Statt Baumpflege nur Reaktion auf Gefahren

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23. Oktober 2010, 01:57 Uhr

Sternberg | Viele Städte und Gemeinden haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Baumpflege vernachlässigt. "Die Probleme haben sich angestaut", sagte gestern Sternbergs Bürgermeister und Verwaltungschef Jochen Quandt.

In den vergangenen 20 Jahren wurden durch Ausgleichsmaßnahmen viele Bäume neu gepflanzt - zusätzlich zu den Altbeständen. Mit zunehmendem Alter benötigen die Bäume aber auch mehr Pflege, so Quandt. "Wir sind verpflichtet, für die Verkehrssicherheit zu sorgen." Speziell an Straßen und auf Plätzen muss die Kommune sich darum kümmern, dass Bäume nicht umstürzen, Äste nicht abbrechen und auf Autos fallen.

Die meisten Kommunen des Amtes Sternberger Seenlandschaft - außer Mustin - haben sich mittlerweile vertraglich mit einem Fachbüro gebunden, das die Bäume begutachtet. "Das ist wichtig", so Quandt. Die Verwaltung verfüge nicht über die Fachkräfte. Doch die Begutachtung gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. 13 400 Euro bringen die Kommunen im Amtsbereich dafür jährlich auf.

Mit der zielgerichteten Kontrolle werden die Gemeinden aber auch darauf aufmerksam gemacht, wo Pflege nötig oder wo Gefahr in Verzug ist, so Quandt. "Wir sind vorrangig in der Gefahrenabwehr tätig. Wir reagieren." Die Pflege stehe noch außen vor.

Die Fachabteilung hat vor der Haushaltsdebatte 2011 darauf verwiesen, dass im kommenden Jahr 46 000 Euro nötig wären, um die Bäume im Amtsbereich zu pflegen. Davon allein 11 000 Euro in Sternberg. Völlig offen ist, ob sich diese Summen in den Haushalten wieder finden.

"Einiges können wir selber machen", so Quandt. Dort, wo Bauhöfe tätig sind: in Brüel und Sternberg. Bei bestimmten Baumfällungen kommen alle Kommunen nicht um professionelle Hilfe herum: Beispiel ist die Pappel, die diese Woche in Brüel abgenommen werden musste. Das kostete allein 5500 Euro. "Ein stolzer Preis", so Quandt.

Die Kommunen müssen für die Baumpflege allein aufkommen. Es kann Unterstützung aus dem Alleenfonds geben, so der Sternberger Verwaltungschef. Der ist auf Ebene des Kreises allerdings kleiner als die Summe, die benötigt wird.

Das Amt Sternberger Seenlandschaft hat aus dem Alleenfonds in den vergangenen Jahren nichts bekommen. Sternberg will aber einen Antrag stellen für die Linden in der Friedensallee, einen Weg am früheren Landambulatorium in Sternberg. Die Pflege kostet nach bisherigen Angeboten zwischen 6000 und 10 000 Euro. Probleme gebe es in Sternberg überall, wo Bäume an der Straße stehen, sagt der Bürgermeister. Dazu gehören beispielsweise die Johannes-Dörwaldt-Allee und die Straße nach Groß Görnow.

Immer wenn Kommunen Versiegelungen vornehmen, also beispielsweise neue Straßen bauen, sind sie verpflichtet, als Ausgleichsmaßnahme Bäume zu pflanzen. Jochen Quandt plädiert dafür, statt Geld nur für neue Bäume zu verwenden es für die Pflege vorhandener Bäume einzusetzen. Die würden dadurch länger leben. Momentan sind solche Ausgleichsmaßnahmen allerdings nicht erlaubt.

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