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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 13:30 Uhr

Schertrupp im Warnowtal : 3500 nackte Schafe unterwegs

vom

Einmal im Jahr nach der Lammzeit geht es den Schafen ans Fell. Im Warnowtal war es nun mal wieder so weit. Ein Schertrupp befreite 3500 Schafe der Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden von ihrer Wolle.

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2013 | 10:16 Uhr

Groß Görnow | Die Wolle ist runter: Innerhalb von vier Tagen hat ein Schertrupp zu viert 3500 Schafe der Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden von ihrer Hülle befreit. Zum größten Teil Muttern, aber auch 46 Böcke und etwa 800 Jungtiere, letztere sind gut ein Jahr alt, sie sollen den Bestand auffrischen und erweitern, im Herbst werden diese Jungschafe das erste Mal von Böcken gedeckt.

Einmal im Jahr nach der Lammzeit geht es den Schafen ans Fell. Die seien froh, zum Sommer ihre dicke Wolle los zu sein, meint der verantwortliche Schäfer Christian Diederichs schmunzelnd. Die Multikulti-Schafscherertruppe einer Thüringer Firma arbeitet im Akkord. Dirk Marx ist der einzige Deutsche. Die zwei Männer neben ihm kommen aus Polen und Aus tralien, die junge Frau aus Neuseeland. Dort habe er selbst an einer Schule die so genannte Bodenschur gelernt, erzählt der Thüringer. In der DDR sei Schafscherer ein Ausbildungsberuf gewesen, wenn auch kaum verbreitet. Die Bankschur, die ein wenig leichter und nicht so schnell sei, hatte er sich indes selbst beigebracht. Doch schnell müsse es gehen. "Wir werden pro Stück bezahlt", fügt Marx hinzu. In dem Stall in Groß Görnow hat jeder Erfrischungsgetränke griffbereit sowie ein Handtuch, um sich immer wieder das schweißnasse Gesicht abzuwischen.

Etwa drei Monate seien die selben Leute zusammen, jetzt in der Hochzeit des Schafscherens. Sogar die habe sich durch den langen Winter ein wenig nach hinten verschoben. Die Spezialisten reisen durch ganz Europa. Von Groß Görnow gehe es nach Österreich, vorher war Holland eine der Stationen. Pro Jahr schert er allein rund 15 000 Schafe, überschlägt Dirk Marx. In einigen Betrieben komme noch die Hufpflege hinzu.

Schafe scheren, sei "körperlich total anstrengend", selbst mit geübten Händen und erst recht für den, der diese Arbeit nicht gewohnt ist, weiß Christian Diede richs aus eigener Erfahrung. "Ich habe das probiert, einfach mal so, und bin mächtig ins Schwitzen gekommen."

Knapp zweieinhalb Kilogramm Wolle fallen von einem Schaf an, schätzt der Schäfer. Der Preis dafür sei zum Glück gestiegen. "Im Vorjahr haben wir 1,10 Euro pro Kilogramm bekommen. Jetzt wird der Preis auch bei einem Euro herum liegen", rechnet Diederichs. Damit ließen sich zumindest die Kosten für die Schafscherer decken. Geld sei mit der Wolle, die zur industriellen Verarbeitung unter anderem nach Belgien geliefert werde, ohnehin nicht zu verdienen. Doch als vor drei, vier Jahren der Kilopreis nur 30 Cent betragen habe, sei die notwen dige Schafschur sogar ein Zuschussgeschäft gewesen.

Die Schafe, die ihr Wollkleid verloren haben, bekommen ein flüssiges Arzneimittel auf den Rücken gespritzt, das sich über die Haut verteilt. Es soll die Vierbeiner vor Zecken, Fliegen und Haarlingen, das sind lästige Tierchen, die sich in der wieder nachwachsenden Wolle einnisten würden, schützen. Dann werden zur Kontrolle alle noch einmal anhand ihrer Ohrmarken registriert. Das geschieht automatisch, nur wenn sich eine Nummer nicht einlesen lässt, tippt Diederichs die manuell auf dem Display ein. Ohne moderne Technik wäre der Arbeitsaufwand samt Dokumentation kaum noch zu bewältigen. Am Computer ließe sich zum Beispiel auch programmieren, welche der drei Türen am Ende des Laufgitters, durch das jeweils ein Tier passt, sich öffnen soll. So könnten die Schafe aufgeteilt werden. Jetzt ist das nicht nötig, jede Herde wird für sich in den Stall getrieben, nachdem die Lämmer von den Muttern getrennt wurden. Der Nachwuchs wartet derweil in einer Bucht direkt hinter dem Stall.

Mit der Lammzeit, die am 10. April begann und sich auf knapp drei Wochen konzentrierte, ist Diederichs zufrieden. Da die Zwillingsgeburten in den Stall verlegt wurden, hätten sich die Verluste durch Raben und Krähen merklich verringert. Die genaue Zahl der Neugeborenen weiß der Schäfer noch nicht. Die Ohrmarken seien angebracht worden, aber noch nicht alle im Computer erfasst. Das sei nun eine Fleißaufgabe für die nächsten Tage.

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