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Schweriner Forst wird widerstandsfähiger : Stadtwald wird nachhaltig umgebaut

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Schwerin bewirtschaftet seinen etwa 480 Hektar "kleinen" Stadtwald nachhaltig. Zum Vergleich: Die Rostocker Heide erstreckt sich über mehr als 6000 Hektar.

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erstellt am 21.Nov.2011 | 05:55 Uhr

Schwerin | Der Stadtwald ist Kapital - das Kapital der Schweriner, mit dem die Stadt kein Schindluder treibt. Das bestätigt jetzt das international anerkannte PEFC-Zertifikat: Schwerin bewirtschaftet seinen etwa 480 Hektar "kleinen" Stadtwald nachhaltig. Zum Vergleich: Die Rostocker Heide erstreckt sich über mehr als 6000 Hektar. Auch sie trägt mit dem FSC-Zertifikat ein Siegel der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Schwerin orientiert sich mit dem PEFC-Siegel an den Wäldern des Landes Mecklenburg-Vorpommerns, die ebenfalls nach den PEFC-Kriterien beiwrtschaftet werden. Deutschlandweit sind zufolge der Stadtverwaltung etwa 66 Prozent aller Forste mit diesem Zertifikat versehen.

"In Schwerin steht nicht der Wirtschafts- sondern der Erholungswald im Vordergrund", fasst Ilka Wilczek, Werkleiterin der SDS die Anforderungen der Stadt zusammen. Die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin beauftragen das Forstamt Gädebahn, Schwerins Wald zu bewirtschaften. Mit jährlich durchschnittlich 2000 Festmeter Holz holt die Behörde nur die absolut notwendige Menge aus dem Stadtforst. Der Erlös aus etwa 60 000 Euro pro Jahr - abhängig von Einschlagszahl und Holzpreis - fließt zurück in die Pflege der so genannten Verkehrssicherheit des Waldes. Etwa 30 Kilometer Waldrand, Wanderwege und Grenzen zu Kleingartenanlagen müssen "verkehrssicher" gehalten werden. Das heißt keine herunterfallenden, größeren Äste, kein Totholz, das eventuell auf angrenzende Bauten oder abgestellte Autos fallen kann. Auch Spaziergänger müssen sich ohne Verletzungsgefahr auf den Waldwegen bewegen können.

Das ist kein einfaches Unterfangen. Der Schweriner Stadtwald setzt sich der SDS zufolge aus 42 zum Teil weit auseinander gelegenen "Inseln" zusammen und das PEFC-Siegel fordert vor allem eine ungestörte Waldentwicklung. Pflanzen, Insekten und tierische Bewohner sollen sich frei entwickeln. Dazu gehören auch absterbende und tote Bäume, die stehen bleiben und so Kleinstlebewesen Lebensräume bieten. "Das können wir vor allem in größeren Flächen wie an der Plater Straße gewährleisten", sagt Wilczek. Dort steht Schwerins größtes zusammenhängendes Waldstück auf etwa 240 Hektar.

Auch bei der Pflege und der damit zusammenhängenden Bewirtschaftung des Waldes müssen die Forstleute behutsam vorgehen und sich an Vorgaben halten, die das PEFC-Siegel gibt. In den zurückliegenden Jahren habe sich die SDS beim Holzeinschlag ganz bewusst zurückgehalten, sagt Renate Dittmann vom Öffentlichen Grün. Das lag einerseits an den niedrigen Holzpreisen, andererseits an dem nachhaltigen Umgang mit dem Schweriner Stadtwald. Kahlschläge auf ganzen Waldflächen sind nun auch durch das Siegel ausgeschlossen. Schlagen Forstamtsmitarbeiter Holz ein, dürfen die Stämme laut SDS nur auf festgelegten Wegen aus dem Wald herausgeholt werden. Schwere Maschinen würden unter Umständen den Waldboden zu sehr verdichten und Schäden am Lebensraum verursachen.

So bleibt der Wald einerseits sich selbst überlassen, benötigt aber auch die Pflege durch Jäger und Förster. Zu viel Wild verbeißt junge Bäume, schadet der Waldentwicklung und muss von Jägern "gepflegt" werden.

Die zurückliegenden Jahre zeigen, dass der Schweriner Stadtwald auf einem guten "Wachstumskurs" ist. Laut SDS verdrängt der für Norddeutschland eigentlich typische und widerstandfähige Mischwald langfristig die Nadelholz-Monokulturen aus ehemaliger DDR-Zeit. Diese Verjüngung des Forstes vermindert auch die Waldbrandgefahr. Das Amt unterstützt diesen Prozess und pflanzt gezielt Baumarten wie Bergahorn und Linden. Buchen, Kiefern und Fichten sollen dennoch weiterhin ihren Platz im Stadtwald behalten.

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