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Lokales

24. September 2017 | 05:23 Uhr

Sterbende begleiten

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erstellt am 03.Jun.2010 | 08:40 Uhr

Prignitz | Seelisch stark, fachlich gut ausgebildet - so umschreibt Marlis Lenz zwei Grundvoraussetzungen für die Betreuung sterbender Patienten. Die Pflegedienstleiterin leitet fachlich das neu gegründete Palliativteam des DRK Prignitz und die trägereigenen ambulant tätigen Hospizgruppen in Wittenberge und Pritzwalk an.

Wenn Hausärzte diese Betreuung verordnen, beginne ein ganzheitliches Betreuungskonzept, unterstützt von ärztlich verordneter medizinischer Hilfe. Zunächst einmal gehe es um Zeit für die Patienten. Zeit zum Reden, Zeit für die Angehörigen, Zeit zum Halten der Hände eines Sterbenden. "Sie sollen so leben, als ob jede Stunde ihre letzte sein könne, und dabei versuchen wir behilflich zu sein", sagt Marlis Lenz.

Wer sich entscheide, seine letzten Tage zu Hause zu verbringen, soll es schön haben. "Wir beantragen Hilfsmittel, beispielsweise ein Pflegebett, und dies sollte nicht im Schlafzimmer stehen, sondern im schönsten Raum der Wohnung." Es gehe auch darum, letzte Wünsche zu erfüllen. Wenn jemand Kuchen oder einen Wein möchte, sollte er das bekommen, auch wenn es medizinisch nicht zu vertreten sei.

Manchmal sei es schwieriger, die Verwandten in so einer schweren Lebensphase zu betreuen. Oft seien sie überfordert. "Es kommt vor, dass wie sogar Zwistigkeiten innerhalb einer Familie versuchen zu schlichten, sie wieder zusammenführen", so die Teamleiterin.

Für die Pflegekräfte sei es eine schwere und emotional belastende Arbeit. "Sie dürfen keinerlei Berührungsängste vor Körperflüssigkeiten haben, müssen intensiv den Krankenverlauf beobachten und dabei noch Ruhe ausstrahlen." Fachliche Voraussetzung sei eine mehrjährige Arbeit als qualifizierte Pflegekraft, eine spezielle Palliativ-Weiterbildung und Erfahrungen mit dem Thema Sterben. Bestenfalls haben sie in einem Hospiz oder im Krankenhaus gearbeitet.

Aktuell sind beim DRK einschließlich Marlis Lenz vier Mitarbeiter in diesem Palliativteam - zu wenig. "Wir kommen an unsere Grenzen", sagt Lenz. Sieben bis acht Mitarbeiter seien das Ziel. Erschwerend kommen zwei Faktoren dazu: "Die Palliativbetreuung machen wir parallel zur Krankenpflege, und unser Team hält eine 24-Stunden-Rufbereitschaft vor." Diese ist zwingend gefordert, damit Patienten oder Angehörige jederzeit Hilfe anfordern können.

Unterstützt werden die Mitarbeiter von ehrenamtlichen Betreuern. Auch sie seien speziell geschult und sollten ebenfalls abrufbereit sein. "Wer sich dafür entscheidet, darf nicht nur auf dem Papier stehen, sondern muss wirklich Zeit haben und sie sich auch nehmen", betont Marlis Lenz. Gerade nachts seien die ehrenamtlichen Betreuer eine wertvolle Unterstützung, auch für die Angehörigen, die sich meist tagsüber um den Patienten kümmern würden.

Das DRK sucht zeitnah und unbefristet Fachkräfte und Ehrenamtler, die sich für eine Mitarbeit im Palliativteam interessieren, informiert Hartmut Watschke als zuständiger Bereichsleiter Sozialarbeit. Die oben genannten Qualifikationen wären wünschenswert, "aber wir unterstützen auch die notwendigen Weiterbildungsstunden und Hospizeinsätze", sagt er. Ebenso herzlich seien ehrenamtliche Helfer willkommen. Interessierte können sich direkt bei ihm melden.

Das DRK sei bestrebt, die Hospizarbeit im Landkreis Prignitz mit weiteren Partnern auszubauen. "Wir führen intensive Gespräche mit Hausärzten, informieren und beraten sie zu diesem Thema", so Marlis Lenz. Ebenfalls werde eine Zusammenarbeit mit dem Kreiskrankenhaus angestrebt Das DRK wurde es begrüßen, wenn weitere Prignitzer Pflegedienste ebenfalls eine Anerkennung in der Palliativbetreuung anstreben.

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