Stasi-Fall in Bildungszentrale

 Wolfgang Leuchter und Linksparteilandeschef  Steffen Bockhahn (r.) Bethkenhagen
Wolfgang Leuchter und Linksparteilandeschef Steffen Bockhahn (r.) Bethkenhagen

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23. November 2010, 09:18 Uhr

Rostock | Nach dem Bekanntwerden seiner früheren Stasi- Mitarbeit hat der Linkspolitiker Wolfgang Leuchter sein Amt im Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung niedergelegt. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Helmut Holter, informierte Bildungsminister Henry Tesch (CDU) darüber, dass Leuchter seine Mitarbeit in dem Gremium "auf eigenen Wunsch und mit sofortiger Wirkung" beende.

Zuvor hatte der Chef des Kuratoriums, Hubertus Buchstein, die Erwartung ausgesprochen, dass Leuchter auf den Posten verzichte. Ihm und der Landeszentrale sei die Stasi-Vergangenheit des früheren Rostocker Kreischefs der Linken nicht bekannt gewesen, sagte Buchstein. Das Kuratorium bestimmt die grundsätzlichen Linien der politischen Bildungsarbeit. Die Mitglieder des Aufsichtsgremiums werden von den Landtagsfraktionen vorgeschlagen und vom Bildungsminister ernannt. Leuchter war 2007 von der Linkspartei nominiert worden. Nach Angaben eines Parteisprechers hatte er seine Stasi-Mitarbeit aber schon Anfang der 1990er Jahre offen gelegt. "Ich danke Herrn Leuchter im Namen der Fraktion für seine geleistete Arbeit", hieß es in Holters Mitteilung.

Nach Informationen unserer Zeitung war Prof. Wolfgang Leuchter seit Mitte der 70er-Jahre im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit an der Sektion Lateinamerikawissenschaften, deren Sektionsdirektor er nach demokratischer Wahl von 1990 bis 1991 war, mehrfach dienstlich in Südamerika, u.a. Mexiko und Kolumbien. Im Zuge dieser Reisen hatte Leuchter Kontakte zur Haupverwaltung Aufklärung der Staatssicherheit, dem Auslandsnachrichtendienst der DDR, für die er alle geforderten Erklärungen zur Zusammenarbeit unterschrieb. 1991 beschloss das Kultusministerium das Lateinamerika-Institut aufzulösen.

Die Linke steht seit vergangener Woche bereits wegen zwei weiterer Stasi-Fälle unter Druck. Landesschatzmeisterin Renate Malchow (58) aus Neubrandenburg trat zurück, weil sie ihre langjährige Tätigkeit als Stasi-IM bei ihren Kandidaturen für das Amt seit 2001 verschwiegen hatte. Ein Mitglied eines Kreisvorstandes offenbarte sich dem Landesvorsitzenden Steffen Bockhahn. Für den Landesparteitag am kommenden Sonnabend in Linstow kündigte er "deutliche Worte" an. Wolfgang Leuchter, der bis Februar 2010 Kreisvorsitzender der Linkspartei in Rostock war, gilt als politischer Ziehvater Bockhahns.

Medieninformationen zufolge stößt Bockhahns Forderung nach einem kritischen und offenen Umgang mit der DDR-Vergangenheit innerhalb der Partei auf Widerspruch. "Es grummelt ganz mächtig an der Basis", sagte beispielsweise Rügens Landrätin Kerstin Kastner (Linke). Viele seien von dem 31 Jahre alten Parteichef enttäuscht. Die stellvertretende Landeschefin Heidrun Bluhm sagte dagegen, der Vorstand des Landesverbandes habe sich einstimmig hinter Bockhahn gestellt.

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