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Lokales

17. Dezember 2017 | 07:20 Uhr

Spiel von Wort und Fantasie

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erstellt am 17.Sep.2010 | 08:10 Uhr

kröpeliner-tor-vorstadt | Der Ritt auf der Kanonenkugel, das zweigeteilte Pferd, die Bohnenranke zum Mond, die Jagd auf einen achtbeinigen Hasen - die Lügengeschichten des legendären Baron Münchhausen kennt jeder. Im Volkstheater hebt sich heute um 19.30 Uhr zum ersten Mal der Vorhang für den charmanten Hochstapler, der im 18. Jahrhundert seine adligen Freunde mit seinen fantastischen Geschichten begeisterte.

"Das Stück soll die Zuschauer einladen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen", sagt Alexander Flache, der auf der Bühne in die Rolle des Lügenbarons schlüpft. Ganz in weiß - mit prunkvoller Perücke, edlem Gewand mit Brokat, Glitzer und Rüschenhemd, gepudertem Gesicht samt Schönheitsfleck und rotem Kussmund stellt sich der Schauspieler des Volkstheater-Ensembles der Herausforderung, die "absolut tolle, aber auch anstrengende Rolle" des Münchhausen zu spielen, wie Flache sagt. Anstrengend, weil er das ganze Stück über im Rampenlicht steht - "mal kurz zwischendurch entspannen geht nicht", sagt Flache. "Dieses pure Geschichten erzählen ist aber auch eine Herausforderung", sagt er lachend. Das sei schließlich aus der Mode gekommen. "Das Wort und die Fantasie spielen lassen, ist schon was Besonderes." Allerdings sei das natürlich ohnehin die Aufgabe von Schauspielern, aber in dem Maße, wie Münchhausen geflunkert habe, sei das schon eine andere Dimension. "Das Publikum soll Spaß an der Aufführung haben, es geht um kurzweilige Unterhaltung", so Flache. Ein Stück, das auch eher theaterfernes Publikum anlocken soll.

Als Vorlage der "Münchhausen"-Uraufführung im Volkstheater diente das Drehbuch der gleichnamigen Ufa-Verfilmung von 1943 - von Erich Kästner unter dem Pseudonym Berthold Bürger geschrieben und mit Hans Albers in der Hauptrolle. Als Gast kehrt Regisseurin Johanna Schall mit dem Lügenbaron nach drei Jahren an die Rostocker Volkstheaterbühne zurück. Mit "Alice im Wunderland" hatte sich die frühere Schauspieldirektorin mit dem Faible für wundersame Figuren aus der Hansestadt verabschiedet. Jetzt knüpft sie an: "Ich habe nach einer deutschen, fantastischen Geschichte gesucht. Keiner weiß, wer Münchhausen eigentlich ist - aber jeder kennt ihn, das fand ich reizvoll", erklärt sie ihre Motivation, ein Filmdrehbuch bühnenreif zu machen. "Kästner hat in seinem Drehbuch so tolle Charaktere erfunden, gleichermaßen fantastisch und doch irgendwie real", sagt Schall. Thematisch sei das Stück auf jeden Fall noch zeitgemäß: "Lügen und vor allem Lügen, die die Politik hervorbringt, gibt es ja auch heute noch." Außerdem: "Jeder lügt", sagt sie und lacht. Aber eigentlich wolle sie einfach eine tolle Geschichte für Jugendliche und Erwachsene erzählen.

60 Personen wirken mit, 13 Schauspieler verkörpern neben Münchhausen Gurkenmann und Gurkenfrau, die Mondbewohner, Sultan Abdul Hamid, Fürst Potemkin, eine Seiltänzerin - eine Besetzung, die ein fantastisches Bühnenabenteuer verspricht. "Das Ganze hat viel mit Theaterzauber zu tun", sagt Schall. In den fünfeinhalb Wochen intensiver Probenzeit gab es durchaus Überraschungen. "Vieles, was wir auf der Bühne sehen, ist erst mit der Fantasie der Schauspieler entstanden", sagt Schall. Was wünscht sich die Regisseurin für ihr Gastspiel im Volkstheater? "Viel Publikum." Ihre Einschätzung der Rostocker? "Wenn sie denn da sind - die besten Zuschauer, die man sich wünschen kann."

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