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Lokales

20. September 2017 | 09:36 Uhr

Sparen darf nicht bestraft werden

vom

svz.de von
erstellt am 10.Mär.2011 | 10:09 Uhr

Schwerin | Die Reaktion des Schweriner Job-Centers kam umgehend. "Wir haben den Sachverhalt erneut geprüft und einen Bewertungsfehler festgestellt, für den wir uns entschuldigen", sagte gestern Geschäftsführerin Caren Gospodarek-Schwenk. Nach dem Bericht in unserer Zeitung muss eine 47-jährige Arbeitslose in der Landeshauptstadt, die 67 Euro gespart und auf einen Schlag auf ihr Konto eingezahlt hatte, nun doch keine Kürzung ihrer Hartz-IV-Bezüge für den betreffenden Monat hin nehmen. Der entsprechende Bescheid werde aufgehoben, kündigte Gospodarek-Schwenk an.

Weil sie den monatlichen Frei betrag von 30 Euro überschritten habe, sollten der Schwerinerin 37 Euro auf ihr Arbeitslosengeld II an ger ech net werden. Ein Jahr lang habe sie Kleingeld gesammelt, das sie beim Einkaufen zurückbekommen habe, um sich zum Beispiel Winterstiefel kaufen zu können, so die Arbeitslose. Jetzt werde ihr vorgeworfen, zu viel Hartz IV bezogen zu haben, nur weil sie die 67 Euro auf einmal auf ihr Konto eingezahlt habe. Das sei ja wohl ein Witz.

Wenig Verständnis für die ursprüngliche Entscheidung des Job-Centers zeigten auch die fast 500 Teilnehmer unserer Online-Umfrage. 76,5 Prozent sprachen sich bei der Abstimmung für eine kulante Regelung aus. Lediglich 23,5 Prozent befürworteten die geplante teilweise Anrechnung des Ersparten aufs Arbeitslosengeld II.

"Wohin führen wir die Menschen nur, die nicht am Arbeits- und Einkommensleben in unserer Gesellschaft teilnehmen dürfen?", mahnte Ulrich Schwarz in einer Leserzuschrift. Auch Ute Moldenhauer übte heftige Kritik: "Das ist wirklich ein Armutszeugnis für das Job-Center und ein trauriger Tag für alle Hartz-IV-Sparer - wenn sie es überhaupt noch können, von dem bisschen Geld zu sparen."

"Unfassbar" sei die erste Entscheidung des Job-Centers, so Falko Kresin. Die 47-jährige Schwerinerin habe sich von dem ihr gesetzlich zustehendem Harz IV noch etwas zusammengespart, nun sollte es ihr als zusätzliche Ein nahme berechnet werden.

Aufgebracht äußerte sich auch Gesche Hävelmann: "Ich denke, ich sehe nicht richtig, als ich den Artikel in der SVZ las. Da sieht man wieder, wie stur das Amt die Ge setze befolgt ohne nachzudenken. Man muss doch ansparen, um sich wie in diesem Fall Winterschuhe zu kaufen." "Haben die Mitarbeiter des Job-Centers eigentlich einmal versucht, einen Monat von Hartz IV zu leben?", fragte Doris Krzossa.

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