Sprung über die Fünf - wie die Kleinen punkten wollen

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01. September 2011, 08:34 Uhr

Schwerin | Wolfhard Molter ist Wahlkampf-Manager, Werbemittel-Verteiler und Spitzenkandidat in einem. Als einer von drei Bewerbern tritt er für das Alternative Bündnis für soziale Gerechtigkeit Mecklenburg-Vorpommern (AB) zur Landtagswahl an. Seine Wahl-Premiere erlebte der 40 Mitglieder zählende AB-Landesverband bereits 2006. "Knapp 1000 Stimmen haben wir damals bekommen", erinnert sich Molter, der diesmal auf einen deutlichen Zuwachs hofft. "Mein Hauptziel ist aber, dass wir den Rechten ein paar Stimmen wegnehmen", betont der Rentner aus Barner Stück. Dort trifft man den ehemaligen Lehrer momentan nur selten an. Im Auto ist er unterwegs, um die auf eigene Kosten gedruckten Flyer zu verteilen und mit potenziellen Wählern ins Gespräch zu kommen.

Grundeinkommen von 1200 Euro für jeden

Punkten will das Alternative Bündnis mit politischen Zielen, die "durchaus bei den Leuten ankommen", meint Molter. Ganz wichtig sind ihm und seinen Mitstreitern ein Grundeinkommen von 1200 Euro netto im Monat. Finanzieren ließe sich das über eine Umverteilung der Gewinne aus der Volkswirtschaft sowie aus Steuern. Die soziale Marktwirtschaft müsse erneuert werden, was eine Ost-West-Angleichung bei Renten und Löhnen einschließt. "So könnte Rechts- ebenso wie Linksextremismus der Nährboden entzogen werden", ist Molter überzeugt. Auch wenn AB-Forderungen wie ein einheitliches Bildungssystem, die Verstaatlichung des Gesundheitswesens und die Stärkung der Demokratie durch mehr Volksentscheide sich auch in den Programmen anderer Parteien finden, lehnt Molter einen Wechsel dorthin, wo seine Chancen auf einen Einzug in den Landtag größer wären, kategorisch ab: "Ich war in der WASG und bin so zur Linken gekommen. Die hatten ihre Stammwähler und ihr Stammpersonal, uns hat man völlig vernachlässigt, deshalb bin ich auch ausgetreten."

Wie das Alternative Bündnis versuchen weitere neun Klein- und Kleinstparteien, den fünf "Großen" Stimmen abzujagen. 2006 konnten die kleinen Mitbewerber den großen Konkurrenten zusammen gerade einmal 3,9 Prozent der abgegebenen Stimmen abjagen. Auch in diesem Jahr hat Umfragen zufolge außer den fünf derzeit im Parlament vertretenen Parteien lediglich Bündnis 90/Grüne eine reelle Chance auf einen Einzug in den Landtag.

Bibeltreue Christen schon seit 1994 dabei

Eine Überraschung könnte lediglich den Freien Wählern gelingen. Die Landesvereinigung zählt zwar nur 60 Mitglieder - als Unterstützer hat sie aber gut 2000 Kommunalpolitiker auf ihrer Seite, die sich in parteiunabhängigen Wählervereinigungen und Initiativen engagieren.

Während für die Freien Wähler immerhin 18 Bewerber in den Wahlkampf ziehen, ist der Rostocker Hartmut Rusin der einzige Bewerber, der für die Arbeiter-Arbeiterinnen-Partei Deutschland (APD) antritt.

Mit christlichen Werten wollen die Partei für Arbeit, Umwelt und Familie - Christen für Deutschland (AUF) mit zehn und die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) mit drei Bewerbern im Land punkten. Die PBC tritt bereits seit 1994 regelmäßig zu Landtagswahlen an - bei der letzten brachte sie es immerhin auf 1957 Stimmen.

Um Wählerstimmen bewerben sich außerdem die Familien-Partei, die Ökologisch-Demokratische Partei, die Piratenpartei, die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI) sowie die Republikaner.

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