Golfhotel statt Krankenhaus in Warin : Verprellter Unternehmer investiert jetzt an der Ostsee

von 15. Dezember 2020, 16:38 Uhr

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Zukunft für das 2010 geschlossene Golfhotel in Hohen Wieschendorf: Es gibt aktuell neue Käufer.
Zukunft für das 2010 geschlossene Golfhotel in Hohen Wieschendorf: Es gibt aktuell neue Käufer.

Bauträger Weyer zog Bauantrag für Wariner Krankenhaus zurück, nachdem die Stadt Warin Projektentwicklung anderweitig vergab.

Warin/Hohen Wieschendorf | Golfhotel in Hohen Wieschendorf anstelle des Wariner Krankenhauses: Bauträger Thomas Weyer aus dem hessischen Marburg und Projektleiter Axel Schwiersch erwarben kürzlich für mehrere Millionen Euro das seit Herbst 2010 leerstehende Golfhotel Hohen Wieschendorf. Das bestätigte Schwiersch auf SVZ-Nachfrage. Vom Golfhotel Hohen Wieschendorf blickt man direkt auf den Golfplatz. Und dahinter ist schon das Meer. Einfach eine tolle Lage Das Golfhotel bestehe derzeit aus fünf Ferienappartements. "Die sind sehr groß, bis zu 500 Quadratmeter. Wir machen daraus 2021 insgesamt 37 Appartements, um sie dann weiterzuverkaufen. Das wird unsere Geschäftsgrundlage für die kommenden Jahre sein", betont Axel Schwiersch auch mit Blick auf Corona und deren von ihm erwarteten wirtschaftlichen Folgen. Lesen Sie auch: Kein Investor: Golfhotel schließt Dabei wollten Weyer und Schwiersch eigentlich, wie mehrfach berichtet, in das seit 23 Jahren leerstehende ehemalige Krankenhaus in Warin investieren. Das in der Kleinstadt heiß und kontrovers diskutierte Dauerthema um das Areal mit Krankenhaus und Amtsgericht hat sich für Weyer nach einem Schreiben von Warins Bürgermeister Björn Griese erledigt. Mit Datum vom 10. Dezember teilte das Stadtoberhaupt darin mit, dass nach einem Beschluss des Hauptausschusses die Nachnutzung des Areals Krankenhaus und Amtsgericht bis 31. März 2021 an eine Projektentwicklungsgesellschaft vergeben wurde. "Das ist mit Herrn Brandt so vereinbart", bestätigt Griese gegenüber SVZ. Horst Brandt von der Intercom Baubetreuungsgesellschaft aus Schwerin hatte sich Ende Oktober in der Stadtvertretung vorgestellt und warb darum, dass die Kommune ihm einige Monate Zeit gibt, ein Projekt zu entwickeln. Lesen Sie auch: Kommt jetzt ein neuer Investor? Dabei hatte mit Thomas Weyer ein Investor bereits seit 2019 ein 24-Millionen-Konzept für eine Seniorenanlage aufgelegt, genannt "Residenz Burg Glammsee". Die Stadtmehrheit aus den Fraktionen GWG und ZWO lehnte das Projekt indes mehrfach ab, letztmalig im Juli dieses Jahres. Daraufhin gründete sich die "Bürgerinitiative Schmuckstück Krankenhaus Warin", die sich nach wie vor für die Residenz-Umsetzung einsetzt. Axel Schwiersch wirft nun den Mehrheitsfraktionen vor, "mit zweierlei Maß zu messen. Bei uns wurde um jeden Euro gestritten und hier will die Stadt die Planungskosten übernehmen und billigt Herrn Brandt zudem ein Vorkaufsrecht zu", so Schwiersch. Dem widerspricht Bürgermeister Griese nachdrücklich. Nach Grieses Schreiben vom 10. Dezember zog Weyer den Residenz-Bauantrag beim Bauamt in Grevesmühlen zurück, um nicht weitere Kosten zu verursachen. Wie SVZ berichtete, macht die Weyer-Seite bisherige Kosten von gut einer Viertel Million Euro geltend und will diese nun einklagen. "Der Schadensersatzprozess ist in Vorbereitung", so Schwiersch. Parallel dazu gab es schon im August ein Urteil des Landgerichts Schwerin gegen den 1. stellvertretenden Bürgermeister und ZWO-Fraktionschef Peter Brandenburg. Dieser muss demnach künftig unterlassen, über Thomas Weyer zu behaupten, dass dieser eine schlechte Bonität besitze. Brandenburg soll inzwischen in Revision gegangen sein. Dieser wollte sich gegenüber SVZ nicht dazu äußern, "weil es sich um einen laufenden Prozess handelt". Stadt übernimmt Prozesskosten für Brandenburg Die Stadtvertretung beschloss am vergangenen Donnerstag im nicht öffentlichen Teil mehrheitlich die Prozesskosten-Übernahme für Peter Brandenburg. Dazu Bürgermeister Griese: "Damit werden gemäß der Rechtsaufsicht ehrenamtliche Mandatsträger ein Stück weit geschützt." CDU-Stadtvertreter Elmar Pingel beurteilt es dezidiert anders: "Es ist ein zivilrechtlicher Prozess. Wer Mist baut, hat dafür auch geradezustehen. Um sich abzusichern, dafür hat man eine Rechtsschutzversicherung. Zudem könnten weitere Kosten auf die Stadt zukommen. Das sind Steuergelder unser Bürger." Ferienappartements an der Ostsee Im Zuge der Querelen in Warin schauten sich Weyer und Schiersch im Sommer nach Alternativen um: Etwa in Neukloster, wo ihn Bürgermeister Frank Meier unbebaute Grundstücke anbot. Das zerschlug sich aber. Für unbebautes Land gebe es laut Schwiersch nicht "die gleiche KfW-Förderung. Deswegen hätte es sich nicht gerechnet." Am 16. Juli weilte das Duo, wie berichtet, auch in Hohen Wieschendorf auf der Suche nach einer Alternative. Daraus wurde jetzt der Kauf des Golfhotels. Statt Seniorenwohnungen in Warin werden nun Ferienappartements an der Ostsee geschaffen. ...

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