Stadtverordnete stoppen Biogas-Pläne

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28. Juli 2010, 06:54 Uhr

Putlitz | Die Diskussion zum Thema Biogas in der jüngsten Sitzung der Putlitzer Stadtverordnetenversammlung war hitzig. Zur Abstimmung stand die zweite Änderung des Flächennutzungsplanes. Vorgesehen hatte die KTG Agrar AG neben den sieben bereits laufenden Biogasanlagen fünf weitere Anlagen zu bauen und dazu ein etwa fünf Hektar großes Gewächshaus das mit der Abwärme der Anlagen beheizt werden sollte. Die Gesamtinvestition von rund 24 Millionen Euro sollte 30 neue Arbeitsplätze bringen.

Bereits zuvor wurde das Vorhaben in den Ausschüssen beraten. Dabei stellten die Abgeordneten Bedingungen für ihre Zustimmung. Erstens sollte die KTG zusichern, nicht mehr als die fünf vorgesehen Biogasanlagen zu bauen, zweitens, dass die Investition für ein Gewächshaus wirklich komme und drittens war ein Verkehrskonzept für den Schwerlastverkehr vorzulegen.

Roman Motzko von der KTG Agrar AG und Planer Michael Meißner stellten die Pläne vor und zeigten auf, dass die Bedingungen der Stadtverordneten erfüllt würden. Dies reichte aber Abgeordneten wie Wilbert Langfeld oder Hugo Junker nicht aus. "Unsere Regierung macht dumme Gesetze und sie nutzen die Dummheit unserer Regierung aus. Strom aus Biogas ist Unsinn, die Transportwege sind zu lang, und Felder werden zu Monokulturen. Wir sind nicht so dumm wie unsere Regierung und lehnen die Vorhaben deshalb ab", so Wilbert Langfeld von den Freien Wählern, der damit im Namen aller Putlitzer gesprochen haben will.

Bereits in der Einwohnerfragestunde machte Thomas Kerl aus Putlitz deutlich, dass die jungen Leute Putlitz nicht verließen, weil Biogas stinke, sondern weil es keine Arbeitsplätze gebe. Die KTG habe investiert, mehr als 20 Arbeitsplätze geschaffen und unterstütze die Jugendarbeit in der Stadt und des Sportvereins. Deshalb sollten die Abgeordneten weitere Investitionen unterstützen, um Arbeitsplätze zu schaffen, so der Appell von Kerl.

Allerdings erreichte dieser nur die Hälfte der Abgeordneten. Anwesende Einwohner beklagten erhebliche Geruchsbelästigungen. Zwar habe die KTG ihre Zusagen gehalten, in Putlitz investiert, auch der Mertensdorfer Weg wurde erneuert und das Wärmenetz werde gebaut. Dennoch stinken die Biogasanlagen, so Anwohnerin Christel Köhler. Christian Reisinger machte hingegen deutlich, dass die meisten Unternehmen in Putlitz in den letzten Jahren geschrumpft und nicht gewachsen sind, Arbeitsplätze weniger geworden seien. Eine Investition von etwa 24 Millionen Euro in Putlitz und rund 30 Arbeitsplätze könne man deshalb nicht einfach vom Tisch wischen.

Hugo Junker aus Sagast sprach sich gegen das Vorhaben aus. Monokulturen auf den Feldern verderben die Böden, so Junker. Wilbert Langfeld ergänzte: "In den Supermärkten gibt es genug Gurken und Tomaten, es gibt keine Notwendigkeit hier in Putlitz ein Gewächshaus dieser Größe zu bauen."

Bürgermeister Bernd Dannemann wies darauf hin, dass es bei der Entscheidung über die Änderung des Flächennutzungsplanes noch nicht um ein abschließendes Votum der Abgeordneten gehe. Vielmehr würde damit die Bürgerbeteiligung im Planungsverfahren ermöglicht, denn die Unterlagen würden dann vier Wochen öffentlich ausliegen. So könnten Bürger Einsicht nehmen und sich schriftlich zu den Vorhaben äußern. Im Abwägungsverfahren würden die Abgeordneten nochmals zu Wort kommen, so Dannemann. Außerdem, erläuterte Planer Michael Meißner, könnten die gestellten Bedingungen der Stadtverordneten in einem abzuschließenden städtebaulichen Vertrag geregelt und festgeschrieben werden.

Weder die Erläuterungen des Planes, noch die Ausführungen des Bürgermeisters und auch nicht die Zusagen von Roman Motzko mit den Anwohnern über das Thema Geruchsbelästigung zu sprechen, konnten die Abgeordneten überzeugen. Am Ende standen acht Ja-Stimmen acht Nein-Stimmen gegenüber. Damit wurde der Bebauungsplan gar nicht mehr in der Sitzung behandelt.

Dr. Thomas Berger von der KTG Agrar AG machte auf Nachfrage aber deutlich, dass das Unternehmen dennoch an seinem Vorhaben festhalten werde.

"Wir planen für die Zukunft des Unternehmens, für die Zukunft von Putlitz und des Standortes. Wir haben zwei Jahre daran gearbeitet und werden weitere Überzeugungsarbeit leisten müssen."

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