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Verzwickte Eigentumsverhältnisse : Stadt reißt Garagen aus DDR-Zeit ab

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Das Grundstück gehört der Stadt, die Garage darauf einem Schweriner. Und wer ist Eigentümer des Mülls, Drecks und der wuchernden Sträucher Am Immensoll in Neumühle? Die Beschwerden über die Verwahrlosung häuften sich.

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erstellt am 30.Jan.2012 | 01:41 Uhr

Schwerin | Das Grundstück gehört der Stadt, die Garage darauf einem Schweriner. Und wer ist Eigentümer des Mülls, Drecks und der wild wuchernden Sträucher wie Am Immensoll in Neumühle? "Für uns ein Zeichen, dass die Garagen kaum noch benutzt werden", sagt Stefan Schlick, stellvertretender Leiter des Amtes für Liegenschaften. 245 Garagen haben Am Immensoll gestanden, "die Beschwerden über die Verwahrlosung hatten sich bereits gehäuft", erzählt Schlick. Die Stadtverwaltung begann zu Puzzeln.

Die Crux steckt nämlich in den Eigentumsverhältnissen, die oft bis in die DDR-Zeit zurückreichen. Bevor die deutsch-deutsche Grenze geöffnet wurde, gehörten die Garagen den Privatmenschen, der Grund und Boden aber der Stadt. "Das wäre bis heute so, aber nach der Wende wurden die Besitzverhältnisse ins so genanntes BRD-Recht überführt", so Schlick. Galt für die Verträge bis zum Jahr 2000 teils Bestandsschutz, behandelte die Stadt seitdem die Garagenbesitzer "eben wie die Eigentümer nach BRD-Recht", sagt Schlick. Das heißt, dass die Stadt mögliche Abrisskosten in vollem Umfang auf die Eigentümer überträgt.

Allerdings ist die Stadt jetzt keinesfalls daran interessiert, alle Garagenkomplexe abzureißen. "Wir verdienen doch Geld damit", so Schlick. Zwischen 15 und 35 Euro nimmt Schwerin pro Garage ein. Über das Schweriner Stadtgebiet verteilen sich mehr als 4000 Objekte. Einige stehen leer, die Mehrzahl wird noch genutzt - "allerdings häufig nicht fürs Auto, sondern als Abstellraum", so Schlick. Wenn die Stadt den Abriss von Garagenkomplexen wie der Am Immensoll beschlossen hat, "prüfen wir im Vorfeld den Vermietungsstand", sagt er.

Im Jahr 2008 waren 190 von 245 Räumen vermietet. Dann kommt die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) ins Spiel, die das Garagengeschäft der Stadt verwaltet. Die Gesellschaft schickt "fristgemäße" Kündigungen raus, sucht aber auch nach alternativen Abstellräumen oder Garagen, wenn dies gewünscht wird. Problematisch ist es, wenn die Eigentümer nicht mehr zu finden sind. Dann bleiben die Abrisskosten an der Stadt hängen, "genauso wie die Müllbeseitigung", meint Schlick. Auch die "Abfall-Eigentümer" versucht die Verwaltung ausfindig zu machen und "in seltenen Fällen haben wir Glück". Ein Adressetikett oder andere Hinweise führen dann zum Verunreiniger.

"Garagenrückbau ist aufwändig", sagt Schlick. Aber auch alltägliches Geschäft. Jüngster Fall ist der Garagenkomplex in der Hagenower Straße am Technologie- und Gewerbezentrum. Mehr als 100 Garagen wickelte die Stadt dort in den vergangenen Monaten ab. Weil dort ein Regenrückhaltebecken gebaut werden soll, müssen die Garagen weichen. "Der Abriss wird noch in diesem Jahr passieren", schätzt er.

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