Stadt wird im Stich gelassen

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01. November 2010, 08:35 Uhr

Bützow | Die meisten haben es befürchtet, geahnt, vermutet - und dennoch war immer noch ein Stückchen Hoffnung. Doch diese erfüllt sich nun nicht. Ab 2017 wird es das Landwirtschaftsamt in Bützow nicht mehr geben. Für Bützow, für die ländlichen Region ein herber Schlag.

"Man lässt Bützow im Stich", sagt Frank Schröder, CDU-Fraktionschef in der Bützower Stadtvertretung. Der Bützower kritisiert die Hinhaltetaktik. "Wieder einmal. SPD-Landwirtschaftsminister Till Backhaus hat seinerzeit auch für die Molkerei eine Lösung versprochen. Zu sehen ist davon noch nichts. Und auch beim Landwirtschaftsamt hat man zunächst noch Hoffnung verbreitet", sagt Schröder.

Hoffnungen, dass vielleicht sogar der eine oder andere Landesbedienstete seinen Wohnsitz in die Bützower Region verlegt, wenn er hier auf Dauer arbeitet, realisieren sich somit nicht, sagt Rainer Tschirner, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbandes Bützow. Immerhin geht es um rund 140 Mitarbeiter, die im neuen gemeinsamen Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt arbeiten - heute noch getrennt in Bützow und Rostock. "Es war zu befürchten, dass diese Entscheidung so fällt", sagt Tschirner. Verstehen könne er es dennoch nicht. Ein Landwirtschaftsamt gehöre in die ländliche Region. "Jetzt ist Bützow total abgeschrieben", sagt Rainer Tschirner. "Die mit Landwirtschaft zu tun haben, verlieren so immer mehr die Verbindung zur ländlichen Region."

Die Stadt wird weiter an Bedeutung verlieren, befürchtet auch Joachim Fiedler, SPD-Fraktionschef in der Bützower Stadtvertretung. Und sie verliert Kaufkraft. "Mancher, der im Amt arbeitet, hat auch in Bützow eingekauft." Das bestätigt Karina Siebernik. "Es ist schlimm für Bützow." Zum einen seien es die Arbeitsplätze, die der Stadt verloren gehen. Betroffen seien aber auch die Gewerbetreibende. "Zu mir kommen z.B. fünf Mitarbeiter des Landwirtschaftsamtes, die zu mir zur Kosmetik kommen", erklärt Siebernik. "Wenn die dann nach Rostock fahren, erledigen sie das sicherlich auch dort." Insgesamt könne sie diese Politik im Land nicht verstehen. "Es geht alles nur noch nach Rostock, Schwerin, Stralsund oder Greifswald in die großen Zentren." Das flache Land bleibe auf der Strecke. Das Land hätte hier ein Zeichen setzen können, für die ländliche Region. "Es geht gerade um die Programmdiskussion zur Landtagswahl im kommenden Jahr. Auch bei uns steht etwas von der ,Stärkung der ländlichen Räume", sagt SPD-Mann Joachim Fiedler. Er und alle anderen, die SVZ gestern befragte, sorgen sich auch um das frei werdende Gebäude am Schlossplatz, das das Land nur gemietet hat. "Wir müssen sehen, was der Investor plant. Vielleicht bietet das Haus ja Möglichkeiten fürs altersgerechte Wohnen", sagt Fiedler.

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