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"Stephan Jantzen" feiert heute im Stadthafen

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Stadtmitte | Ein Jahr im Stadthafen - das will die Crew des Eisbrechers "Stephan Jantzen" heute groß feiern - mit Besichtigungen, Vorführungen und Konzerten. "Wir sind stolz, dass wir das Schiff so gut etablieren konnten", sagt Michael Egelkraut, Kapitän der Interessengemeinschaft "Stephan Jantzen", die sich für die Verholung des Kolosses als Stilllieger im vergangenen Jahr eingesetzt hatte. Anfangs habe es viele Zweifler gegeben, sagt Egelkraut. "Doch mittlerweile haben wir bewiesen, dass unser Konzept erfolgreich und das Schiff ein touristisches Highlight ist", so der Vereinskapitän.

Seit August 2009 ist der Eisbrecher an seinem neuen Platz. Seitdem sind nach Angaben des Vereins 22 000 Besucher zur Besichtigung auf dem Schiff gewesen. "Hinzu kommt die Zahl derer, die zu Vorträgen an Bord gekommen sind", ergänzt Vereinsmitglied Stephan Bohnsack. Denn etwa alle zwei Wochen organisiert der Verein Referate für ein maritim interessiertes Publikum. 19 sind bereits gelaufen. Zusätzlich bietet der Verein einzelne Räume für Veranstaltungen an. In der Mannschaftsmesse und in der Offiziersmesse können Hochzeitsgesellschaften feiern oder Vereine tagen. Auch Kindergeburtstage, Doktorandenfeiern und Neujahrsempfänge fanden hier schon statt.

Doch bevor die 40 freiwilligen Helfer im Verein das alles auf die Beine gestellt haben, war der Weg des Eisbrechers lang. In seiner Dienstzeit, die 1968 begann, war er zunächst für die Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei (BBB) von Rostock aus im Einsatz. Eigner war das Seefahrtsamt der DDR. Der Nachfolgebetrieb des BBB bestand bis 1990 und wurde dann von der Treuhand abgewickelt.

Ab dem Wendejahr wurde der Eisbrecher vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund verwaltet, wo er seinen neuen Heimathafen fand - bis zum 2. April 2005, dem Tag, an dem er außer Dienst gestellt wurde.

Danach geriet der ehemals größte deutsche Eisbrecher in unsicheres Fahrwasser: 2006 kaufte ein amerikanischer Investor das Schiff. Sein Plan: Die "Stephan Jantzen" als Luxuseisbrecher für Reisen ins Polarmeer umbauen lassen. Der Investor meldete das Schiff zwar im Hafen Kingstown auf Saint Vincent an, fand aber keine Werft für den Umbau und verholte es nie. Das Schiff stand bald darauf wieder zum Verkauf. Im ehemaligen Heimathafen Rostock fand sich unterdessen eine Interessengemeinschaft zusammen, die den Stahlriesen wieder an die Warnow holen wollte - ihr Plan glückte im August des vergangenen Jahres.

Seitdem betreiben die etwa 40 ehrenamtlichen Helfer den stillliegenden Eisbrecher im Stadthafen. Unter ihnen einige ehemalige Seeleute, aber auch Werftarbeiter, Studenten und Arbeitslose. Sie übernehmen Arbeitseinsätze bei der Instandhaltung des Schiffes, Schichten in der Kombüse oder Besucherführungen. Mit Mühe und Ausdauer hat die Crew die Außendecks herausgeputzt und die Kabinen, Messen und Sozialräume mit dem typischen Charme der 1960er-Jahre hergerichtet. Die Crew hat sogar neue Abteilungen für Marketing, Service und Maschinen gegründet. "Bisher haben wir alles ohne irgendwelche Zuschüsse von der Stadt geschafft", sagt Vereinskapitän Egelkraut. Dass seine Hoffnungen auf den Eisbrecher als touristischen Anziehungspunkt im Stadthafen innerhalb eines Jahres erfüllt wurden, ist für ihn und seine Mannschaft Grund zum Feiern. Ab 10 Uhr geht es heute los.

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erstellt am 24.Sep.2010 | 07:23 Uhr

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