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Lokales

22. November 2017 | 06:48 Uhr

Statt Schießplatz jetzt Sonnenenergie

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erstellt am 12.Aug.2012 | 05:10 Uhr

Jännersdorf | Einst Wald des Stiftes Marienfließ, dann nach dem Krieg enteignet und zu DDR-Zeiten Schießplatz der russischen Armee - heute ein riesiger Solarpark auf eine Fläche von rund 90 Hektar gleich hinterm Ortsausgang von Jännersdorf. Am Sonnabend wurde die Anlage mit einer Kapazität von 40,5 Megawatt offiziell eingeweiht. Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers kam persönlich, denn gerade Konversionsflächen, also ehemalige Militär-, Industrie- oder Gewerbeflächen, die zum Zweck der baulichen Wiedernutzung eine Umwandlung erfahren, seien geeignet für solche Großanlagen zu Gewinnung erneuerbarer Energien. Deshalb auch müsse es für sie eine Sonderregelung geben, was die von der Bundesregierung eingeschränkte Förderung von Solarstrom anbelangt, dürften sie nicht auf zehn Megawatt begrenzt sein, betonte er in Jännersdorf. Denn, so der Minister, Konsersion sei nur zu finanzieren, wenn sie mit erneuerbaren Energien verbunden werde.

Jännersdorf ist dafür ein gutes Beispiel. Hans-Joachim Böhm erwarb den ehemaligen Schießplatz von der Treuhand, fand in dem Waren-Müritzer Architekten Werner Wachenfeld einen Gleichgesinnten für das Solarprojekt, beide knüpften Kontakte und kamen so auch mit der Parabel AG aus Berlin ins Gespräch. Böhm ging in Vorleistung, investierte viele Hunderttausend Euro für die Endmunitionierung des Areals, wie Parabel-AG-Vorstand Jürgen Will hervorhob und sich gleichzeitig freute, "dass wir dieses Vertrauen in uns rechtfertigen konnten".

Insgesamt 60 Millionen Euro wurden investiert in den Jännersdorfer Solarpark. Die Baufelder 2, 3 und 4 sind bereits seit einigen Wochen am Netz, das Baufeld 1, an dem am Sonnabend die offizielle Inbetriebnahme vorgenommen wurde, wird in Kürze folgen. Und bereits begonnen haben die Arbeiten am nahe gelegenen Solarpark Krempendorf, der nach Fertigstellung Ende September 50 Megawatt aus Sonnenenergie erzeugen soll. "Beide zusammen gerechnet dürften wir dann die drittgrößte Anlage in Deutschland haben", meinte der Direktor Finanzen der Parabel AG, Jaques Brandenburger, gegenüber dem "Prignitzer".

"Brandenburg ist bei den erneuerbaren Energien Vorreiter in Deutschland, die Prignitz ist es in Brandenburg und Jännersdorf in der Prignitz", betonte denn auch Torsten Uhe, 1. Beigeordneter des Prignitzer Landrates. Er appellierte aber gleichzeitig an die Landesregierung, dass bei deren Strategie 2030 - bis dahin sollen die erneuerbaren Energien einen Anteil von mindestens 32 Prozent am Primärenergieverbrauch Brandenburgs haben, aber auch bedacht werden müsse, dass Energie für die Menschen bezahlbar bleiben müsse, Landkreise und teilweise auch Kommunen schon jetzt die Energiekosten von Hartz-IV-Empfängern stützen müssten.

Für Ralf Knacke, den ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Marienfließ, wozu neben Jännersdorf auch Stepenitz, Krempendorf und Frehne gehören, sind die finanziellen Aussichten aber gut. Und das nicht nur, weil ihm Will anlässlich der Anlagen-Eröffnung am Sonnabend 10 000 Euro für die Jugendarbeit überreichte. "Denn wir sollten gemeinsam Wege finden, Kinder und Jugendliche für unsere Ideen zu begeistern." Sondern vor allem, weil das Unternehmen einen Sitz in Jännersdorf einrichten will, damit entsprechende Steuermittel in die Gemeindekasse fließen. Das wird sicher auch so manchen überzeugen, der am Anfang skeptisch war. Will konnte sich am Sonnabend noch gut an kontroverse Diskussionen zu später Stunde in der Gemeindevertretung erinnern.

Was mit dem Geld für den Nachwuchs gemacht werden soll, "werden wir in der Gemeindevertretung beraten. Schließlich haben wir eine eigene Kita, bauen in allen Ortsteilen Spielplätze, haben Jugendclubs", zählt Knacke einige erste spontane Ideen auf. Und dann hat er es eilig, denn die erste Gondel wird von einem Kran in etwa 40 Meter Höhe gehoben, damit Mutige sich den Solarpark aus der Vogelpers pektive anschauen können. Davon machen an diesem Nachmittag noch viele Gebrauch, denn die Parabel AG hat den Eröffnungstermin nicht ohne Grund auf genau diesen Sonnabend gelegt. Da feierte nämlich das Amt Meyenburg, zu dem auch die Gemeinde Marienfließ gehört, gemeinsam mit den Einwohnern sein 20-jähiges Bestehen. Und die hatten per Shuttle-Transport die Möglichkeit, nach Jännersdorf zu kommen. Weit über 200 nutzten das Angebot.

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