Dabel : 13 Meisterschüler beim Obstschnitt im Förstergarten

Bernd-Ulrich Nüsch (l.) schaut interessiert was die Meisterschüler machen.
Bernd-Ulrich Nüsch (l.) schaut interessiert was die Meisterschüler machen.

Idealer Übungsort: An alten, großen Bäumen kamen Geräte zum Einsatz, die bei niedrigstämmigen, modernen Sorten nicht nötig sind.

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21. Februar 2014, 16:04 Uhr

Das hätte sich der pensionierte Förster Bernd-Ulrich Nüsch wohl nicht träumen lassen: 13 Meisterschüler der Fachschule des Landes für
Agrarwirtschaft aus Güstrow/Bockhorst stiefeln durch seinen Garten, um die über 70-jährigen Apfelbäume zu
beschneiden. Der Garten wurde vom Leiter Nils Wagner als Übungsobjekt für sein Seminar zum Obstgehölzschnitt auserkoren. Als Sohn des Nachbarn kennt er diesen noch gut und freut sich: „Davon haben beide etwas“, sagt er. „Herr Nüsch bekommt einen kostenlosen Obstbaumschnitt und wir können an alten, großen Bäumen üben und viele Gerätschaften zum Einsatz bringen, die bei niedrigstämmigen
modernen Sorten nicht nötig sind.“

Ausbilder und Gärtnermeister Thomas Franiel nennt noch weitere Vorteile: „Unsere Schüler tauschen sich in den Blockseminaren wie diesen miteinander aus. Das ist doch das i-Tüpfelchen einer fachlich guten Ausbildung.“ Als Gärtnermeister im Gartenlandschafts- und Sportplatzbau sollen sie von den Anbietern einfacher Hausmeister- und Gartenarbeiten abheben. „Fast alle Absolventen machen sich selbstständig“, weiß Gärtnermeister Manuel Krull, Honorarfachkraft für das Seminar. „Mit professionellem Obstgehölzschnitt kann man sich gut etwas dazu verdienen“, so Krull. „Denn in Mecklenburg-Vorpommern gibt es gerade eine Renaissance. Das Interesse an Streuobstwiesen und alten Sorten steigt wieder.“ Einen Schnitt auf Vorrat gebe es eben nicht, so Krull. „Gartenpflege muss regelmäßig passieren.“

Darum sollen die Schüler vom Jung- bis zum Uraltbaum alles beschneiden können. Gärten wie den von Bernd-Ulrich Nüsch gebe es in Mecklenburg-Vorpommern öfter, bestätigt auch Landschaftsgärtner Sören Stein, der nach der zweijährigen Zusatzausbildung seinen Meister in der Tasche haben will. Nüsch gesteht: „Die Bäume sind seit sechs Jahren nicht beschnitten worden. Ich kann diese körperlich schwierige Arbeiten nicht selbst machen und mir fehlt auch die richtige Ausrüstung, um die armdicken Stämme aus der Krone zu schneiden“. Gärtner wie er sind auf die Dienstleistung der Profis angewiesen.

Meisterschüler Jens Niebuhr sieht die Zukunftsperspektive noch in einem anderen Fakt: „Viele Gartenbesitzer können Obstbäume nicht mehr selbst beschneiden. Ich brauche mir nur die Besen in einigen Gartensiedlungen ansehen. Es fehlt einfach das Wissen.“

Übrigens, der Beruf beinhaltet neben den Gartenarbeiten ebenfalls viele technische und andere handwerkliche Qualifikationen: „Nicht nur anspruchsvolle Pflanzenkunde, sondern auch Wegebau, Be- und Entwässerung, Dachbegrünung und Maurerarbeiten gehören dazu“, wirbt Gartenbauingenieur Nils Wagner am Ende noch für die Fachschule.


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