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Lokales

15. Dezember 2017 | 13:16 Uhr

Spitzenposition mit Gefahren

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erstellt am 26.Mai.2010 | 08:19 Uhr

Prignitz | Der Landkreis Prignitz steht mit 167 Prozent bundesweit an der Spitze, was die Erzeugung von erneuerbaren Energien im Vergleich zum eigenen Verbrauch anbelangt, wie die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie mit Sitz in München ermittelte. Das ist ein sehr gutes Ergebnis, doch es hat auch im wahrsten Sinne des Wortes seinen Preis, macht Edelgard Schimko, Geschäftsbereichsleiterin der Kreisverwaltung, deutlich. So zahlten die Kunden der Stadtwerke Pritz walk derzeit im Durchschnitt 811 Euro pro Jahr für ihren Strom, beim Prignitzer Versorgungsunternehmen (PVU) seien es 905 Euro, bei den Stadtwerken Wittenberge 971 Euro. Im Vergleich dazu führt Edelgard Schimko Zahlen aus Großstädten an. In Hamburg beispielsweise betrage der durchschnittliche Wert 667 Euro, in Stuttgart 707 Euro, also deutlich weniger. "Mit anderen Worten, die Prignitzer finanzieren den so genannten sauberen Strom bundesweit mit", so Schimko.

Und die Fachfrau lenkt den Blick auf ein weiteres Problem. Und das sei die Gefahr des sehr hohen Flächenverbrauchs vor allem für Solarfelder. Das Land Brandenburg hatte nämlich eine entsprechende Studie beim Büro Bosch & Partner in Auftrag gegeben, welche Flächen sich für Photovoltaik-Freiflächenanlagen eigneten. "Und das sind in der Prignitz rund 55 000 Hektar, also fast 26 Prozent unserer Ackerfläche", rechnet Edelgard Schimko vor. Derzeit gebe es eine Solarfelder-Nachfrage für 836 Hektar. Doch durch die Studie seien weitere Unternehmen hellhörig geworden, verdeutlicht Edelgard Schimko. "Wir haben absolut nichts gegen erneuerbare Energien, wie ja unsere Spitzenposition deutlich macht, aber ein derart hoher Flächenverbrauch ist nicht gerechtfertigt", argumentiert die Geschäftsbereichsleiterin, und sie sieht sich darin unterstützt vom Wirtschaftsausschuss des Kreistages Prignitz.

Deshalb auch will sich der Landkreis jetzt an die Landesregierung in Potsdam wenden, will in der Energiestrategie des Landes berücksichtigt werden, die derzeit überarbeitet wird. Denn Brandenburg strebt an, bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch auf 20 Prozent zu erhöhen. Das allerdings dürfe nicht zu Lasten weniger Regionen gehen. Schon jetzt führten die vielen Biogasanlagen zu einer Monokultur, was den Maisanbau anbelangt. Mit den Solarfeldern würde weitere landwirtschaftliche Nutzfläche eingeschränkt. Denn für deren Genehmigung benötige man zwar einen Bebauungsplan, doch nicht selten säßen die Landbesitzer auch in den Gemeindevertretungen, die über diese Pläne zu beschließen hätten, beschreibt die Geschäftsbereichsleiterin den Interessenskonflikt. "Das gesamte Planungsrecht ist aber einmal entstanden, um eben gerade nicht zu viele Flächen zu versiegeln."

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