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Lokales

24. Oktober 2017 | 06:14 Uhr

Stadt zwingt Bürger zu Grundstückskauf

vom

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2010 | 07:46 Uhr

Ostorf | Grundstücksstreit im Schweriner Wohngebiet "Am Dwang": Anwohner und Landeshauptstadt streiten um Teilflächen vor und hinter den Grundstücken. Seit diese zwischen dem Wohnhaus und der Straße entstanden sind, werden sie von den Anwohnern genutzt - als Vorgarten, Auffahrt oder Pkw-Stellplatz. Die Teilflächen gehören der Stadt. Jetzt will die Kommune das Eigentumsrecht neu regeln. Die Konsequenz: Die Anwohner sollen die rund 70 Teilflächen kaufen.

Das Verfahren nennt sich "Vereinfachte Umlegung nach dem Baugesetzbuch in der Landeshauptstadt". Die Stadt will damit die Flächen endlich ordnen und abgrenzen, was privat und was öffentlich ist. "Am Dwang herrschen baurechtswidrige Zustände. Es haben sich schon vor dem eingeleiteten Verfahren Personen und Bewohner des Dwangs bei uns gemeldet und gefragt, was denn nun mit den Flächen passieren soll", sagt der Geschäftsführer des zuständigen Ausschusses, Mario Stenzel, der für die Katasterbehörde der Stadt aktiv wurde. Bei den Anwohnern stößt das eingeleitete Verfahren auf Entsetzen und Unverständnis. "Unser Grundstück ist seit 73 Jahren im Familienbesitz und wir hatten nie Probleme mit der zusätzlich genutzten Fläche vor dem Haus", sagt Udo Kohagen. "Das sind eingefahrene Sachen, die immer funktioniert haben. Alle pflegen ihren Teil auf dem Stück Land, nichts verwildert und die Stadt hat keine Kosten damit", ergänzt Rolf Wermuth.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben bereits "den Wert der Grundstücke von Sachverständigen korrekt und preisgerecht ermitteln" lassen. Den Anwohnern ist dieser zu hoch. "3000 Euro für 75 Quadratmeter, das ist ein unverschämter Preis. Woher sollen wir das Geld nehmen?", fragt Udo Kohagen.

"Das Verfahren ist nach dem Baugesetzbuch so festgelegt", sagt Ulrich Frisch, Vorsitzender des verantwortlichen Umlegungsausschusses und Fachdienstleiter des Katasteramtes. "Wir bieten auch eine Ratenzahlung an, so kommen wir den Anwohnern entgegen. Denn wir wissen, dass es eine große Belastung für die Bewohner ist." Schon seit 1992 würden in der Stadt diese Umlegungsverfahren durchgeführt. Denn die Flächen, die zur Anbindung an die öffentliche Straße erforderlich sind, müssen den Baugrundstücken zugeordnet werden, sagt der Gesetzgeber.

"Ich denke gar nicht daran, die Fläche vor meinem Haus zu kaufen", so Rolf Wermuth. Klar ist: Er kann Rechtsmittel einlegen. Umso mehr erstaunt ihn die Auskunft der Stadt: Die ersten Anwohnergespräche seien gut verlaufen. Die Bewohner hätten die Notwendigkeit der Neuordnung eingesehen.

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