Sportriese soll kürzer treten

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02. Juli 2010, 07:44 Uhr

Rostock | Deutlich weniger Fläche und ein begrenztes Sortiment - das sieht ein neues Gutachten für die Ansiedlung des großen Sportfachmarkts Decathlon am Rostocker Stadtrand vor. Die Verwaltung hatte eine Verträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben, nachdem die Wellen im vergangenen Jahr hoch geschlagen waren: Der Sportartikelhändler wollte sich am Gewerbestandort Schutow-West ansiedeln. 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche, die in fünf Jahren verdoppelt werden sollten, waren ursprünglich geplant. In der ersten Phase wollte das Unternehmen fünf Millionen Euro investieren und rund 90 Arbeitsplätze schaffen. Politik und in Rostock ansässige Einzelhändler befürchteten durch die Ansiedlung des Sportriesen jedoch einen Verdrängungswettbewerb, unter dem der Handel in der Innenstadt leidet. Die Gutachter haben nun verschiedene Standorte geprüft und halten eine Ansiedlung von 4000 Quadratmetern Fläche in Schutow für verträglich. "Wir wollen auf dieser Grundlage eine Lösung finden, mit der alle leben können. Bestehende Unternehmen sollen nicht gefährdet werden, gleichzeitig wollen wir den Investor nicht verprellen", sagt Ulrich Kunze, Sprecher der Stadtverwaltung. Verlegt der Konzern seine Filiale etwas weiter in Richtung Westen, fließen die Gewerbesteuereinnahmen an den Landkreis Bad Doberan und die Hansestadt geht leer aus.

Wie Rostock Business informiert, soll es Ende dieses Monats eine Gesprächsrunde geben, bei der das Gutachten mit allen Betroffenen diskutiert wird. Bürgerschaftsabgeordnete, Vertreter des Rostocker Einzelhandels und die zuständigen Fachämter werden an den Gesprächen beteiligt sein. "Ziel ist es, einen ungesunden Verdrängungswettbewerb zu verhindern", sagt Sprecher Andreas Fieber.

Einige Fraktionen der Bürgerschaft sind dennoch skeptisch: "Viele Kommunen haben mit diesem Anbieter keine guten Erfahrungen gemacht", sagt Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken. Auch die Grünen warnen vor einer Vernachlässigung des innenstädtischen Handels: "Die Händler in der Stadt haben das Recht, dass bei einer Entscheidung berücksichtigt wird, was sie sich jahrelang erarbeitet haben", sagt der Fraktionschef Johann-Georg Jaeger. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Rainer Albrecht sagt mit Blick auf die bevorstehenden Gespräche: "Dabei darf keiner untergebuttert werden." Wettbewerb sei in Ordnung, aber ein Verdrängungskampf helfe der Stadt nicht weiter.

Frank Giesen (CDU), Vorsitzender des Bauauschusses der Bürgerschaft, hält die im Gutachten vorgeschlagene Flächenreduzierung für sinnvoll: "Ein bis zu 8000 Quadratmeter großer Sportmarkt erschien mir erst deutlich zu groß. In limitierter Größe wird sich das Projekt dort jedoch umsetzen lassen." Keine Sorgen über eine mögliche Gefahr für den Einzelhandel macht sich Ulrich Seidel, Fraktionschef der FDP: "Es besteht kaum Konkurrenz zwischen den Angeboten. In der Innenstadt suchen Kunden eher Qualität, Beratung und individuelle Empfehlungen. Ein großer Markt könnte hingegen ein Magnet für die ganze Region sein." Auch aus Sicht der Verwaltung ist der französische Sportriese eine Bereicherung für die Hansestadt: In vielen Bereichen biete er ein neues Sortiment etwa für Nischensportarten. Außerdem führe Decathlon ausschließlich eigene Produkte und keine anderen Marken, auf die der Fachhandel spezialisiert ist. Nach der Abstimmungsrunde mit Einzelhändlern, Wirtschaftsförderern und Fachämtern wird die Bürgerschaft voraussichtlich im Oktober über die Aufstellung des Bebauungsplans entscheiden.


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