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Geriatrieplan des Landes MV vorgestellt : Spezialisierte Ärzte für Ältere dringend gesucht

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Das Land braucht künftig deutlich mehr spezialisierte Ärzte für alte Menschen. Das geht aus dem Geriatrieplan des Landes hervor, den Gesundheitsstaatssekretär Nikolaus Voss (SPD) vorgestellt hat.

Schwerin | Das Land braucht künftig deutlich mehr spezialisierte Ärzte für alte Menschen. Das geht aus dem Geriatrieplan des Landes hervor, den Gesundheitsstaatssekretär Nikolaus Voss (SPD) gestern vorgestellt hat. Bislang haben zwischen Boizenburg und Usedom nur zwölf niedergelassene Mediziner eine Zusatzqualifikation als Geriater, sagte Reinhard Wosniak von der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Ärztekammer biete deshalb ein Fortbildungsprogramm an. In den 40 Kliniken des Landes ist der Bedarf nach Angaben des Geschäftsführers der Krankenhausgesellschaft, Wolfgang Gagzow, etwa zehn Mal höher als bisher spezialisierte Alters-Ärzte vorhanden sind.

Voss machte den Handlungsdruck deutlich: Der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung im Nordosten werde von jetzt 22 Prozent auf 36 Prozent im Jahr 2030 steigen. Auch Palliativmediziner würden künftig stärker gefragt sein. Der Geriatrieplan umfasst mehrere Konzepte, wie mit der wachsenden Zahl alter und oft auch gebrechlicher Menschen medizinisch umgegangen werden kann. So sollen Ältere, wenn sie mit einem Leiden ins Krankenhaus kommen, auch daraufhin untersucht werden, ob sie noch weitere, altersbedingte Probleme haben. Während der Unfallchirurg lediglich ein gebrochenes Bein behandle, gehe es dem Geriater darum herauszufinden, warum sich der Patient das Bein gebrochen hat und was geschehen muss, damit dies nicht wieder passiert, hieß es.

Eine noch junge Idee ist die sogenannte ambulante geriatrische Komplexbehandlung. Stellt der Arzt nach einem Klinikaufenthalt fest, dass ein Patient bei entsprechendem Training wieder auf die Beine kommen kann, werden speziell für ihn Übungen zusammengestellt, die er in einem Zentrum in Gruppen von 10 bis 15 Patienten ausüben kann. Das Programm dauere 20 Tage, sagte Wosniak und sei von der AOK genehmigt. Allerdings gebe es erst vier solcher Zentren im Land - in Waren, Ueckermünde, Trassenheide und Stralsund. "Wir wollen gern auch in Schwerin und Rostock eine solche Möglichkeit schaffen", sagte Wosniak. Dafür fehlten aber die Fachärzte, denn die Zentren dürften nur von qualifizierten Spezialisten für Altersmedizin geführt werden.

Der Vorsitzende der Linken im Landtag, Helmut Holter, verwies darauf, dass im Bundesdurchschnitt ein Geriater 7500 Menschen versorge, in Mecklenburg-Vorpommern betrage das Verhältnis eins zu 13 300. "Damit gehört das Land bundesweit zu den Schlusslichtern, es gibt in den meisten Teilen des Landes weder eine bedarfsgerechte ambulante noch eine wohnortnahe stationäre geriatrische Versorgung", kritisierte Holter. Der aktuelle Geriatrieplan gebe darauf nur unzureichend Antworten.

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erstellt am 24.Jun.2011 | 05:52 Uhr

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