Stadtumbau durch Altschulden bedroht

svz.de von
15. Juli 2010, 08:38 Uhr

Wittenberge | Wittenberge ist im neu aufgelegten Stadtumbauprogramm Ost bis 2016 vertreten. "Damit wir den Stadtumbau aber in der Praxis auch wirklich fortsetzen können, muss der Bund eine grundlegende Änderung im Umgang mit Altschulden finden", sagen Torsten Diehn als Geschäftsführer der elbestädtischen Wohnungsbaugesellschaft und Karsten Korup als Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom". Sie fordern, "dass mit jedem Haus, das wir abreißen, auch die darauf lastenden Altschulden gestrichen werden".

Diese Altschulden wurden im Zuge der Wiedervereinigung den kommunalen Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften zugeordnet. Es handelt sich um jene Summen, die aus dem Staatshaushalt der DDR zur Finanzierung des Wohnungsbaus bereitgestellt worden waren. Mit dem Einigungsvertrag wurden diese Summen zu Schulden. "Sie lasten auf allen unseren Wohnungen, auch wenn die Häuser beispielsweise schon 1920 gebaut wurden", erklärt Diehn. Laut Gesetz gilt: Wird ein Haus, weil es nicht zu vermieten ist, rückgebaut, sind die darauf lastenden Schulden trotzdem weiter zu bezahlen.

"Wir müssen weiterhin dafür Zinsen und Tilgung leisten." Torsten Diehn beziffert die Altschulden für die WGW auf derzeit 6,6 Millionen Euro. Bei der "Elbstrom"-Genossenschaft sind es 14 Millionen. "Unter diesen Bedingungen sind wir zunehmend weniger handlungsfähig", sagt Karsten Korup und macht auf ein zweites großes Problem aufmerksam: In den 90er Jahren haben die großen Gesellschaften zahlreiche ihrer Wohnhäuser modernisiert. Mit dem Schrumpfen der Stadt um ein Drittel seiner Bevölkerung sind auch diese Quartiere mehr und mehr nicht zu vermieten, die Modernisierungskredite sind aber zu bedienen. "Wir erwarten vom Bund, dass uns in dieser nicht von uns verschuldeten Situation beispielsweise mit Bürgschaften unter die Arme gegriffen wird", sagt Korup.

Für Diehn steht fest, dass ohne das Streichen der Altschulden die Zinszahlungen und Kredittilgungen seine Gesellschaft künftig in einem solchen Maße belasten werden, dass die WGW sich Rückbau und auch Aufwertung nicht mehr leisten kann. Was ist die Alternative? "Wir müssen unbewohnte Häuser stehen lassen und sie einfach vermauern."

"Eine Szenario, dass wir keinesfalls wollen", unterstreicht Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann. Die Kommune unterstützt die Forderung der Wohnungsunternehmen, wenn ein Haus abgerissen wird, auch die Altschulden ersatzlos zu streichen. "Wenn das künftig so gehandhabt wird, sind wir in der Lage, den Stadtumbau mit so gutem Ergebnis wie in seiner ersten Etappe fortzuführen." Eine Alternative zum Stadtumbau gebe es für Wittenberge angesichts des Bevölkerungsrückgangs auch gar nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen