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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 10:36 Uhr

Warin : 25 Jahre und keinen Tag bereut

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Diakonie-Pflegeheim in Warin feierte Jubiläum/Der seit 2017 geltende Teil II des Pflegestufengesetzes stellt Mitarbeiter vor Herausforderungen

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Es war das erste Pflegeheim, das in Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende gebaut wurde. Am Donnerstag feierte die Einrichtung der Diakonie Güstrow am Glammsee in Warin ihr 25. Jubiläum. Gratulanten waren unter anderem Diakonie-Vorstand Christoph Kupke, Bürgermeister Michael Ankermann und Pastor Andreas Kunert. „Die Zeit damals bei der Eröffnung war geprägt von Aufbruchstimmung und Enthusiasmus“, erinnerte sich Christoph Kupke in seiner Geburtstagsrede. „Doch da gingen wir noch davon aus, dass es hier weiter ein Krankenhaus geben wird.“ Auch der zunehmende Fachkräftemangel und der im Vergleich zu den alten Bundesländern schlechte Personalschlüssel seien ein Problem.

Doch offensichtlich konnte das Haus die Schwierigkeiten meistern. Das Pflegeheim genießt einen sehr guten Ruf und hat selten einen Platz frei. „Wir haben viel erreicht“, sagte Kupke. Und das sei dem guten Management durch die Leitung und vor allem den Mitarbeitern zu verdanken.

Die Leitung der Pflegeeinrichtung besteht ungewöhnlicherweise aus einem Team von vier Frauen: Vera Gätcke, Antje Weidemann, Nancy Wünsch und Manja Zuchel. „Diese Struktur haben wir seit der Einführung der Pflegeversicherung 1996 in allen unseren vier Häusern der Diakonie Güstrow “, erläuterte Christoph Kupke im Gespräch mit der SVZ. „Wir wollten, dass sich die Aufwertung der Pflege auch in der Leitung widerspiegelt.“ Denn drei der vier Frauen gehören zur Pflegedienstleitung des Seniorenheimes. „Wir haben mit der Teamleitung gute Erfahrungen gemacht. So kann man Arbeitsspitzen und Ausfälle kompensieren.“

Das auch nach 25 Jahren immer noch sehr modern wirkende Pflegeheim Am Glammsee mit dem einzigartigen Blick bietet heute 122 Plätze und beschäftigt 96 Mitarbeiter, acht davon sind Auszubildende. „Indem wir ausbilden, wirken wir selbst dem Fachkräftemangel entgegen“, erklärte Nancy Wünsch den Anwesenden. Sie berichtete auch darüber, wie der in diesem Jahr eingeführte Teil II des Pflegestufengesetzes den Alltag im Pflegeheim verändert habe. Weil seitdem die ambulante Pflege der alten oder kranken Menschen zu Hause so lange wie möglich Priorität vor der professionellen Pflege habe, werde die Aufenthaltsdauer der Bewohner immer kürzer und sie kämen in einem immer schlechteren Zustand. Sterbebegleitung und Tod würden dadurch nun viel häufiger zum Alltag des Pflegepersonals gehören. Früher seien Bewohner zwischen fünf und zehn Jahren im Haus gewesen, heute oft nicht mal mehr ein Jahr. Manchmal sei es nur einen Monat. „Das macht etwas mit uns. Keiner geht spurlos an uns vorüber“, so Nancy Wünsch, selbst dreifache Mutter. Deshalb seien nun zwei Mitarbeiter in der Palliativbetreuung ausgebildet worden, die Ausbildung eines dritten würde gerade beginnen. „Außerdem haben wir für unsere Mitarbeiter eine Trauer-AG gegründet, um Raum für Gespräche zu geben“, berichtete Nancy Wünsch noch. Ein gutes Verhältnis der Mitarbeiter sei bei solchen Herausforderungen besonders wichtig. Und trotz dieser sei die Fluktuation unter den Mitarbeitern erfreulich niedrig.

„Warum wählt man solch einen Beruf?“, wollte die SVZ von den Frauen des Leitungsteams wissen. „Das Schönste für mich ist der Dank der Bewohner, das, was man von ihnen zurück bekommt. Zu wissen, dass es ihnen gut geht. Außerdem ist hier jeder Tag anders“, antwortete Manja Zuchel. „Hier wird auch viel gelacht“, meinte Antje Weidemann. „Aber das ist schon ein Beruf, für den man eine Berufung mitbringen muss.“ Nancy Wünsch erwiderte: „Wir können oft mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Was wir tun, ist wichtig.“

„Ich arbeite in diesem Beruf seit 40 Jahren und habe noch keinen Tag bereut“, erklärte Vera Gätcke.

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