Wendorf : 90 Minuten Anfahrt nicht zu lang

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Freizeitreiter kommen zum Training auf die Anlage von Benjamin Wulschner nach Wendorf.

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12. Mai 2017, 21:00 Uhr

Freizeitreiter gibt es überall. Und die freuen sich, Tipps von einem Profi zu bekommen. Seit vier Wochen bietet Benjamin Wulschner, die aktuelle Nr. 3 der Springreiter in Mecklenburg-Vorpommern, am Mittwochabend Training auf der Anlage des Schlosshotels Wendorf an.

In der Reitszene hat es sich längst herumgesprochen, was für ein guter Ausbilder der 28-Jährige trotz seiner noch jungen Jahre ist. SVZ schaute vorbei bei solch einem Training. Julia Keßler aus Goldenbow kommt regelmäßig, wie sie sagt. Sie sitzt im Sattel der neunjährigen Pippilotta, „einer Capriol-Tochter“, wie die Goldenbowerin hinzufügt. Beim Namen „Capriol“ weiß man auch in der Freizeitreiterszene sofort Bescheid. Mit dem Holsteiner Hengst Capriol schrieb Benjamins Vater Holger Wulschner im Jahr 2000 Reitsport-Geschichte. Da gelang dem Duo beim 71. Deutschen Springderby in Hamburg-Klein Flottbek mit dem Derbysieg sowie dem Gewinn beider Qualifikationen zuvor bis heute Einmaliges.

Der 28-jährige Benjamin Wulschner hat vom Papa offensichtlich nicht nur das Reittalent geerbt, sondern auch das Faible für Exaktheit. „Lass dir Zeit, schön Galopp, Julia“, ruft Benjamin der Freizeitreiterin zu, „ruhig ein bisschen Bein geben, lass die (Stute) nicht allein springen.“

„Er sieht die Mängel“, lobt Pferdebesitzerin Gesa Kruse aus Herzberg. Lisa Böseke aus Barnin hat drei Pferde von ihr in Beritt. „Ich muss den Laster fahren, die haben alle keine Berechtigung für so einen Siebentonner“, erzählt Gesa Kruse, in der Tür zur Reithalle stehend. Währenddessen dreht Lisa Böseke ihre Trainingsrunden.

Auf dem Sandplatz, einige Hundert Meter von der Halle entfernt, gibt Vicky Müller unterdessen Dressur-Unterricht. Benjamins Freundin zog vergangenen Dezember aus Sachsen zu ihm auf die Anlage. „Der Umzug von Dresden nach Wendorf war schon ein Kulturschock“, gesteht Vicky. Sie reitet selbst in der Dressur bis zur S-Klasse (S = schwer) der Drei-Sterne-Kategorie. Da werden ihrem Hannoveraner Wallach Walk of Silence schon Passage und Piaffe abverlangt. „Damit kommt er aber an seine Grenze.“

Freizeitreiterinnen kommen jetzt extra wegen Vicky Müller zum Dressurunterricht nach Wendorf. So auch Wiebke Benzin aus Vorbeck bei Schwerin. Und Anne-Marie Weckwerth nahm am Mittwochabend gar anderthalb Stunden Anfahrt von Parkentin bei Rostock in Kauf: „In MV gibt es nicht so viele gute Dressurtrainer. Ich bin zum zweiten Mal hier“, sprach’s und weiter ging es – von Vicky Müller per Sprechfunk während des Rittes korrigiert: „Bisschen mehr linke Hand…“

Heute trennen sich die (sportlichen) Wege von Vicky Müller und Benjamin Wulschner. Während sie bei einem Dressurturnier in Dallgow vor den Toren Berlins startet, ist er beim CSI Redefin dabei. Dort reitet er erstmals auf dem Landgestüts-Rasenparcours in der so genannten Großen Tour mit allen Assen, darunter Holger Wulschner. So erlebt das CSI erstmals ein Wulschner-Familienduell ums große Preisgeld.  

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