Reaktionen zum Bericht über den früheren SED-Politoffizier : "Steinberg ist wenigstens ehrlich"

Olaf Steinberg
Olaf Steinberg

Große Resonanz gab es zum SVZ-Artikel "SED-Politoffizier soll für die CDU in Landtag". Die Meinungen der Leser, die uns per Email oder im SVZ Online-Forum erreichten, gehen auseinander.

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25. Februar 2011, 10:06 Uhr

Sternberg/Parchim | Große Resonanz gab es gestern zum SVZ-Artikel "SED-Politoffizier soll für die CDU in Landtag". Inhalt: die Kandidatur von Olaf Steinberg (43) aus Sternberg, der von 1985 bis 1989 eine Ausbildung an der Offiziershochschule Zittau zum Politoffizier absolvierte, dann Agitator des Marxismus-Leninismus bei der Truppe war, später, 2001, in die CDU eintrat. Vertreter von Linkspartei und SPD warfen der Union Unehrlichkeit beim Umgang mit der DDR-Vergangenheit und zweierlei Maß in der Frage vor, ob und welche früheren SED-Mitglieder in die demokratischen Parteien aufgenommen werden. Der frühere Bürgerrechtler Heiko Lietz prangerte "Doppelmoral" bei Parteien an. Die Meinungen der Leser, die uns per Email oder im SVZ-Online-Forum erreichten, gehen auseinander. Auszüge:

Manfred Schneider: "Olaf Steinberg muss erklären, warum er ausgerechnet den Weg des NVA-Politoffiziers einschlug. Hätte eine ,einfache SED-Mitgliedschaft nicht ausgereicht, um Schwierigkeiten zu umgehen? Einem Politoffizier oblag die politische Erziehung der Soldaten. Es ging darum, die SED-Parteilinie zu vermitteln und zu vertreten. Es ist schwer vorstellbar, dass man in dieser Position nur ein einfacher Mitläufer gewesen sein will."

Dr. Klaus-Ulrich Keubke: "Wenn CDU/CSU und Öffentlichkeit einen Betrüger als Minister akzeptieren, dürfte ein damals junger NVA-Politoffizier wohl kaum ein Problem sein - dieser ist wenigstens ehrlich."

Götz Franke: "Es ist ein Schritt in die Normalität und das ist gut so. Es zeigt aber auch, dass der CDU alles recht ist, nur um bei den bevorstehenden Wahlen ihre Chancen zu verbessern."

Hans Castorp: "Wie auch bei Guttenberg glauben einige durch Verniedlichung verharmlosen zu müssen. Bei Guttenberg: Haben wir alle nicht schon einmal abgeschrieben? Bei einem Politoffizier: Waren wir nicht alle bei den Jungpionieren? Erinnert sei an die Hetzjagd der CDU auf den Schönberger Bürgermeister Michael Heinze, ehemaliger Offizier. Wer den Leuten weismachen will, dass man in der DDR gezwungen werden konnte, Politoffizier zu werden, hat ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem."

Walter Wenke: "In der Regel waren Politoffiziere die, die sich für 25 Jahre verpflichtet hatten. Danach hat man dann festgestellt, dass sie selbst für einfachste Sachen zu ... waren. Also hat man ihnen einige Standardsätze eingebläut und sie dann auf die Soldaten losgelassen."

Bruno Lange: "Ich hätte kein Problem mit dem ehemaligen Politoffizier als CDU-Kandidaten, wäre da nicht diese bodenlose Scheinheiligkeit der CDU. Man stelle sich nur das Geschrei der CDU vor, würde er für Linke, Grüne oder SPD antreten."

Für den CDU-Landesverband reagierte Generalsekretär Vincent Kokert: "Bei genannten Personen handelt es sich nicht um neue Erkenntnisse und die CDU hat beizeiten entschieden, dass solche Fragen immer vor Ort geklärt werden müssen. Alle Kandidaten wurden auf Wahlkreismitgliederversammlungen ordnungsgemäß nominiert. Damit hat sich gezeigt: Sie genießen das Vertrauen der Menschen vor Ort - auch weil sie über 20 Jahre hinweg zum Aufbau unserer Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern beigetragen haben."

Olaf Steinberg selbst erklärte, er stehe zu seiner Biografie: "Das ist die Vergangenheit vieler Ostdeutscher. Dieses Leben haben wir nicht zu verheimlichen. Warum auch?"

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