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Lokales

19. November 2017 | 20:42 Uhr

Spediteure fürchten Billig-Lkw

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erstellt am 21.Okt.2010 | 08:34 Uhr

Rostock | Auf deutschen Autobahnen sind immer mehr Lastwagen aus Osteuropa unterwegs. Heute treffen sich die Mitglieder des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung zur Jahres-Mitgliederversammlung in Warnemünde, um auch über dieses Thema zu beraten. Thomas Schwandt sprach im Vorfeld mit Prof. Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.

Der wirtschaftliche Aufschwung gewinnt an Fahrt. Das bedeutet zwangsläufig Zuwachs im Straßengüterverkehr. Wie fällt die bisherige Bilanz 2010 aus?

Schmidt: Die konjunkturellen Schwankungen sind im Transportgewerbe in der Regel zwei- bis dreifach größer als im produzierenden Gewerbe. Im deutschen Straßengüterverkehr mussten wir im Krisenjahr 2009 ein historisches Minus von zwölf Prozent registrieren. In diesem Jahr geht es wieder aufwärts. Wir verzeichnen bisher einen Zuwachs von 5,5 Prozent bei den gefahrenen Mautkilometern.

Das Krisenjahr war in der Branche auch gekennzeichnet von bundesweit 788 Firmeninsolvenzen. Ist dieser Trend gestoppt?

Die Statistik für das erste Halbjahr 2010 ist wenig ermutigend. In den ersten sechs Monaten mussten wir in der Branche 357 Betriebs-schließungen registrieren. Das sind nur 1,7 Prozent weniger als im Vergleichshalbjahr 2009, als bundesweit 363 Betriebe aufgeben mussten. Die tatsächliche Zahl liegt mangels Insolvenzmasse in zahlreichen Betrieben sogar noch höher.

Warum bleibt an dieser Front die Lage trotz der Konjunkturbelebung angespannt?

Vom diesjährigen Wachstum in der Transportleistung entfallen rund 38 Prozent auf deutsche Fuhrunternehmen. Der weit größere Anteil von 52 Prozent verteilt sich auf die Konkurrenz aus den osteuropäischen EU-Beitrittsländern Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Diese hat aufgrund eines sehr geringen Lohn- und Sozialniveaus in den Beitrittsländern sowie extrem niedrigen Dieselpreisen im grenzüberschreitenden Lkw-Verkehr den Wettbewerbsdruck auf das deutsche Gewerbe im Straßengüterverkehr enorm erhöht.

Wird dieses Problem auf der heutigen Mitgliederversammlung weit oben auf der Agenda stehen?

Die Existenznöte vieler Unternehmen sind vor allem auf die verzerrten Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU zurückführen. Mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wollen wir deshalb diskutieren, wie in absehbarer Zeit eine Harmonisierung der Bedingungen auf dem EU-Markt erreicht werden kann.

Welche Fragen stehen dabei im Fokus?

Vorrangig geht es um eine schnelle Angleichung der Mineralölbesteuerung, die zwischen den einzelnen Ländern erheblich differiert. Pro Tankfüllung sind hierzulande 300 bis 400 Euro mehr zu bezahlen als in Osteuropa. Mit billigem Diesel im Tank können die nach Deutschland einfahrenden Lkw bis zu 4000 Kilometer ohne Tankstopp zurücklegen. Auch bei den Lenk- und Ruhezeiten müssen wir immer wieder feststellen, dass im Gegensatz zu der hohen Kontrollintensität in Deutschland im Ausland nur unzureichend überprüft wird. Das führt auch dazu, dass die digitalen Tachografen in den Lkw, die die Einsatzzeiten aufzeichnen, in großem Stil manipuliert werden. Bei entsprechenden Untersuchungen in jüngster Zeit ist rund ein Drittel aller Tachografen-Aufzeichnungen beanstandet worden.

In der Europäischen Union wird über neue Gebühren für den Straßengüterverkehr nachgedacht. Wie ist der Stand?

Der EU-Ministerrat hat kürzlich beschlossen, einen Luftverschmutzungs- und Lärmzuschlag auf die Lkw-Maut zu erheben. Das bedarf aber noch der Zustimmung des EU-Parlaments. Besonders ärgerlich ist, dass ursprünglich diese Zusatzgebühr alle Verkehrsträger betreffen sollte. Jetzt soll nur noch der Straßengüterverkehr zur Kasse gebeten werden.

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