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Sopranistin Sirje Aleksandra Viise - Gebrochener Finger wies den Weg

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erstellt am 18.Jul.2011 | 06:57 Uhr

Fremd fühlt sich Sirje Aleksandra Viise in der Prignitz nicht. Was Wunder, kann sie doch auf zwei erfolgreiche Teilnahmen bei der Perleberger Lotte-Lehmann-Akademie zurückblicken. Ihre persönliche Eintrittskarte für die zwölfte Auflage der Elblandfestspiele löste die junge Sopranistin im Februar dieses Jahres, als sie sich beim Gesangswettbewerb des Elblandfestspielvereins, den dieser 2011 erstmals gemeinsam mit den Organisatoren der Lotte-Lehmann-Akademie ausrichtete, gegen Casey Cole aus den USA und Sophia Körber aus Pritzwalk durchsetzte und dafür die Goldene Elfe erhielt. "Die steht bei mir im Regal und funkelt mich jeden Tag an", sagt die charmante Sängerin und lächelt.

Dass der "Prignitzer" Sirje Viise ausgerechnet an der "Zeitreise" zum Fototermin bittet, passt zu ihrer Biografie, die maßgeblich von zwei großen Reisen bestimmt ist. Geboren in der estnischen Hauptstadt Tallinn, macht sie ihre ersten musikalischen Erfahrungen im Geigenunterricht des Großvaters. Später gelingt ihren Eltern die Ausreise aus dem zur Sowjetunion gehörenden Estland, und die USA werden Viises neue Heimat. "Ich wuchs in New York auf, allerdings in einer Umgebung, in der viele estnische Familien lebten", berichtet sie.

Während ihrer ganzen Kindheit und Jugend spielen Kunst und Musik eine wichtige Rolle. So spielt sie in Musicalaufführungen mit, perfektioniert ihr Geigenspiel und beginnt schließlich ein Studium an der Indiana University. Dass sie heute als Sopranistin und nicht als Violinistin auf der Bühne steht, ist einem Unfall zu "verdanken". "Ich habe mir einen Finger an der linken Hand gebrochen, das war im ersten Studienjahr", erinnert sie sich an den Punkt, der ihre künstlerische Laufbahn in eine ganz andere Richtung lenkte.

Allerdings: Gesungen hat Sirje Viise schon immer gerne. "Ich habe es von meiner Kindheit an geliebt und eigentlich immer gewusst, dass es das ist, was ich am besten kann", sagt Sie. Das liege vielleicht in ihrer Herkunft. "Wir Esten singen gern und viel. Meine Eltern - sie sind beide Sänger - waren aber der Ansicht, Gesang kann man nicht studieren, man muss es einfach tun, und so war das Thema für sie erledigt. Der Fingerbruch war dann die passende Chance, meinen Weg zu gehen."

Anfangs bleibt sie ihrer Universität treu, wechselt aber bald zum privaten Gesangsunterricht. Wettbewerbe und Auftritte in den USA folgen, bis ihre Lehrerin vor vier Jahren vorschlägt, sich in Deutschland weiter ausbilden zu lassen. "Sie war überzeugt davon, dass mich das weiter bringen würde, meine Begeisterung hielt sich aber in Grenzen." Schließlich gibt Sirje Viise nach und lässt sich auf das Abenteuer ein, zieht nach Berlin und intensiviert hier ihre musikalische Ausbildung.

"Große Bedenken hatte ich wegen der Sprache, obwohl noch ein paar Wörter in meiner Erinnerung abgespeichert waren, denn meine Eltern haben zu Hause auch Deutsch gesprochen" sagt sie, wobei ihr Akzent kaum auf eine in den USA aufgewachsene Estin schließen lässt. Engagements und Studium - darunter die zwei Lotte-Lehmann-Akademien - bestimmen ihr Leben in Deutschland. "Ich brauche aber diese Herausforderung, dieses ständige ,in Bewegung sein" sagt sie und ihre grünen Augen funkeln dabei. "Ein ruhiges Leben hätte ich ja auch haben können, aber das wollte ich nicht."

Inzwischen fühlt sich Sirje Viise in großen Opernarien - sie stand unter anderem als Liù in Puccinis "Turandot" und als Micaëla in Bizets "Carmen" auf der Bühne - genauso wohl wie in deutschen Volksliedern . Wohl auch aus diesem Grund hat sie keine Berührungsängste, wenn sie diese gemeinsam mit Eva Lind und anderen Superstars auf der Elblandbühne vor gut 2000 Besuchern zum Besten gibt.

Überhaupt freut sich die Nachwuchssopranistin auf das Konzert. "Es ist eine tolle Chance, mit solchen Größen gemeinsam zu arbeiten. Und dabei läuft hier alles so entspannt, fast familiär ab. Das macht es mir, der ,Anfängerin unter den Solisten, leicht, mich auf das Wesentliche - das Singen - zu konzentrieren." Ein Novum in ihrer Karriere sei die Arbeit mit dem Fernsehen. "Das hatte ich bisher noch nie und bin sehr gespannt, wie es laufen wird."

Trotz aller inzwischen erlernter Professionalität sei ein bisschen Lampenfieber immer noch dabei. "Früher fand ich das Kribbeln im Bauch furchtbar, heute ist es toll. Ich genieße die Aufregung vor jedem Auftritt." Pläne für die Zukunft hat die junge Frau natürlich auch. "Ein amerikanischer Komponist schreibt gerade eine Oper für mich, und auch ein Liederzyklus ist in Arbeit." Ein Ruhiges Leben ist für Sirje Viise also nicht in Sicht.


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