauschalgenehmigung  die Dämme beseitigen dürfe.  Das wurde  – natürlich – abgelehnt, denn Baumeister Biber steht unter strengem Naturschutz. Jede Maßnahme, wenn ein Biberdamm über Gebühr  Probleme verursacht, muss einzeln beantragt und genehmigt werden.  Doch der  Ärger nicht nur bei den Lapeus’ wächst. Und es ist kein Geheimnis: Obwohl verboten, greift mancher zur (Biber-)Selbstjustiz und öffnet den angestauten Damm so, dass wieder Wasser abfließen kann…

 

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