Warin : Absturz bei jungen Rotmilanen

Ein seltener Schnappschuss: Um zwei Rotmilane in dieser Ruhepose aufs Bild zu bekommen, dazu gehören Ausdauer und eine Portion Glück.
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Ein seltener Schnappschuss: Um zwei Rotmilane in dieser Ruhepose aufs Bild zu bekommen, dazu gehören Ausdauer und eine Portion Glück.

Ein Vortrag im Wariner Naturparkzentrum: 2015 flogen nur acht Jungvögel aus gegenüber 14 im vorigen Jahr.

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26. August 2015, 20:54 Uhr

Das erste Mal lässt sich vergleichen: Von diesem und vorigem Jahr liegen Daten über den Bestand und das Brutverhalten des Rotmilans in der Region vor. 2014 wurden danach 14 Paare bzw. Reviere und acht begonnene Bruten erfasst, 2015 von beidem elf. Erfolgreich gebrütet wurde in jeweils sieben Horsten, wobei sich die Anzahl der Jungvögel schon unterscheidet (2014: 14, 2015: 10). So weit, so gut, prekär wird es bei dem folgenden Vergleich: 2015 gab es zwei betrübliche Todfunde, 2014 keinen. Und flogen im Vorjahr vermutlich 14 Jungvögel aus, so waren es diesmal nur acht, ein wahrer Absturz, wobei über die Ursachen, was diesen Jahresvergleich betrifft, keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen.


Zehn Prozent aller Brutpaare leben in MV


Diese Fakten präsentierte Marika Schuchardt vom Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) mit Sitz in Kobrow II in einem Vortrag am Dienstagabend im Naturparkzentrum Sternberger Seenland in Warin. Gemeinsam mit Geschäftsführer Hans Diederichs untersucht sie auf einer Fläche von rund 300 Quadratkilometern zwischen Warin und Below, das nahe dem Dobbertiner See liegt, den Bestand und das Verhalten sowie Ursachen zur Gefährdung des Greifvogels. Der Bestand ging in den letzten zwei, drei Jahrzehnten stark zurück und wird heute weltweit auf maximal 22 000 Brutpaare geschätzt, davon über die Hälfte in Deutschland und allein zehn Prozent in MV. Deshalb hätten die Region und die Untersuchungen hier solche Bedeutung, betont Schuchardt. Seit Herbst 2013 läuft das Artenschutzprojekt „Land zum Leben, das vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wird und bei dem das Sternberger Seenland eine von elf ausgewählten Regionen in sieben Bundesländern ist.

Bei der Geländearbeit von November bis Februar/März stehe die Suche der Horste im Vordergrund. Manche hätten eine Größe, dass gerade mal ein Fußball hineinpasse, in anderen könnte durchaus ein Mensch sitzen. Die Standorte würden mit GPS eingemessen. Je früher, desto besser, denn mit zunehmender Belaubung der Bäume werde es immer schwieriger, die Nester hoch oben zu entdecken. Schuchardt zeigte ein Foto, auf dem ein Horst so eben durch das Grün lugt. Zwei Wochen später sei der von unten gar nicht mehr zu sehen gewesen.

Im zeitigen Frühjahr kehren die Rotmilane aus ihren wärmeren Winterquartieren, die stets in Europa liegen, vor allem in Spanien und Frankreich, zurück und besetzen ihre Reviere. Teils würden sie neue Horste bauen und „die Kartierer austricksen“, erzählt Schuchardt schmunzelnd. Im Mai/Juni wachse Nachwuchs heran. In dieser Zeit von März bis Juli werden das Brutgeschehen und die Aufzucht der Jungen erfasst und beobachtet. 2015 wurden acht Jungtiere beringt und fünf erstmals in MV mit Flügelmarken individuell markiert.


Zu wenig Nahrung bei Aufzucht der Jungen


Gleichzeitig stehen die Projektbetreuer Land- und Forstwirten sowie Naturschützern als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Kombination in dem kleinen Team erweise sich als vorteilhaft: Diederichs ist Landwirt, Schuchardt studierte Landschaftsarchitektin und Umweltplanerin. Das führe in Agrar- wie Forstbetrieben zu spürbarer Akzeptanz.

Als Hauptursache für die Gefährdung des Greifvogels wird die mangelnde Verfügbarkeit von Nahrung gesehen, obwohl er im Unterschied zum Mäusebussard, der auf sich bewegende Mäuse angewiesen ist, beinahe alles frisst, was ihm vor den Schnabel kommt, wie Kleinsäuger, Aas, Vögel – von Elster über Wachtel bis Ringeltaube –, junge Hasen, Fisch und vermutlich selbst Amphibien, Reptilien oder Würmer. Doch an vieles komme der Rotmilan gerade während der Aufzucht seiner Jungen kaum heran. Daher plädiert Schuchardt für eine zeitige Mahd von Futterflächen, weil der Rotmilan dort sofort reichlich Nahrung finde, kennt aber auch die Einwände von Tierschützern, die Gelege oder Rehkitze in Gefahr sehen. Hier müsse ein Kompromiss gefunden werden. Der LSE berate in der Hinsicht Landwirte, auch was den Anbau etwa von Kulturen betreffe. Wichtig sei nicht nur eine Vielfalt beim Anbau, sondern ebenso „eine Kleinteiligkeit“, fügte der Groß Görnower Ornithologe Dr. Lothar Daubner an. So wie er kamen die meisten von dem guten Dutzend an Zuhörern bei dem Vortrag aus dem Metier und konnten in der Diskussion eigene Erfahrungen beisteuern. Das Projekt läuft noch bis 2019, so Marika Schuchardt.

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