Starker Gegenwind aus Schönfeld

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25. Februar 2011, 07:59 Uhr

Perleberg | Der Stadtentwicklungsausschuss votierte noch mehrheitlich für den windkraftmäßigen Lückenschluss in der Gemarkung Schönfeld und empfahl dies auch der Stadtverordnetenversammlung. Doch hier kippte Donnerstagabend alles.

Das Windenergieunternehmen Denker & Wulf AG beabsichtigt, in der Gemarkung noch drei Anlagen mit einer Nabenhöhe von jeweils 100 Metern und einer Nennleistung von zwei Megawatt zu errichten. Nach der momentan gültigen Flächennutzungsplanung der Stadt kann das Fleckchen in Schönfeld aber nicht mit Windkrafträdern bebaut werden. Seit Jahren ist wegen dieser Angelegenheit ein Verfahren zwischen dem Landesumweltamt und besagtem Windenergieunternehmen am Verwaltungsgericht Potsdam anhängig, in dessen Ergebnis Planungssicherheit geschaffen werden soll. Die könnte man aber auch mit der vierten Änderung des Flächennutzungsplanes herbeiführen.

Einen entsprechenden Beschluss sollte nun die Stadtverordnetenversammlung fassen. Tat sie aber letztlich nicht. Ortsvorsteherin Angela Schulz und ihr zur Seite als Verstärkung der Schönfelder Stefan Koepp sorgten für den Sinneswandel bei den Abgeordneten. Einhellig würden die Schönfelder diesem Antrag nicht zustimmen, so die Ortsvorsteherin. Bereits jetzt sehen sie auf 30 Windräder des Karstädter Windparks, und ein gleiches Bild bietet sich auf der anderen Seite. Insgesamt 63 Windkrafträder sorgen für Schlagschatten und Lärmbelästigung. "2005 hat die Stadt Nein gesagt und jetzt aufgrund eines Klageverfahrens will sie zustimmen. Von restlichen drei Anlagen ist die Rede, doch wer sagt denn, dass fünf Jahre später nicht der nächste hier Windräder bauen will." Auch die drei seien ein Stück weniger Lebensqualität.

Stefan Koepp als Jäger und Mitglied des Naturschutzbundes forderte die Abgeordneten auf, von der Änderung des Flächennutzungsplanes abzusehen. Zwei Windräder in nur 500 Meter Entfernung zur Bebauung seien schon jetzt ein Unding. Und dort, wo die drei Anlagen entstehen sollen, gibt es geschützte Biotope, Kranichbrutplätze, die Nordischen Gänse haben hier ihre Rückzugsgebiete, Seeadler sind hier zu finden, umfangreiche Fledermauskolonien, und auch Eulen, Milan und andere Vögel haben hier ihr Brutrevier. Die Artenvielfalt, die sich hier angesiedelt hat, würde extrem darunter leiden. Und auch die Jagd unter Windrädern sei kaum möglich. In Anbetracht, dass das Schwarzwild eine Zuwachsrate von 300 Prozent hat, mehr als problematisch. "Ist es das wert aufzugeben für einpaar 1000 Euro Gewerbesteuer?"

Mitarbeiter der Denker & Wulf AG nutzten das ihnen eingeräumte Rederecht, um, wie schon im Stadtentwicklungsausschuss, ihrerseits Argumente sprechen zu lassen. Sie betonten, dass ein Mehr an Windkraftanlagen als die drei noch geplanten laut Regionalplan hier nicht möglich sei. Zudem würden die geplanten Anlagen in 950 Meter bzw. noch größerer Entfernung von der Wohnbebauung stehen und auch nur errichtet werden können, wenn die Umweltverträglichkeitsprüfung dafür spreche.

Nachdem die Abgeordneten augenscheinlich überzeugt waren, dass ein kurzfristiges Gesprächsangebot an die Schönfelder nichts an deren Einstellung ändern würde, wie Angela Schulz und Stefan Koepp bestätigten, fiel die Entscheidung gegen eine Änderung des bestehenden Flächennutzungsplanes. Die Mitarbeiter der Denker & Wulf AG signalisierten aber auch weiterhin Gesprächsbereitschaft.


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