Sozial Schwache mit faulen Zähnen

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17. September 2009, 11:11 Uhr

Bützow/Güstrow | Die gute Nachricht: Die Zahl der Karies-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sinkt seit Jahren rapide. Zahnärzte beobachten aber zunehmend, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien schlechtere Zähne haben als andere. "Eine Polarisierung ist eindeutig zu erkennen", sagt der Bützower Zahnarzt Dr. Mathias Wolschon, der auch Vorsitzender der Kreisstelle Bützow der Zahnärztekammer ist.

Kariesbefall bei Kindern und Jugendlichen war einst ein Problem, "das sich durch alle Bevölkerungsschichten zog", sagt Mathias Wolschon. 1989 waren in der DDR bei jedem Zwölfjährigen durchschnittlich 4,1 Zähne schon einmal von Karies befallen. Heute seien es in den neuen Bundesländern nur noch 1,1 Zähne, deutschlandweit liegt diese Zahl bei 0,7 Zähnen. "Der Osten war und ist noch immer schlechter als der Westen", sagt Wolschon. Im internationalen Vergleich habe die Bundesrepublik aber einen Spitzenplatz eingenommen.

Ein Grund: Bei Kindern ab sechs Jahren - bei jungen Zähnen ist die Karies-Gefahr am größten - werden die Beißer kostenlos versiegelt. Bei entsprechender Mundhygiene, halbjährlichen Fluor-Prophylaxen und gesunder Ernährung lässt sich die Kariesgefahr so auf ein Minimum reduzieren. Löcher und Bohren muss also gar nicht sein. Doch gerade in sozial benachteiligten Familien werde die Prophylaxe weniger praktiziert oder auch deren Sinnhaftigkeit nicht erkannt. "Eltern haben heute viel mehr Eigenverantwortung als noch zu DDR-Zeiten", sagt Mathias Wolschon. Deshalb würden manche noch immer den zahnärztlichen Massen-Behandlungen in den sozialistischen Schulen hinterhertrauern.

Gestern fand an der Bützower Grundschule die zentrale Veranstaltung des Landkreises zum Tag der Zahngesundheit statt. Der ist aber erst am 25. September. Dann besuchen Tausende Kinder wieder Zahnarztpraxen im Land.

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