Heldenserie : Bei der Dorfwehr von Gustävel haben alle „Feuerwehr im Blut“

Lassen auf ihr Löschfahrzeug, einen Robur LO, Baujahr 1984, nichts kommen: Jirka Heuer, Wehrführerin Adelheid Meier, Jens Heuer und Daniel Schünke (v. l.).
Lassen auf ihr Löschfahrzeug, einen Robur LO, Baujahr 1984, nichts kommen: Jirka Heuer, Wehrführerin Adelheid Meier, Jens Heuer und Daniel Schünke (v. l.).

In der Dorfwehr von Gustävel hören sechs von 15 Mitgliedern auf den Namen Heuer. Und die Leitung hat eine Frau: Adelheid Meier

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23. August 2019, 20:00 Uhr

„Die Jungs sind Spitze“, verkündet Adelheid Meier. Die Gustävelerin, seit 2004 Wehrführerin, ist die einzige Frau im Sternberger Seenland in dieser Funktion. Neben ihr gibt es das im Landkreis Ludwigslust-Parchim nur noch in Neu Schlagsdorf, Warsow und bei der Gemeindewehr Lübtheen.

Die kleine Dorfwehr von Gustävel lässt auch auf ihr altes Löschfahrzeug, einen Robur LO, Baujahr 1984, nichts kommen: „Der hat gerade wieder für zwei Jahre Tüv. Wir wollen gar kein anderes Fahrzeug“, sagt Fahrer Daniel Schünke. Und Maschinist Jirka Heuer, Daniels Kumpel seit Kindesbeinen, ergänzt: „An dem kann man wenigstens noch selbst etwas machen. Mit Allrad kommen wir damit auf jeden Acker.“

Den Kindheitstraum erfüllt

Ein Oldtimer-Löschfahrzeug haben auch andere. Jenes der Mustiner Wehr aus dem Amt Sternberger Seenlandschaft ist gar von 1976. Doch einen weiteren Fakt muss erst einer den Gustävelern nachmachen. Mit 15 Mitgliedern die kleinste im Seenland, kommt man an Heuers einfach nicht vorbei.

Vater Jens Heuer ist seit 30 Jahren dabei. „Ich bin auch so lange verheiratet, Schwiegervater hat mich zur Feuerwehr gebracht“, erzählt der 52-jährige Maurer und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Ich wollte schon als Kind Feuerwehrmann sein“, sagt Jens Heuer, der 1987 von Kuhlen nach Gustävel zog.

Bald sieben Familienmitglied bei der Feuerwehr

Wen wundert’s bei dem Schwiegervater, dass Jens Heuers Ehefrau Annett ebenfalls dabei ist. Und das ist beileibe nicht alles. Die Heuers sind zu sechst ehrenamtliche Feuerwehrleute: Neben den Eltern auch die Söhne Jirka und Patrick sowie die Töchter Susanne und Maraike Heuer. „Ab nächstes Jahr macht auch John, unser Jüngster, mit. Alle haben Feuerwehr im Blut!“, betont Papa Heuer. John ist 15 und derzeit bei der Jugendwehr im benachbarten Wendorf, er darf mit 16 Lenzen als Aktiver in Gustävel einsteigen. Hinzu kommt noch Schwägerin Katrin Ahrens.

Jens und Jirka Heuer waren beim Lübtheener Großbrand im mit Munition belasteten Gebiet als Mitstreiter des Sternberger Amtszugs im Einsatz. „Wir haben zusammen mit den Brüelern die Ortschaft Trebs gesichert, Schläuche verlegt. Es verlief alles ordnungsgemäß. Hätte der Wind gedreht, wäre es brenzlig geworden“, sagt der 31-jährige Jirka.

Wo wir gebraucht werden, fahren wir hin. Jirka Heuer

Erfahrung mit munitionsbelastetem Brandgebiet

Für Jirka Heuer war es nicht der erste Einsatz fern von Gustävel: „Beim Elbhochwasser 2013 war ich in der Dömitzer Ecke.“

Munitions belastete Gebiete gibt es aber nicht nur bei Lübtheen. Vor acht Wochen brannte es im Wald bei Kölpin nahe Demen – auf einem ehemaligen NVA-Übungsgelände. Die Gustäveler waren da im Einsatz und löschten bereits. „,Zurück, zurück‘, hieß es plötzlich“, erzählt Jirka Heuer. Auch das Gebiet ist nämlich mit Munition belastet. Bisher kommt die kleine Wehr in diesem Jahr auf 15 Einsätze. „So viele wie lange nicht“, sagt Adelheid Meier. 2020 gibt sie altersbedingt den Posten ab. Ihr Nachfolger steht parat: Patrick Heuer soll es werden…

Ein Landkreis sagt danke: Alle Einsatzkräfte, Helfer und Anwohner sind am 7. September auf den Festplatz nach Lübtheen eingeladen.

>> Eine große Feier für die Retter

 
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