Zum Gedenken an gefallene Soldaten nach Befreiungskriegen gegen Napoleon : Spurensuche am Mueßer Denkmal

Steinbildhauer Friedrich-Walter Beckmann (mit Hut) erläuterte Schülern und Einwohnern das Kriegerdenkmal. Rainer Cordes
Steinbildhauer Friedrich-Walter Beckmann (mit Hut) erläuterte Schülern und Einwohnern das Kriegerdenkmal. Rainer Cordes

Geschenk zur Mueßer 707-Jahr-Feier - das restaurierte Kriegerdenkmal. Etwa 60 Stunden Arbeitszeit hatten der Steinbildhauer Friedrich-Walter Beckmann und seine Helfer unentgeltlich in die Anlage gesteckt.

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31. Mai 2011, 08:27 Uhr

Muess | Ein nachträgliches Geschenk zur 707-Jahr-Feier wurde gestern an die Mueßer übergeben - das restaurierte Kriegerdenkmal. Etwa 60 Stunden Arbeitszeit hatten der Steinbildhauer Friedrich-Walter Beckmann und seine beiden Helfer Werner Becker und Peter Völzer seit dem 1. Mai unentgeltlich in die Anlage gesteckt. Kaufmännisch gerechnet macht das einschließlich der Materialkosten etwa 3200 Euro aus. "Nach 1945 war hier nichts mehr gemacht worden, der Stein wurde zum Kletterstein und vom Unkraut überwuchert", berichtet der Steinbildhauer. "Wir haben alles wieder so hergerichtet, wie ich es in Erinnerung hatte, als ich 1954 nach Mueß zog. Dazu gehört auch der wieder angepflanzte Flieder."

Warum dieser Aufwand? Vielleicht, weil dieser Platz in der Dorfmitte Aufmerksamkeit verdient, hier schon seit Jahrhunderten ein wichtiger Treffpunkt ist. Vielleicht aber auch, weil die Mueßer eine Menge Fragen zu ihrer Geschichte klären wollen. Und sicher auch, weil hier jetzt die Naturwanderungen der Schulklassen vom Feriendorf zum Reppiner Burgwall und den anderen Sehenswürdigkeiten in Mueß und Schwerin beginnen. Hier am Start der Wanderung erfahren die Kinder, warum an die Gefallenen gedacht werden sollte und warum Kriege so sinnlos sind.

In Deutschland sollen sich mehr als 100 000 Kriegerdenkmäler befinden. Die ältesten Kriegerdenkmale im heutigen Sinn dürften einige Gedenktafeln für in den napoleonischen Kriegen gefallene Einwohner darstellen. Kriegerdenkmale, die nicht nur an Feldherren oder Offiziere erinnern, sondern auch an einfache Soldaten, entstanden nach der französischen Revolution 1789 und den anschließenden Befreiungskriegen bis 1815. In Wöbbelin erinnert eine Gedenkstätte an die Lützower Jäger und ihren Kampf für die Freiheit.

Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg fanden sich Vereine zusammen, um an die Gefallenen zu erinnern. In Mueß fielen zwölf Einwohner - eine hohe Zahl bei damals nur knapp 200 Einwohnern. Ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Ortes, die derzeit vom Arbeitskreis "Mueßer Dorfgeschichte" erarbeitet wird, ist die Geschichte dieses Denkmals. Gestern erfuhr Bernd Karsten von Herrmann Behrens aus Mueß etwas über den Tod von Herrmann Bollow, der an letzter Stelle auf dem Gedenkstein aufgeführt ist. Er wurde im Krieg verwundet und ins Lazarett Cottbus eingeliefert, wo er am 15. Dezember 1918 starb. Die Eltern übernahmen die Kosten, um ihn nach Hause zu überführen. Er wurde auf dem Friedhof Consrade beerdigt. Die Geschichtsforscher hoffen nun, dass sich weitere Nachfahren ande rer Gefallener melden (Telefon 03 85-20 16 17).

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